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Alt 06.09.2006, 10:28
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Standard Periduralanästhesie

Was ist eine Periduralanästhesie?

Unter Anästhesie versteht man den Vorgang einer Schmerzausschaltung. Je nachdem, welches Gebiet schmerzfrei werden soll, gibt es verschiedene Verfahren der Anästhesie. Die Periduralanästhesie ist eine rückenmarksnahe Regionalanästhesie, die eine Schmerzfreiheit der unteren Körperregion hervorruft. Der Patient ist während der Periduralanästhesie „hellwach“.


Wie funktioniert die Periduralanästhesie?

Nachdem der Anästhesist (Narkosearzt) ein lokales Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) gespritzt hat, injiziert er ein weiteres Lokalanästhetikum in die Nähe des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule. Dadurch wird die Schmerzleitung von der unteren Körperregion zum Gehirn im Bereich der aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln unterbrochen. Der Patient nimmt keinen Schmerz mehr wahr.



Wozu dient die Periduralanästhesie?

Einige Operationen an den unteren Extremitäten und im Unterbauch können alternativ zu einer Vollnarkose in Periduralanästhesie durchgeführt werden. Typische Operationen, die sich hierfür eignen, sind beispielsweise:
  • Kaiserschnitt
  • Operationen am Bein
  • Operationen an der Hüfte
  • Operationen in der Leiste
  • Operationen im Bereich von Harnröhre und Harnblase
Die Periduralanästhesie findet auch in der Schmerztherapie Anwendung. Hierzu kann ein für die Operation angelegter Periduralkatheter auch nach der Operation für die Schmerztherapie verwendet werden. Manche Periduralkatheter werden ausschließlich zur Schmerztherapie angelegt, z.B. gegen Wehenschmerz während der Geburt.


Was ist vor der Periduralanästhesie zu beachten?

Bei einer Periduralanästhesie darf die Blutgerinnung nicht beeinträchtigt sein. Daher werden Patienten, die bis kurz vor der Operation Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung beeinträchtigen - z.B. Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung oder Arzneimittel zur Hemmung der Blutplättchenzusammenlagerung - von einer Periduralanästhesie ausgeschlossen.

Ob die geplante Operation sich für die Periduralanästhesie eignet, bespricht der Anästhesist mit dem Patienten während der Vorbereitung zur Narkose.


Wie wird die Periduralanästhesie durchgeführt?

Nachdem der Anästhesist ein lokales Betäubungsmittel gespritzt hat, sticht er eine hauchdünne Nadel zwischen zwei Wirbelkörpern in Richtung des Wirbelkanals, in den so genannten Periduralraum. Die Kanülenspitze kommt dabei außerhalb des Schlauches aus Rückenmarkshaut zu liegen, der das Rückenmark umschließt. Ist die Lage der Kanüle korrekt, führt der Anästhesist einen extrem feinen Katheter ein. In diesen spritzt er ein Lokalanästhetikum, das in die aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln eindringt und die Schmerzleitung zum Gehirn unterbricht.

Die Ausdehnung der Periduralanästhesie kann durch die Menge des Lokalanästhetikums beeinflusst werden. Die Verwendung von hoch konzentriertem Lokalanästhetikum führt neben der Schmerzfreiheit auch zu einer Muskelerschlaffung.

Wird die Periduralanästhesie zur postoperativen Schmerztherapie verwendet, wird ein niedrig konzentriertes Lokalanästhetikum - bisweilen in Kombination mit einem Schmerzmittel - in den Katheter gegeben. Dadurch bleibt die Muskelfunktion unbeeinflusst. Der Patient kann sich bewegen, obwohl er ausreichend schmerzfrei ist.



Welche Komplikationen können bei der Periduralanästhesie auftreten?

Die allgemeinen Risiken einer Regionalanästhesie treffen auch bei der Periduralanästhesie zu:
  • Infektion an der Punktionsstelle: Zur Vorbeugung dieser Komplikation erfolgt die Punktion unter sterilen Bedingungen.
  • Blutung bei Verletzung eines Blutgefäßes: Bei Patienten mit intakter Blutgerinnung ist diese Komplikation extrem selten. Patienten mit gestörter Blutgerinnung dürfen sich nicht einer Periduralanästhesie unterziehen.
  • Nervenschäden: Direkte Nervenschädigungen durch die Periduralanästhesie sind sehr selten, da Kanüle und Katheter die Rückenmarkshaut nicht durchstoßen. Um die korrekte Lage sicherzustellen, spritzt der Anästhesist vor jeder neuen Medikamentengabe durch den Katheter zunächst eine kleine Menge Lokalanästhesie. Sollte, was sehr selten der Fall ist, der Katheter während seiner Liegezeit doch durch die Rückenmarkshaut gewandert sein, würde sich binnen kurzem eine Spinalanästhesie ausbreiten, deren Wirkung nach einiger Zeit folgenlos beendet ist. Bleibende Nervenschäden und die von Patienten oft befürchtete Querschnittslähmung sind bislang nur in Einzelfällen vorgekommen und damit extrem selten. Die Periduralanästhesie gilt als sehr sicheres Verfahren, das in Deutschland vielfach pro Jahr Anwendung findet, ohne Nervenschäden zu verursachen.
  • Reaktionen auf das Lokalanästhetikum: Gerät das Lokalanästhetikum versehentlich in ein Blutgefäß, kann es zu Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralen Nervensystems kommen. Um diese Komplikation zu vermeiden, stellt der Anästhesist vor dem Einspritzen eines Lokalanästhetikums durch kurzes Ansaugen mit der Spritze sicher, dass sich die Kanülenspitze nicht in einem Blutgefäß befindet.
  • Allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum sind bei den heute verwendeten Lokalanästhetika nur selten.
  • Auf Grund anatomischer Probleme kann sich bei der Punktion herausstellen, dass die Anlage einer Periduralanästhesie erschwert oder unmöglich ist. Da dadurch nur eine unzureichende Schmerzfreiheit erzielt wird, wird in diesen Fällen eine Vollnarkose durchgeführt.
Welche Alternativen gibt es zur Periduralanästhesie?

Für Operationen am Bein können auch andere Formen der Regionalanästhesie in Frage kommen.

Falls der Patient eine Periduralanästhesie nicht wünscht, kann sich der Anästhesist jederzeit für eine Vollnarkose entscheiden.



Quellen
Klinik für Anaesthesiologie der Universität zu Köln
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