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Alt 06.09.2006, 10:32
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Standard Regionalanästhesie

Was ist eine Regionalanästhesie?

Eine Anästhesie ist eine Ausschaltung des Schmerzes. Je nachdem, wo diese Schmerzausschaltung wirkt, unterscheidet man verschiedene Arten der Anästhesie.

Im Gegensatz zur Lokalanästhesie, wo lediglich das Wundgebiet selbst betäubt ist, wird bei der Regionalanästhesie eine Schmerzfreiheit der gesamten Körperregion, an der operiert wird, herbeigeführt.

Unter dem Begriff Regionalanästhesie versteht man verschiedene Anästhesieformen. Sie alle haben gemeinsam, dass die Schmerzleitung vom Ort der Schmerzentstehung, dem Operationsgebiet, zum Ort der Wahrnehmung, dem Gehirn, unterbrochen wird.


Wie funktioniert die Regionalanästhesie?

Schmerz entsteht am Ort einer Gewebsschädigung, z.B. bei der Operation, indem spezielle Schmerzrezeptoren gereizt werden. Anschließend leiten Nerven den Reiz über das Rückenmark bis ins Gehirn weiter, wo die eigentliche Wahrnehmung des Schmerzes stattfindet.

Die Regionalanästhesie unterbricht diese Schmerzleitung auf dem Weg vom Ort der Entstehung zum Gehirn: Der Mensch nimmt den Schmerz nicht mehr wahr. Die Unterbrechung erfolgt dadurch, dass ein Medikament zur lokalen Betäubung, ein so genanntes Lokalanästhetikum, die Weitergabe der Nervenimpulse verhindert. Gleichzeitig unterbricht es auch die Nervenleitung vom Gehirn zu den Muskeln. Als Folge tritt eine Muskelerschlaffung in derselben Körperregion ein, die durch Regionalanästhesie schmerzfrei gemacht wurde. Je nach Art und Menge des verwendeten Lokalanästhetikums sowie der durchgeführten Form hält eine Regionalanästhesie unterschiedlich lange an und ist anschließend völlig reversibel.


Wozu dient die Regionalanästhesie?

Die Regionalanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit bei Operationen, ohne dass der Patient das Bewusstsein verliert.

Nicht immer eignet sich die Regionalanästhesie für eine Operation. Am ehesten kommen hierfür Operationen an den Extremitäten und im Unterbauch in Frage.

Neben der Schmerzfreiheit während einer Operation finden einige Formen der Regionalanästhesie auch bei der postoperativen Schmerztherapie Anwendung.



Was ist im Vorfeld einer Regionalanästhesie zu beachten?

Wie bei der Vollnarkose wird der Anästhesist mit dem Patienten ein Gespräch zur Vorbereitung zur Narkose führen. In diesem Gespräch macht sich der Anästhesist ein Bild von der Krankengeschichte und dem Gesundheitszustand des Patienten. Dabei bespricht er mit ihm, ob eine Regionalanästhesie bei der vorgesehenen Operation möglich ist. Ferner legt er den Umfang der Untersuchungen fest, die zur Abklärung des Narkoserisikos nötig sind, berät den Patienten über die geeignete Form der Regionalanästhesie und klärt ihn über Vorgehen und Risiken auf. Die weitere Vorbereitung einer Regionalanästhesie wie
  • Beruhigungsmittel für die Nacht und den Morgen vor der Operation
  • Einhalten der mehrstündigen Nüchternheit vor Operation (kein Essen, Trinken, Rauchen)
erfolgt wie bei einer Vollnarkose.



Wie wird eine Regionalanästhesie durchgeführt?

Die Unterbrechung der Schmerzleitung ist an mehreren Stellen möglich:
  • Im Bereich des Rückenmarks (so genannte rückenmarksnahe Regionalanästhesie)
  • Im Bereich des Nervengeflechts (Plexus), also dort, wo sich die Nervenfasern nach dem Austreten aus dem Rückenmark zu Nerven vereinigen
  • Im Bereich einzelner Nerven (so genannte periphere Regionalanästhesie)
Zu den rückenmarksnahen Regionalanästhesien gehören die Spinalanästhesie und die Periduralanästhesie. Bei beiden Verfahren geht der Anästhesist gleich vor: Erst spritzt er ein lokal wirkendes Betäubungsmittel und danach ein weiteres Lokalanästhetikum zwischen zwei Wirbel in Richtung des Wirbelkanals.

Die Plexusanästhesie wird überwiegend an den oberen Extremitäten angewendet, weil dort der Nervenplexus gut zugänglich ist. Nachdem er sich an bestimmten anatomischen Punkten wie z.B. Muskelansätzen und Knochenvorsprüngen orientiert hat, sticht der Anästhesist nach einer lokalen Betäubung mit einer Kanüle in Richtung des Nervengeflechts. Indem er ein Nervenstimulationsgerät verwendet, erkennt er, wenn sich die Kanülenspitze dem Nervengeflecht nähert. Bei einem Nervenstimulationsgerät ist eine Spezialinjektionskanüle über ein Kabel an eine Stromquelle angeschlossen, die Impulse abgibt. Kommt es bei niedriger Stromstärke zu einer Empfindung oder Muskelkontraktion im Bereich des gesuchten Nerven, so ist die Injektionsnadel richtig platziert. Nun spritzt der Anästhesist ein Lokalanästhetikum in die Nähe des Nervengeflechts. Dieses Lokalanästhetikum dringt in die Nervenfasern ein und verhindert die Schmerzleitung zum Gehirn.

Bei der peripheren Regionalanästhesie injiziert der Anästhesist das Lokalanästhetikum unter Verwendung des Nervenstimulators in die Nähe eines Nervs oder mehrerer Einzelnerven. Die Suche nach der Punktionsstelle orientiert sich auch hier an anatomischen Punkten. Die Schmerzfreiheit umfasst das vom betroffenen Nerv versorgte Areal.



Welche Komplikationen können bei der Regionalanästhesie auftreten?

Komplikationen kommen bei einer Regionalanästhesie selten vor:
  • Infektion an der Punktionsstelle: Zur Vorbeugung dieser Komplikation erfolgt die Punktion unter sterilen Bedingungen.
  • Blutung bei Verletzung eines Blutgefäßes: Bei Patienten mit intakter Blutgerinnung ist diese Komplikation extrem selten. Patienten mit gestörter Blutgerinnung dürfen sich nicht einer Regionalanästhesie unterziehen.
  • Nervenschäden: Obwohl diese Komplikation bei den Patienten am meisten gefürchtet ist, kommt sie nur extrem selten vor. Da die verwendeten Punktionskanülen an der Spitze nicht scharf geschliffen sind, kommt es selbst bei Berührung einer Nervenfaser nicht zur Verletzung.
  • Reaktionen auf das Lokalanästhetikum: Gerät das Lokalanästhetikum versehentlich in ein Blutgefäß, kann es zu Reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems und des Zentralen Nervensystems kommen. Um diese Komplikation zu vermeiden, stellt der Anästhesist vor dem Einspritzen eines Lokalanästhetikums durch kurzes Ansaugen mit der Spritze sicher, dass sich die Kanülenspitze nicht in einem Blutgefäß befindet.
  • Allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum sind bei den heute verwendeten Lokalanästhetika nur selten.
  • Auf Grund anatomischer Probleme kann sich bei der Punktion herausstellen, dass die Anlage einer Regionalanästhesie erschwert oder unmöglich ist. Da daraus eine unzureichende Schmerzfreiheit resultiert, wird in diesen Fällen eine Vollnarkose durchgeführt.
Die besonderen Komplikationen, die bei den einzelnen Verfahren auftreten können, werden im Gespräch zur Vorbereitung der Narkose zwischen Anästhesist und Patient im Detail besprochen.


Welche Alternativen gibt es zur Regionalanästhesie?

Manche Patienten wünschen eine Regionalanästhesie und möchten dennoch während der Operation nicht wach bleiben. Sie erhalten dann ein Beruhigungsmittel, das einen oberflächlichen Schlaf herbeiführt. Dadurch „verschlafen“ sie die Operation regelrecht.

Einige Verfahren der Regionalanästhesie können erweitert werden, indem nicht nur einmalig ein Lokalanästhetikum eingespritzt wird, sondern über einen hauchdünnen Katheter, der durch die Kanüle geschoben wurde, wiederholt oder kontinuierlich Lokalanästhetikum gegeben wird. Diese Katheterverfahren eignen sich auch für die postoperative Schmerztherapie.


Quelle netdoktor
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