Letmathe/Köln. (rd) Einen beeindruckenden Erfolg konnte Dr. Günter Schütze, Chefarzt am Marienhospital, jetzt verzeichnen. Das Wissen des Anästhesisten, der mit seinem Epiduroskopie-Verfahren Schmerzen lindert, war bei einem internationalen Fachkongress in Köln gefragt.
Mehr als 50 Mediziner aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien lauschten den Ausführungen des Experten, der ein Verfahren in Deutschland forciert, das die moderne Schmerztherapie revolutioniert.
"Es ist gut gelaufen", sagt Dr. Schütze bescheiden, dem vor allem der Austausch mit anderen Medizinern am Herzen lag. "Wir haben selbst den Vertretern großer Häuser gezeigt, dass medizinischer Fortschritt auch aus kleineren Krankenhäusern heraus erfolgen kann", freut sich der leidenschaftliche Mediziner.
Aber was verbirgt sich hinter dem Verfahren? Warum reisen inzwischen sogar Patienten aus Dubai und Israel nach Letmathe, um sich im Marienhospital behandeln zu lassen? Die Untersuchung des Wirbelkanals mit einem beweglichen Endoskop - also einem Minischlauch mit Kleinstgeräten an der Spitze - erweitert die Untersuchungsmöglichkeiten bei Rückenschmerzen. Mögliche Anwendungsgebiete sind zum Beispiel Rückenbeschwerden, die ins Bein ausstrahlen, für die sich aber bei herkömmlichen Untersuchungen keine auffälligen Befunde finden lassen.
Oder ein Patient wurde bereits an der Bandscheibe operiert, aber die Schmerzen bleiben. Er soll deshalb erneut operiert werden - mit relativ großer Ungewissheit, dass der Eingriff erneut keine Besserung bringen wird. In solchen Fällen erweitert die Epiduroskopie seit einigen Jahren die Diagnosen der Schmerzspezialisten.
Hier liefert ein spezielles Endoskop farbige und räumliche Bilder aus dem Wirbelkanal. Die Ärzte können so mögliche Schmerzursachen identifizieren, die mit herkömmlichen bildgebenden Verfahren gar nicht oder nur schlecht festgestellt werden können. Dazu gehören etwa Entzündungen, Vernarbungen oder Verklebungen sowie Verengungen des Wirbelkanals.
Über einen Arbeitskanal des Endoskops können die Ärzte auch Gewebeproben für weitere Untersuchungen entnehmen. Weiterer Vorteil des Verfahrens: Bei einem "Provokationstest" mit dem Laser kann der Arzt zunächst prüfen, ob eine entdeckte Veränderung tatsächlich die Schmerzursache ist. Dies erspart den Patienten überflüssige Eingriffe. Ist die Diagnose dadurch tatsächlich bestätigt, kann der Arzt in derselben Sitzung via Endoskop behandeln.
So können beispielsweise gezielt entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente vor Ort im Wirbelkanal verabreicht, Vernarbungen und Verklebungen mit winzigen Instrumenten oder dem Laser gelöst werden. Ebenso kann der Arzt unter Sicht Katheter für eine gezielte Medikamentengabe oder Elektroden zur Nervenreizung platzieren.
Die Einleitung einer solchen Diagnostik und Therapie muss in ein schmerztherapeutisches Gesamtkonzept verschiedener Disziplinen eingebunden sein", erklärt Dr. Günter Schütze, der ebenfalls das Regionale Schmerzzentrum der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie leitet.
Der bekannte Fachmann ist für die Leserinnen und Lesern der Heimatzeitung übrigens schon längst kein Unbekannter mehr. Beim Gesundheitstag im Parktheater hat er einen mit großem Beifall bedachten Vortrag gehalten, in einem großen Exklusiv-Beitrag wurde außerdem auf das das Verfahren aufmerksam gemacht. Inzwischen hat der Experte auch ein Fachbuch zur Epiduroskopie geschrieben (Epiduroskopie - Ein praxisorientierter Leitfaden zur epiduroskopischen Diagnostik und Therapie rückenmarksnaher Schmerzsyndrome, ISBN 3-89967-252-6). Hilfe und weitere Informationen gibt es zudem auf der Internetseite
www.pain.de.
(Quelle:
Westfälische Rundschau)