Hypnose: Im Zahnarztstuhl an den Strand
Rostock (ddp). Bei der Weisheitszahn-Operation wünscht sich die Patientin in ihren Urlaub am kroatischen Strand zurück. Der Zahnarzt Eberhard Lense bittet sie mit sanfter Stimme, auf das Meer zu gucken und genau zu beobachten, was sie am Strand hört, riecht und fühlt. Zeitgleich beginnt er, den Knochen zu fräsen. Als alles vorbei ist, kann sich die Patientin nur noch an ein einziges unliebsames Erlebnis erinnern: «Als das Motorboot vorbeifuhr und mich nass gespritzt hat.» Das sei ein schönes Beispiel dafür, wie Hypnose das wirklich Erlebte verändern könne, sagt der Zahnarzt aus Pinnow. «Zwar hat die Patientin noch ein unangenehmes Gefühl - wer wird schon gerne vom Spritzwasser eines Motorbootes durchnässt - aber das Erleben ist auf ein anderes Ereignis als die Behandlung gelenkt.» Hypnose sei eigentlich nichts anderes als eine besonders intensive Entspannung, erläutert der 61-Jährige. Der Patient konzentriere sich auf etwas außerhalb des Sprechzimmers und interpretiere den Schmerz anders. «Das Gehirn kann nur eine Sache verarbeiten - Weisheitszahn oder Motorboot», sagt der Zahnarzt. Lense arbeitet seit zehn Jahren mit Hypnose. Die Behandlung läuft schneller und angenehmer ab, sowohl für den Patienten wie auch für das Zahnarztteam. Schmerzmittel werden zwar nicht völlig ersetzt, aber nur noch eingeschränkt gegeben. Dennoch ist Hypnose in Zahnarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern die Ausnahme. Rund 20 Kollegen praktizieren mit dieser Methode, schätzt Gerald Flemming, Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer des Landes. Voraussetzung ist eine Zusatzausbildung. Erstattet werden die Kosten von den Krankenkassen nicht, und das scheint auch der Knackpunkt zu sein. «Die zusätzliche Zeit kostet bei uns», sagt Lense, und zwar 50 Euro pro Stunde. Vorbereitung und Hypnose selbst dauern bei jeder Behandlung unterschiedlich. Und auch wie wirksam die «Besprechung» ist, unterscheidet sich von Patient zu Patient. «Je stärker das Vertrauensverhältnis, desto besser der Erfolg», sagt Lense. Nicht alle Patienten könnten sich auf das Spiel einlassen. Jedoch nur etwa jeder zehnte seiner Patienten sei mit Suggestion real nicht behandelbar. Dazu gehörten Patienten, die in psychotherapeutischer Behandlung seien, oder Kinder unter drei Jahren. Alle anderen könnten nur gewinnen: Patienten beispielsweise, die vor einer langen Zahn-OP stehen, oder solche mit extremer Angst vor dem Zahnarzt. Zentrales Element der Hypnose sei die Sprache, sagt Lense. «Statt Bohrer sagen wir Putzer.» Neben Worten, die Ängste vermeiden sollen, sucht Lense Energiepunkte und führt so die Patienten in eine andere Welt. Sobald er Hände auflegt, lässt die Herzfrequenz nach und der Blutdruck sinkt. Nach nur zwei Minuten kann der Patient die Gedanken fliegen lassen und sich entspannen.
Quelle: Netdoctor
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