Schlechtes Gedächtnis: Namen ohne Bedeutung
Bielefeld (ddp). Ein bekanntes Gesicht - aber wie war noch gleich der Name? Viele Menschen haben mit dieser Gedächtnisschwäche zu kämpfen. Man weiß genau, welchen Beruf das Gegenüber ausübt, dass man sich im Italienurlaub vor einem Jahr kennen gelernt hat und wie die Ehefrau aussah. Aber der Name ist nicht mehr präsent. Doch warum gibt es dieses Phänomen, dass sich viele Menschen Namen nicht merken können? «Namen sind im Allgemeinen schwieriger zu lernen als andere Informationen. Sie sind nur schwach im semantischen Netz verankert», sagt Neuropsychologe Michael Bulla-Hellwig von der Universität Bielefeld. Das heißt: Namen lassen sich schlecht mit Bedeutung versehen. Während wir beispielsweise den Beruf Bäcker mit bestimmten Vorstellungen verbinden - weiße Kleidung, Mehl an den Händen, warme Backstube - bleibt der Name Bäcker ohne so genannte Konnotationen. Außerdem seien Allerweltsnamen wie Bäcker, Meier oder Schröder besonders schwer zu merken. «Für ausgefallene Namen dagegen verwenden wir mehr Energie und Strategien, um sie überhaupt zu verstehen oder auszusprechen», sagt der Experte. Daher sei es meist auch einfacher, sich daran zu erinnern. «Unser fotografisches Gedächtnis funktioniert viel besser als das Namensgedächtnis», fügt Bulla-Hellwig hinzu. Was wir uns also bildlich vorstellen können, wie zum Beispiel das Gesicht eines Menschen, seinen Beruf oder den Ort, an dem wir ihn getroffen haben, bleibt länger im Gedächtnis haften. Da Namen meist aber nur genannt werden, gibt es dazu nichts Bildhaftes, das uns als Eselsbrücke dienen könnte. Menschen, denen es dagegen leicht fällt, Namen zu behalten, tricksen ihr Gehirn quasi aus. «Sie entwickeln Strategien, um dieses Defizit auszugleichen», erläutert der Gedächtnisforscher. Viele wiederholen den Namen, nachdem sie ihn das erste Mal gehört haben oder schreiben ihn sich auf. «Andere versuchen, den Namen mit bestimmten Assoziationen zu verknüpfen, ihn also aus seinem abstrakten Zustand herauszuholen», sagt Bulla-Hellwig. Sich Namen merken zu können, habe also viel dem eigenen Willen und mit Interesse am anderen zu tun. Wer von vornherein blockiert sei und nichts gegen diese Schwäche unternehme, werde sie auch nicht überwinden können, betont der Fachmann.
Quelle: Netdoctor
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