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Alt 02.10.2006, 18:40
Nancy
 
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Standard Leberkrebs: Leicht erhöhte Leberwerte ernst nehmen


Hamburg (ddp). Leberkrebs ist auf dem Vormarsch. Die Zahl der Erkrankungen in Deutschland hat sich innerhalb von 30 Jahren verdoppelt - bei kaum einer anderen Krebsart beobachten Ärzte eine solche Dynamik. Weil die Karzinome schwer zu therapieren sind, gehört Leberkrebs bei Männern zu den zehn häufigsten Todesursachen. Allerdings kann jeder dem Krebs des zentralen Stoffwechselorgans vorbeugen - denn wesentliche Risikofaktoren machen sich oft schon Jahrzehnte vor einem Tumor bemerkbar. Häufig entsteht Leberkrebs, wenn die Patienten bereits an einer Leberzirrhose leiden. Entgegen vieler Vorurteile ist allerdings nicht übermäßiger Alkoholgenuss die Hauptursache dafür, dass die größte Drüse des Körpers komplett vernarbt. «Eine Zirrhose kann auch durch langjährige chronische Leberkrankheiten entstehen», betont Professor Michael Peter Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Vorstand der Deutschen Leberhilfe. So seien nach einer Studie der MHH Hepatitis B und C mittlerweile die Auslöser für fast 50 Prozent aller Zirrhosen. Viele Menschen wüssten nicht einmal, dass sie Hepatitis-Viren in sich tragen. «Oft wird die Ursache Hepatitis erst zusammen mit dem Krebs entdeckt, obwohl das Virus schon vor Jahren erworben wurde», sagt Professor Claus Niederau vom St. Josef-Hospital Oberhausen. Mindestens eine Million Bundesbürger würden Hepatitis B oder C in ihrem Körper tragen, bis zu 80 Prozent von ihnen hätten davon keine Ahnung. Hepatitis macht sich über Jahre nur unspezifisch bemerkbar. «Ganz wichtig ist es, auch leicht erhöhte Leberwerte ernst zu nehmen», betont Niederau. Häufig würden diese bei Routineuntersuchungen vom Hausarzt nicht weiter überprüft. Der Patient sollte dann einen Hepatitis-Bluttest einfordern. «Auch bei Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Beschwerden im rechten Oberbauch sollte eine weitere ärztliche Untersuchung erfolgen», erläutert Niederau. Nach einer Virushepatitis als mögliche Ursache sollte insbesondere bei diesen Beschwerden intensiv gesucht werden, wenn der Patient oder sein Partner zu einer Hepatitis-Risikogruppe gehören. Virushepatitis B und C kann prinzipiell jeden treffen, eine Übertragung erfolgt meist über Sexual- oder Blutkontakte. Erhöhte Gefahren lauern etwa beim ungeschützten Geschlechtsverkehr, bei Verletzungen mit Nadeln im Gesundheitsbereich, bei Drogengebrauch mit Nadeltausch, aber auch in unhygienischen Tattoo- oder Piercingstudios. Zudem sind Hepatitisinfektionen bei Menschen, die aus Teilen von Osteuropa, Afrika oder Südostasien eingewandert sind, überdurchschnittlich hoch. Vor 1991 war auch eine Übertragung von Hepatitis C durch infizierte Blutkonserven möglich. Wird eine chronische Hepatitis rechtzeitig diagnostiziert, können Medikamente bei Hepatitis B und C eine Ausheilung unterstützen oder den Verlauf mildern. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hepatitis-Infektion Leberkrebs begünstigt, steigt durch Alkoholkonsum. Auch Übergewicht und Diabetes erhöhen diese Gefahr. «Leberkranke sollten deshalb auf Alkohol komplett verzichten», unterstreicht Niederau. Gesunde Menschen könnten die Risiken für eine Virushepatitis und somit indirekt für Leberkrebs minimieren, wenn sie bei neuen Partnern Safersex praktizieren, sich gesund ernähren und nur mäßig Alkohol konsumieren. Damit würden gleichzeitig die meisten anderen Auslöser von Leberzirrhosen ausgeschaltet. Vor Hepatitis B schützt zudem eine Impfung. Sie ist für Kinder in Deutschland seit Jahren Standard. Erwachsenen wird sie vor Reisen in gefährdete Länder empfohlen. Auch wer regelmäßig mit Menschen aus Risikogruppen Kontakt hat, sollte sich die schützende Spritze verabreichen lassen. «Wenn ein Erwachsener zu keiner Risikogruppe gehört, muss er die Impfung selbst bezahlen. Dafür fallen Kosten von etwa 300 Euro an», erläutert Holger Michael Hinrichsen vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Entsteht trotz aller Umsicht Leberkrebs, kann im Idealfall das befallene Gewebe durch eine Operation entfernt werden. Dies ist nicht möglich, wenn der Tumor zu groß ist, zu stark gestreut hat oder an empfindlichen Stellen sitzt. «Dann kann der Tumor nur noch mit einem Hitzeverfahren oder dem gezielten Hineinspritzen von Alkohol zerstört werden», sagt Manns. Eine komplette Heilung sei dann allerdings kaum möglich, oft helfe nur eine Lebertransplantation, die aufgrund des Organmangels aber häufig zu spät kommt.

Quelle: Netdoctor
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