Wer zuviel Schinken und Salami verspeist, kann seine Lungen schädigen, glauben US-Forscher. Deutsche Experten sehen die neue Studie kritisch
Dass Zigaretten, Feinstaub und Autoabgase schlecht für die Lungen sind, das leuchtet auch einem kettenrauchenden Großstädter ein. Doch nun gehören auch geräucherter Schinken, Salami und Co. zu den Faktoren, die dem Genießer das Atmen schwer machen. Zumindest behaupten das zwei New Yorker Lungenforscher in ihrer neuesten Studie. Vorgestellt wird die Untersuchung auf dem Kongress der European Respiratory Society in München. Wer mehr als 14-mal im Monat Pökelfleisch esse, schlussfolgern die Autoren, habe ein erhöhtes Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (
COPD). Der Krankmacher sei das Nitrit, vermuten Rui Jian und Graham Barr vom Columbia University Medical Center.
Nitrit-Esser pusten weniger
COPD ist eine Krankheit, die zu 90 Prozent Raucher betrifft. Die restlichen Patienten erkranken, obwohl sie nie in ihrem eine Zigarette angefasst haben. Die Gründe dafür sind noch unklar. Die Ärzte verglichen die Lungenfunktion und Essgewohnheiten von mehr als 7.500 männlichen und weiblichen US-Bürgern über 44 Jahren. Wer sich häufiger an gepökeltem Fleisch vergriff, schnaufte schlechter als diejenigen, die nichts davon aßen.
Als Maß für die eingeschränkte Atmung nahmen die Autoren die so genannte Einsekunden-Kapazität. Bei diesem Test müssen die Probanden in einer Sekunde so viel Atemluft wie möglich gegen einen bestimmten Widerstand pusten. Die Nitrit-Esser beförderten im Durchschnitt rund zwei Prozent weniger Luft durch das Blasrohr als die anderen Probanden. Das Nitrit greife das Lungengewebe an und die Betroffenen hätten damit ein erhöhtes Risiko an COPD zu erkranken, schlussfolgerten die Autoren.
"Mir ist das neu"
Als Kriterium für die Erkrankung reicht diese leichte Veränderung allein allerdings nicht aus, weshalb sich deutsche Lungenärzte eher skeptisch gegenüber den Studienergebnissen zeigten. "Mir ist das neu", kommentierte etwa Dr. Andrea Koch, Leiterin der Pneumologischen Ambulanz der Uniklinik Köln gegenüber Netdoktor.de. Auch andere von Netdoktor befragten Experten konnten eine entsprechende Wirkung nicht bestätigen.
Das giftige und krebserregende Nitrit sei zwar auch im Zigarettenrauch enthalten - dem Hauptverursacher der COPD -, ein direkter Zusammenhang lasse sich jedoch nicht herstellen. Ein schädlicher Effekt von nitrithaltigen Nahrungsmitteln auf die Lungen ließ sich bislang nur in Tierexperimenten nachweisen. Und solche Resultate sind nicht so einfach auf den Menschen übertragbar. Bei Nichtrauchern kommen eher andere Ursachen für die COPD in Frage. "Betroffen sind vor allem Minen- und Kohlewerksarbeiter, die jahrzehntelang Ruß und Staub eingeatmet haben", erklärt Koch. Auch der Alpha-1-Antitrypsinmangel, eine seltene, genetische Erkrankung, ist als COPD-Verursacher bekannt.
Der Schinken bleibt
Dr. Hubert Hautmann, Leiter der Pneumologie am Münchner Uniklinikum Rechts der Isar, warnt jedenfalls vor voreiligen Schlüssen. Ob das verspeiste Nitrit tatsächlich die Ursache für die in der Studie beschriebene Lungenschwäche ist, ließe sich so nicht sagen. Der Internist meint: "Man kann den Leuten nicht nur aufgrund der Studie raten, weniger Schinken zu essen."
Quelle: Netdoctor