In Europa leidet etwa 1% der Bevölkerung unter Epilepsie. Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös mit Antiepileptika, allerdings spricht ein Teil der Betroffenen auf die Medikamente nicht an. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben nun herausgefunden, wie übermäßige neuronale Gehirnaktivitäten, die z.B. zu epileptischen Anfällen führen können, durch körpereigene Cannabinoide gebremst werden können. Dabei, so die Forschergruppe um Univ.-Prof. Dr. Beat Lutz vom Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie, spielen bestimmte Rezeptoren in den Moos-Zellen, einem speziellen Typ von Nervenzellen im Hippocampus (= eine definierte Region des Gehirns), wahrscheinlich eine zentrale Rolle. "Damit konnten wir die relevante Gehirnregion ermitteln, in der dieser dämpfende Mechanismus über körpereigene Schutzfunktionen wirksam wird", erläutert Prof. Lutz. Epilepsie kommt durch eine Übererregung von Nervenzellen in verschiedenen Gehirnregionen zustande. Wenn diese Fehlfunktion nicht gehemmt wird, können starke Schädigungen oder sogar ein Absterben der Neuronen folgen. Bereits seit einigen Jahren ist bekannt, dass der Körper über einen eigenen Schutzmechanismus gegen diese Überaktivität verfügt. Dabei können körpereigene Cannabinoide, auch Endocannabinoide genannt, zusammen mit den Cannabinoid-Bindungsstellen des Typs 1 (CB1-Rezeptoren) wichtige Schutzfunktionen vermitteln, sobald sich Neuronen im Gehirn in einem zu stark angeregten Zustand befinden: Bei Übererregung werden Endocannabinoide freigesetzt, um über die CB1-Rezeptoren beruhigend auf diese übermäßig aktivierten Neuronen zu wirken. So stellen also die Endocannabinoide eine Art Dämpfer dar, um die Gehirnaktivität zu normalisieren. Die Ergebnisse der Studie, welche in der renommierten Fachzeitschrift Neuron publiziert (Neuron 51: 455-466) wurde, dürften dazu beitragen, neue Wege in der Behandlung epileptischer Erkrankungen zu beschreiten und dabei die nützliche Funktion des körpereigenen Cannabinoid-Systems stärker in den Mittelpunkt zu rücken, so die Autoren.
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Quelle: Epinews