Singende Krebszellen: Neues Hautkrebs-Frühwarnsystem
Washington (ddp). Ein neues Frühwarnsystem für bösartigen Hautkrebs bringt Krebszellen zum Singen: Wird eine Blutprobe mit blauem Laserlicht bestrahlt, beginnen alle darin enthaltenen Krebszellen zu schwingen und produzieren dabei ein typisches Geräusch, das von einem Spezialmikrofon aufgezeichnet wird. Auf diese Weise kann eine Metastasenbildung bei Hautkrebs bereits in einem Stadium entdeckt werden, in dem sich die ersten Zellen vom Ursprungstumor ablösen und noch keine anderen Organe befallen sind. Über den Test berichten Ryan Weight von der Universität von Missouri in Columbia und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Optics Letters» (Bd. 31, S. 2998). Für ihren Test nutzen die Forscher eine Besonderheit des so genannten schwarzen Hautkrebses, auch Melanom genannt, aus: Bei dieser Krebsart enthalten alle bösartigen Zellen winzige Körnchen des schwarz-braunen Farbstoffs Melanin, der auch für die Bräunung der Haut verantwortlich ist. Werden diese Melaninkörnchen mit kurzen Pulsen aus blauem Laserlicht bestrahlt, absorbieren sie die Energie des Lichts, dehnen sich dabei aus und fallen wieder zusammen, sobald der Puls vorbei ist. Durch diese schnellen Zyklen aus Ausdehnen und Zusammenziehen entstehen in der Flüssigkeit rund um die Krebszellen winzige Wellen in einer Frequenz, die der von hochfrequenten Ultraschallwellen entspricht. Das Geräusch der schwingenden Krebszellen ist sehr charakteristisch und könne leicht von anderen Geräuschen unterschieden werden, sagt Co-Autor John Viator. Entsteht es beim Bestrahlen einer Blutprobe, sei dies ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass ein Hautkrebstumor zu streuen beginne: «Der einzige Grund für Melanin im menschlichen Blut ist, dass es dort Melanomzellen gibt», betont Viator. Der Test ist so empfindlich, dass nur zehn Zellen in einer Blutprobe für eine zuverlässige Diagnose ausreichen. Da er außerdem in weniger als einer halben Stunde durchgeführt werden könne und keine schmerzhaften oder aufwändigen Eingriffe erforderlich seien, könnte er auch für Routineuntersuchungen bei Risikopatienten eingesetzt werden, schreiben die Forscher. Melanome gehören zu den aggressivsten Krebsarten überhaupt. Sobald der Tumor in die unteren Hautschichten vordringt, beginnen sich einzelne Zellen abzulösen und dringen ins Blut oder das Lymphsystem ein. Auf diese Weise gelangen sie in andere Organe, wo sie sich festsetzen und die gefürchteten Metastasen bilden können. Je früher diese zirkulierenden Krebszellen entdeckt werden, desto größer ist die Chance, die Metastasenbildung etwa mithilfe von Chemotherapien zu vermeiden und so die Überlebenswahrscheinlichkeit der Betroffenen deutlich zu verbessern.
Quelle: Netdoctor
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