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Alt 07.11.2006, 07:50
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Standard Parasit begünstigt Jungen

Ist eine Frau mit einem weit verbreiteten Parasiten infiziert, bekommt sie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit männlichen Nachwuchs. Das berichten tschechische Forscher im Fachblatt “Naturwissenschaften”. Bei einer stummen Toxoplasma-Infektion werden bis zu 257 Söhne je 100 Töchter geboren.
Je nach Land trügen 20 bis 80 Prozent der Menschen den Parasiten Toxoplasma gondii in sich, ohne Symptome einer Infektion zu zeigen, schreiben Jaroslav Flegr von der Karls-Universität in Prag. In Deutschland seien beispielsweise 39 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter infiziert. Angesichts dieser hohen Prävalenz “könnte die Toxoplasmose einen beträchtlichen Einfluss auf die Bevölkerung haben.”
Ausgangspunkt einer Toxoplasma-Infektion sind Katzen, die den Erreger mit dem Kot ausscheiden. Menschen können sich anstecken, wenn sie kontaminiertes Pflanzenmaterial oder Wasser aufnehmen oder aber rohes Fleisch infizierter Schlachttiere essen. Die Infektion verläuft meist symptomlos, kann jedoch kurz oder während einer Schwangerschaft das ungeborene Kind in Mitleidenschaft ziehen.
Normalerweise liegt das Geschlechtsverhältnis bei der Geburt bei 0,51 - entsprechend 51 Söhnen je 100 Geburten. Die Forscher analysierten nun Daten von 1.803 Frauen, die in drei Prager Kliniken entbunden hatten und auf Toxoplasma gondii getestet worden waren. Gut ein Viertel, 454 Frauen, trug entsprechende Antikörper in sich, wies jedoch keine akute Infektion auf. Bei diesen Frauen betrug das Geschlechtsverhältnis knapp 0,61 und bei jenen mit besonders hohen Antikörperspiegeln sogar 0,72.
Eine mögliche Erklärung für das Phänomen sehen Flegr und Kollegen in der Beeinflussung des Immunsystems durch den Parasiten. Normalerweise nisteten sich deutlich mehr männliche als weibliche Embryonen in der Gebärmutter ein, würden jedoch vom Körper der Mutter in den ersten Schwangerschaftswochen wieder abgestoßen, so die Forscher. Indem Toxoplasma die mütterliche Immunantwort dämpfe oder anderweitig moduliere, “könnten in infizierten Frauen mehr männliche Embryonen überleben”.
Forschung: Šárka Kaňková und Jaroslav Flegr, Katedra parazitologie, Univerzita Karlova v Praze; und andere
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