Erste Erfahrungen mit Netzhaut-Chip
Ein hauchdünner Chip im Auge kann blinden Menschen einen Teil des Sehvermögens zurückgeben. Das berichten Augenärzte aus Tübingen und Regensburg auf einem Fachkongress in Berlin. Die ersten Empfänger können demnach die Größe von Objekten erkennen, wenn das Implantat elektrische Reize abgibt.
Der einen Zehntel Millimeter dünne Chip wandelt Lichtpulse in Reizströme um. In die Netzhaut des Auges implantiert, stimuliert er jene Nervenzellen, welche die Signale der eigentlichen Lichtsinneszellen an das Gehirn weiterleiten. Zum Einsatz kommen könnte er bei Patienten mit Retinitis pigmentosa und anderen Erkrankungen, bei denen allein die Fotorezeptoren der Netzhaut untergehen, die übrigen Nervenzellen darin jedoch intakt bleiben.
Die ersten zwei subretinalen Implantate hatten die Mediziner um Eberhart Zrenner vom Universitätsklinikum Tübingen im Oktober 2005 eingesetzt. Wie die Mediziner auf der Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft berichten, gelang dies sicher und ohne Nebenwirkungen wie etwa eine Netzhautablösung. Als Reaktion auf elektrische Reizung können die beiden Empfänger nun auch horizontale von vertikalen Linien unterscheiden und die Bewegung eines Punktes verfolgen und korrekt beschreiben.
“Wir haben aber auch gelernt, dass die Reizung mit Elektrodenfeldern dann an eine Grenze kommt, wenn die Netzhauterkrankung schon zu lange, also 30 Jahre, besteht”, erklärt Zrenner. “Ist die Netzhaut nach so langer Zeit nicht mehr erregbar, dann helfen auch ein funktionierender Chip und die perfekte Operation nicht mehr.” Während die Chips nun ihre Langzeittauglichkeit unter Beweis stellen müssen, arbeiten der Forscher und seine Kollegen an weiteren Verbesserungen.
Forschung: Eberhart Zrenner und Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Pathophysiologie des Sehens und Neuro-Ophthalmologie, Universitätsaugenklinik Tübingen; Helmut G. Sachs und Veit-Peter Gabel, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universität Regensburg; und andere; Präsentation auf der 104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, Berlin; #SA.06.01/04-06
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