Auch wenn die Blase drückt, kann man sich den Gang zur Toilette meist noch eine Weile verkneifen. Was dabei im Gehirn geschieht, haben Göttinger Mediziner erstmals “live” verfolgen können. Ein ganzes Netzwerk von Hirnregionen ist demnach am willkürlichen Halten bzw. Laufenlassen des Harns beteiligt.
“Die genauen Kenntnisse über bewusste und unbewusste Vorgänge im Gehirn beim Harnlassen dienen uns jetzt als Grundlage für die Untersuchung von Patienten mit Blasenentleerungsstörungen”, erklärt Sandra Seseke vom Universitätsklinikum Göttingen. Die Urologin und ihre Kollegen präsentieren ihre Resultate im Fachblatt “Neuroimage”.
Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) kartierte die Gruppe die Gehirnaktivität von elf gesunden Frauen mit prall gefüllter Harnblase. In der Röhre eines Kernspintomographen liegend, erhielten die Probandinnen im kurzen Wechsel Anweisungen, den Harn laufen zu lassen oder ihn zurückzuhalten. Dabei zeigten sich deutliche Aktivitätsveränderungen in mehreren Gehirnregionen - auch wenn es letztlich keiner Frau gelang, tatsächlich Wasser zu lassen.
Besonders auffällig seien Aktivitätsveränderungen im Zentralen Höhlengrau (PAG) und in der Brücke (Pons) gewesen, so das Universitätsklinikum in einer Mitteilung. Beide Regionen liegen im evolutionär sehr alten Hirnstamm. Frühere Studien hatten bereits Hinweise auf ihre Rolle bei der Kontrolle des Harnlassens geliefert.
Laut Sesekes Kollege Jürgen Baudewig ist nun erstmals gelungen, “mit der nicht-invasiven fMRT-Methode das komplexe Netzwerk der am Harnlassen beteiligten Hirnregionen, vor allem auch die wichtigen Regionen im Hirnstamm, zu identifizieren”.
Forschung: Sandra Seseke, Jürgen Baudewig und Peter Dechent, Urologische Universitätsklinik und Forschungsgruppe MR-Forschung in der Neurologie und Psychiatre, Universität Göttingen; und andere; Veröffentlichung in “Neuroimage”, Vol. 31(4), pp 1399-407, DOI 10.1016/j.neuroimage.2006.02.012
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Urologie, Uni Göttingen
MR-Forschung in der Neurologie und Psychiatrie
Harninkontinenz