Wann hilft bei Schmerzen Kälte, wann Wärme? Unsicherheit in dieser Frage hält viele Patienten vor einfacher Selbsthilfe ab. Es ist jedoch nicht schwierig sich die wichtigsten Regeln zu merken. Es gilt als
Faustregel:
BEI AKUTEN SCHMERZEN IN GELENKEN UND MUSKELN: KÄLTE ANWENDEN.
BEI LÄNGER DAUERNDEN, NICHT MEHR AKUTEN BESCHWERDEN: WÄRME ANWENDEN. (siehe unten)
Was bewirkt Kälte?
Mit Kälte begegnet man dem Akutfall. Kurze, lokale Kälteanwendungen bewirken eine Gefässverengung in der Haut was wiederum die Schwellung reduziert, sowie eine Herabsetzung des Stoffwechsels (und damit der Entzündung) bewirkt. Ausserdem mildert die Kälte den Schmerz: Durch die Abkühlung der Nervenfasern werden die Schmerzimpulse herabgesetzt.
Gefahren der Kälte: Kälte darf nicht zu lange angewendet werden, da sonst Frostbeulen und Gewebeschäden drohen. Eis darf aus demselben Grund nicht auf die blosse Haut gelegt werden. In seltenen Fällen führt Kälte zu einem plötzlichen Blutdruckanstieg. Ein Drittel aller Patienten vertragen Kälte nicht gut, auch nicht im Akutfall. In diesen Fällen ist es besser weder Kälte noch Wärme zu gebrauchen.
Wie wende ich Kälte an?- Kältebeutel: Die am bestem im Kühlschrank gekühlten und wiederverwendbaren Beutel werden auf die betroffene Körperstelle aufgelegt. Die Behandlung sollte nur 5-7 Minuten dauern und wird mit Intervallen von 10 Minuten Pause 3-4 Mal wiederholt. Dabei ist es von Vorteil immer 2-3 Cold Packs an Lager zu haben. Achtung: Kältebeutel nie auf offene Wunden legen. Zwischen Haut und gekühlte Coldpacks gehört immer ein dünnes Tuch!
- Eismassage: In kleine Styropor- oder Kartonbecher wird Wasser eingefroren. Das Eis lässt sich so bequem halten. Reissen Sie den Rand zentimeterweise ab, und massieren Sie die betroffene Stelle höchstens einige Minuten mit runden Bewegungen. Frostbeulen vermeiden!
- Eiswürfelpackung: Packen Sie zerstossene Eiswürfel in ein Frottiertuch, bedecken Sie die Haut mit einem Tuch, und legen Sie die Packung etwa zehn Minuten auf.
- Eiswasser: Sind Hände oder Füsse betroffen, können sie bis an die Schmerzgrenze mehrmals in sehr kaltes Wasser (z.B. auch Bergbäche) gehalten werden.
- Eiswassertuch: Ein Tuch wird in 5 – 10 Grad C kaltem Wasser getränkt, ausgewrungen und 20-30 Minuten aufgelegt. Diese Behandlung kann mehrmals wiederholt werden, jedoch sollten Sie sich nie auf Kältewickel legen!
Kälteanwendungen sind angebracht bei:
- Akuten Rückenschmerzen, Hexenschuss
- Verstauchungen
- Zerrungen
- Prellungen
- Verrenkungen
- Schwellungen
- Blutergüssen
- Quetschungen
Ausserhalb der professionellen Kälteapplikation gibt es verschiedenste Mittel, die zuhause, auf Wanderungen oder auf dem Sportplatz angewendet werden können. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Chiropraktor.
Bei chronischen Schmerzen: Wärme
Was bewirkt Wärme?
Lokale Wärme erhöht die Durchblutung und den Stoffwechsel im erkrankten Gewebe (wichtig für den Heilungsprozess) und wirkt entspannend und schmerzlindernd auf die Muskulatur. Wärme wird angewendet bei chronischen nicht entzündlichen schmerzhaften Zuständen in der Muskulatur und bei Gelenkschmerzen infolge von Abnützungen (Arthrose).
Gefahren der Wärme: Verbrennungen drohen bei Gefühlsverlust der Haut. Ältere Menschen und Kleinkinder sind sehr empfindlich. Insbesondere Heizkissen können bei längerer Anwendung auch auf tiefen Temperaturstufen Verbrennungen hervorrufen!
Wie wende ich Wärme an?- Wärmeflasche oder Hotpack: Nie zu heiss verwenden. Gut isolieren; mit feucht-warmem Tuch umwickeln.
- Heublumenwickel: Frottiertuch aus warmem Wasser (Heublumen getränkt) nehmen, auswringen und auflegen. Je nach Bedarf mehrmals wiederholen.
- Heizkissen: Praktisch jedoch Verbrennungsgefahr bei allzu langem und starkem heizen. Das Körpergewicht kann besonders bei älteren Menschen die Hautdurchblutung reduzieren und einen Wärmestau oder Verbrennungen bewirken. Also aufgepasst!
- Infrarotlampe: Günstige Anschaffung. Eignet sich für grössere Körperflächen. Dauer 20-30 Minuten.