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Alt 09.11.2006, 13:44
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evma evma ist offline
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Standard Narkose verstellt die innere Uhr

Eine Narkose schaltet nicht nur das Bewusstsein aus, sie kann auch die innere Uhr des Körpers verstellen. Das haben französische Forscher bei Versuchen an Ratten herausgefunden. Möglicherweise trägt dieser “Jetlag” dazu bei, dass man sich beim Erwachsen aus einer Narkose wie gerädert fühlt.
Nach einer Allgemeinanästhesie stellten sich häufig Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und generelles Unwohlsein ein, schreiben Etienne Challet von der Universität Strasbourg und seine Kollegen im Fachblatt “Neuropsychopharmacology”. Vielleicht ähnelten diese Effekte nicht von ungefähr denen eines Flugs durch mehrere Zeitzonen.
In vielen Lebewesen tickt eine innere Uhr, die die Aktivität eines Individuums und seine Körperfunktionen an den Wechsel von Tag und Nacht anpasst. Challet und Kollegen und Kollegen fanden, dass der zentrale Taktgeber zumindest in bestimmten Phasen durch eine Narkose beeinflussbar ist. Versetzten sie die Tiere am Übergang von der Ruhe- zur Aktivitätsphase für eine halbe Stunde mit dem Medikament Propofol in Narkose, ging die innere Uhr der Tiere hernach eine Stunde vor.
Wurden die Ratten unter konstanten Umweltbedingungen gehalten, reduzierten sie ihre Aktivität nun deutlich früher wieder als Artgenossen, die nicht narkotisiert worden waren. Erfolgte die Narkose zu anderen Zeitpunkten, stellte sich kein klarer Effekt ein.
Umgekehrt schwankte die Wirksamkeit des Narkosemittels im Takt der inneren Uhr, fanden die Forscher. Am längsten wurden die Ratten durch eine Propofol-Dosis ausgeschaltet, wenn das Medikament sieben Stunden nach Einschalten der Laborbeleuchtung verabreicht wurde - wenn die Tiere sich mitten in ihrer Ruhephase befanden.
Forschung: Etienne Challet und Laure Pain, Départment de Neurobiologie des Rhythmes, Institut des Neurosciences Cellulaires et Intégratives, und INSERM U666, Hôpitaux Universitaires de Strasbourg, Université Louis Pasteur, Strasbourg; und andere
Veröffentlichung Neuropsychopharmacology, DOI 10.1038/sj.npp.1301081
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  #2  
Alt 09.11.2006, 13:47
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evma evma ist offline
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Standard Was passiert während der Narkose?

Ganz wichtig: Die Visite am Abend davor


Am Abend vor der Operation kommt der Narkosearzt zum Vorgespräch

Die Arbeit an einer Narkose beginnt schon am Abend vor der Operation. Kein Patient ist wie der andere, deshalb müssen die Narkoseärzte mit jedem einzeln sprechen, im Fachjargon die Prämedikationsvisite genannt. Vor dem Gespräch hat der Anästhesist die Krankenakte seines Patienten intensiv studiert. Jetzt gehen sie zusammen noch einmal alle Punkte durch, die bei der Narkose Probleme machen könnten: mögliche Herz-Kreislauf- oder Atemwegs-Probleme, Asthma oder Diabetes. Besonders wichtig sind auch alle Allergien und Medikamenten-Unverträglichkeiten. Denn eine übersehene Unverträglichkeit oder Antibiotika-Allergie zum Beispiel können zu Kreislaufkollaps oder Schock führen und schlimmstenfalls tödlichen enden. Nach einer kurzen Untersuchung entscheidet der Narkosearzt dann, ob sein Patient narkosefähig ist. Falls nötig, verordnet er ein Schlafmittel und für den Morgen vor der Operation ein Beruhigungsmittel. Außerdem erklärt er dem Patienten genau, welche Gefahren und Risiken bei der Narkose bestehen und wie sie im einzelnen ablaufen wird. Der Patient sollte in diesem Gespräch alle Fragen und Unsicherheiten ansprechen, die er zur Narkose noch hat – es ist Aufgabe des Arztes, darauf einzugehen und sie zufrieden stellend zu beantworten. Denn am Ende des Gesprächs muss der Patient eine Einwilligungserklärung für die Narkose unterschreiben und damit bestätigen, dass er umfassend aufgeklärt worden ist.

Immer schön nüchtern bleiben


Einige Punkte sollte der Patient vor der Narkose unbedingt beachten – auch darüber wird am Vorabend der Operation gesprochen: Sechs Stunden vor der Operation darf man nichts mehr essen und nur noch Wasser trinken, drei Stunden vorher überhaupt nichts mehr zu sich nehmen. Der Magen muss für die Narkose leer sein. Dabei sind nämlich alle Muskeln erschlafft, und weil im Magen ein höherer Druck herrscht, besteht die Gefahr, dass Mageninhalt passiv durch die Speisröhre nach oben gedrückt wird. Alkohol und Nikotin sind ebenfalls vor der Narkose tabu – sie können die Wirkung der Betäubungsmittel verändern. Falls der Patient regelmäßig Medikamente nimmt, muss abgeklärt werden, ob diese Wechselwirkungen mit den Narkosemitteln haben und vor der Operation nicht eingenommen werden sollten.

Bevor es richtig losgeht


EKG, Puls, Blutdruck und Blutsauerstoff werden beim Patienten ununterbrochen überwacht

Vor und während der Narkose arbeitet der Anästhesist eng mit einem Narkosepfleger oder einer Narkoseschwester zusammen. Zunächst legen sie dem Patient Elektroden für EKG und Pulsmessung an, eine Blutdruckmanschette und einen Messfühler für die Sauerstoffsättigung des Blutes. Er wird auf den Finger gesetzt und misst völlig schmerzlos die Helligkeit des durchströmenden Blutes mit einem Lichtstrahl. Alle Werte werden von nun an ununterbrochen überwacht - sinkt einer davon unter eine kritische Grenze, schlagen die Messinstrumente Alarm. Anschließend legt der Arzt oder Pfleger eine Kanüle in die Handvene, über die dem Patienten später sämtliche Injektionen verabreicht werden. Unter Umständen gibt es dazu vorher eine örtliche Betäubung, damit es nicht zu unangenehm wird.

Geschicktes Kombinieren statt chemischer Keule



Während der Narkose selbst muss der Anästhesist drei Dinge gewährleisten: sein Patient soll bewusstlos sein und von der Operation nichts mitbekommen. Er darf keine Schmerzen spüren Und seine Muskeln müssen völlig entspannt sein und dürfen nicht unwillkürlich zucken, damit der Chirurg arbeiten kann. Inzwischen hat sich dafür die so genannte balancierte Narkose oder Kombinationsnarkose durchgesetzt: Jede der drei Aufgaben wird von einem anderen Medikament übernommen. Auf diese Weise muss der Anästhesist dem Patienten insgesamt von allem weniger geben, als wenn ein Wirkstoff alleine – zum Beispiel Ether – all diese Aufgaben erfüllen soll. Das ist für den Organismus viel schonender. Aber dennoch verabreicht der Narkosearzt seinem Patienten sehr starke und potenziell ziemlich gefährliche Substanzen. Entsprechend sorgfältig muss er vorgehen.

Die Einleitung



Über den Zugang in der Handvene bekommt der Patient zuerst ein starkes Schmerzmittel. Dann wird das eigentliche Betäubungsmittel gespritzt, das den Patienten in 20 bis 30 Sekunden in tiefe Bewusstlosigkeit versetzt. Zum Schluss kommt ein Mittel, das die Muskeln völlig erschlaffen lässt - in der Regel ein Stoff, der chemisch mit dem Pfeilgift Curare verwandt ist. Das führt dazu, dass der Patient keine Schutzreflexe mehr hat. Allerdings kann er auch nicht mehr selbstständig atmen und muss während der Narkose künstlich beatmet werden. Dazu legt der Anästhesist dem Patienten einen Beatmungsschlauch (Tubus) in die Luftröhre – ein ca. 5 – 7 mm dicker
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  #3  
Alt 09.11.2006, 13:48
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Dazu legt der Anästhesist dem Patienten einen Beatmungsschlauch (Tubus) in die Luftröhre – ein ca. 5 – 7 mm dicker Schlauch, über den vom Lungenautomaten Luft in die Atemwege gepumpt wird. Dieser Schritt ist kritisch: Der Anästhesist hat dafür nur wenige Minuten Zeit. Zugleich muss er sorgfältig darauf achten, dass beide Lungenflügel gleichmäßig beatmet werden und der Tubus nicht etwa versehentlich in der Speiseröhre landet. Ist der Schlauch richtig platziert und die Beatmung läuft, kann der Patient in den Operationssaal gefahren werden. Im Notfall geht es um Minuten


Während der Operation überwacht der Anästhesist Kreislauf und Atmung seines Patienten
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Bevor der Chirurg anfangen kann, muss der Patient noch in die richtige Lage für die Operation gebracht werden. Das ist ebenfalls Aufgabe des Anästhesisten. Er ist auch verantwortlich dafür, dass der Patient während der Operation gut gebettet ist und keine Zerrungen oder Quetschungen davonträgt. Das Schmerzmittel und das Betäubungsmittel, das der Patient bei der Einleitung bekommen hat, müssen zur Aufrechterhaltung der Narkose ständig nachgegeben werden. Der Anästhesist steigt dabei häufig auf ein Dampfnarkotikum um, das er dem Patienten über eine Atemmaske verabreicht. Diese Art von Betäubungsmittel ist nämlich noch besser dosierbar und seine Wirkung hört sehr rasch auf, sobald der Patient wieder normale Luft atmet. Darüber hinaus hat der Anästhesist während der Operation äußerlich betrachtet nicht viel zu tun: Er überwacht die Vitalfunktionen seines Patienten und hält alles im Narkoseprotokoll fest. Aber wenn Komplikationen auftreten – plötzlicher Kreislaufabfall, Herzstillstand, Sauerstoffmangel oder allergischer Schock – muss er sofort handeln. Dann können seinen Patienten nur Minuten vom Tod trennen. Deshalb muss der Narkosearzt schon im Voraus auf solche Zwischenfälle vorbereitet sein und alle Notfallmedikamente und –apparaturen griffbereit haben.

Willkommen zurück


Nach dem Eingriff verlässt der Chirurg den Operationssaal, der Anästhesist und Pfleger aber bleiben. Noch im OP kommt der Patient so weit zu sich, dass sie ihn vom Beatmungsschlauch befreien können. Er wird aus dem OP gerollt und von der Liege wieder in sein Bett verfrachtet. Bis er wieder zuverlässig von alleine atmet und einigermaßen ansprechbar ist, bleibt er unter Beobachtung im Aufwachraum. Erst dann holt eine Schwester oder ein Pfleger ihn wieder auf seine Station. Am frühen Abend kommt der Anästhesist dann noch einmal zur Nachvisite um sich zu vergewissern, dass der Patient die Narkose auch gut überstanden hat.


Ismeni Walter
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