Ganz wichtig: Die Visite am Abend davor




Am Abend vor der Operation kommt der Narkosearzt zum Vorgespräch
Die Arbeit an einer Narkose beginnt schon am Abend vor der Operation. Kein Patient ist wie der andere, deshalb müssen die Narkoseärzte mit jedem einzeln sprechen, im Fachjargon die Prämedikationsvisite genannt. Vor dem Gespräch hat der Anästhesist die Krankenakte seines Patienten intensiv studiert. Jetzt gehen sie zusammen noch einmal alle Punkte durch, die bei der Narkose Probleme machen könnten: mögliche Herz-Kreislauf- oder Atemwegs-Probleme, Asthma oder Diabetes. Besonders wichtig sind auch alle Allergien und Medikamenten-Unverträglichkeiten. Denn eine übersehene Unverträglichkeit oder Antibiotika-Allergie zum Beispiel können zu Kreislaufkollaps oder Schock führen und schlimmstenfalls tödlichen enden. Nach einer kurzen Untersuchung entscheidet der Narkosearzt dann, ob sein Patient narkosefähig ist. Falls nötig, verordnet er ein Schlafmittel und für den Morgen vor der Operation ein Beruhigungsmittel. Außerdem erklärt er dem Patienten genau, welche Gefahren und Risiken bei der Narkose bestehen und wie sie im einzelnen ablaufen wird. Der Patient sollte in diesem Gespräch alle Fragen und Unsicherheiten ansprechen, die er zur Narkose noch hat – es ist Aufgabe des Arztes, darauf einzugehen und sie zufrieden stellend zu beantworten. Denn am Ende des Gesprächs muss der Patient eine Einwilligungserklärung für die Narkose unterschreiben und damit bestätigen, dass er umfassend aufgeklärt worden ist.
Immer schön nüchtern bleiben




Einige Punkte sollte der Patient vor der Narkose unbedingt beachten – auch darüber wird am Vorabend der Operation gesprochen: Sechs Stunden vor der Operation darf man nichts mehr essen und nur noch Wasser trinken, drei Stunden vorher überhaupt nichts mehr zu sich nehmen. Der Magen muss für die Narkose leer sein. Dabei sind nämlich alle Muskeln erschlafft, und weil im Magen ein höherer Druck herrscht, besteht die Gefahr, dass Mageninhalt passiv durch die Speisröhre nach oben gedrückt wird. Alkohol und Nikotin sind ebenfalls vor der Narkose tabu – sie können die Wirkung der Betäubungsmittel verändern. Falls der Patient regelmäßig Medikamente nimmt, muss abgeklärt werden, ob diese Wechselwirkungen mit den Narkosemitteln haben und vor der Operation nicht eingenommen werden sollten.
Bevor es richtig losgeht




EKG, Puls, Blutdruck und Blutsauerstoff werden beim Patienten ununterbrochen überwacht
Vor und während der Narkose arbeitet der Anästhesist eng mit einem Narkosepfleger oder einer Narkoseschwester zusammen. Zunächst legen sie dem Patient Elektroden für EKG und Pulsmessung an, eine Blutdruckmanschette und einen Messfühler für die Sauerstoffsättigung des Blutes. Er wird auf den Finger gesetzt und misst völlig schmerzlos die Helligkeit des durchströmenden Blutes mit einem Lichtstrahl. Alle Werte werden von nun an ununterbrochen überwacht - sinkt einer davon unter eine kritische Grenze, schlagen die Messinstrumente Alarm. Anschließend legt der Arzt oder Pfleger eine Kanüle in die Handvene, über die dem Patienten später sämtliche Injektionen verabreicht werden. Unter Umständen gibt es dazu vorher eine örtliche Betäubung, damit es nicht zu unangenehm wird.
Geschicktes Kombinieren statt chemischer Keule



Während der Narkose selbst muss der Anästhesist drei Dinge gewährleisten: sein Patient soll bewusstlos sein und von der Operation nichts mitbekommen. Er darf keine Schmerzen spüren Und seine Muskeln müssen völlig entspannt sein und dürfen nicht unwillkürlich zucken, damit der Chirurg arbeiten kann. Inzwischen hat sich dafür die so genannte balancierte Narkose oder Kombinationsnarkose durchgesetzt: Jede der drei Aufgaben wird von einem anderen Medikament übernommen. Auf diese Weise muss der Anästhesist dem Patienten insgesamt von allem weniger geben, als wenn ein Wirkstoff alleine – zum Beispiel Ether – all diese Aufgaben erfüllen soll. Das ist für den Organismus viel schonender. Aber dennoch verabreicht der Narkosearzt seinem Patienten sehr starke und potenziell ziemlich gefährliche Substanzen. Entsprechend sorgfältig muss er vorgehen.
Die Einleitung



Über den Zugang in der Handvene bekommt der Patient zuerst ein starkes Schmerzmittel. Dann wird das eigentliche Betäubungsmittel gespritzt, das den Patienten in 20 bis 30 Sekunden in tiefe Bewusstlosigkeit versetzt. Zum Schluss kommt ein Mittel, das die Muskeln völlig erschlaffen lässt - in der Regel ein Stoff, der chemisch mit dem Pfeilgift Curare verwandt ist. Das führt dazu, dass der Patient keine Schutzreflexe mehr hat. Allerdings kann er auch nicht mehr selbstständig atmen und muss während der Narkose künstlich beatmet werden. Dazu legt der Anästhesist dem Patienten einen Beatmungsschlauch (Tubus) in die Luftröhre – ein ca. 5 – 7 mm dicker