Mo 18.02.2008 18:00-18:30 (3sat)
Herr Tietz denkt nicht ans Sterben
Altenheim auf neuen Wegen
Reportage
Werner Tietz, Mitte 80, hat 1965 bei der Eintracht in der Bundesliga gespielt und wenig später mit Luciano Pavarotti auf der Bühne gestanden - sagt er. Keine dieser Geschichten ist wahr. Doch das ist egal. Seit Herr Tietz im Frankfurter Schervier-Altenheim ein neues Zuhause gefunden hat, lebt er wieder richtig auf. Ein kleines Wunder, denn Freunde, Ärzte und auch seine Frau hatten ihn schon vor zwei Jahren abgeschrieben. Heute kümmert er sich sogar um Neuankömmlinge. Herr Tietz' Entwicklung ist eine der Erfolgsgeschichten des neuen Pflegekonzepts. Die Pfleger haben die Station in eine heile Welt der 1940er Jahre verwandelt. Die Zeit, in der die meisten Bewohner ihre Jugendjahre verbracht haben. Rosentapete, Häkelkissen, altes Emailgeschirr in der Küche, wo auch der gusseiserne Originalherd steht. Das psychobiografische Modell geht auf: Keiner will mehr weglaufen. Dies sei bei Demenzkranken eher selten, sagt die Pflegerin Nicole Groß. Die Alten kochen und singen zusammen, und die Männer haben sogar einen Stammtisch gegründet. "Da redet wir natürlich über Fußball und Frauen", sagt Werner Tietz. Und das ist wahr. Der Film von Kimmo Wiemann beobachtet den Alltag im ungewöhnlichen Altenheim.