Mo 25.06.2007 00:20-01:05 (hr)
Der Tag, als Benni aus dem Koma erwachte
Dokumentation, Deutschland 2007
Film von Ulrike Baur
Es gibt Tage, an denen werden Lebensplanungen zu Makulatur - Tage, an denen Wege plötzlich zu Ende gehen, an denen man die Richtung wechseln muss, ob man will oder nicht. In der Reihe "Der Tag, als ..." erzählt der Hessische Rundfunk Geschichten von Menschen, die ihr Leben im Fokus dieses besonderen Tages sehen - dramatische und anrührende Geschichten, in denen ein Leben aus der sicher geglaubten Bahn gerissen wird oder umgekehrt: in denen eine schier aussichtslos erscheinende Situation sich plötzlich zum Guten wendet - die Geschichte von Benni Jung zum Beispiel. Im Juli 2002 kam der 19-jährige Försterlehrling frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Wegen seiner schweren inneren Verletzungen versetzten ihn die Ärzte ins künstliche Koma, aus dem er nicht wieder erwachte. Sie gaben ihm kaum eine Chance: "Es wäre das achte Weltwunder, wenn er wieder zurückkäme", sagten sie den Angehörigen. Bennis Eltern und seine Freundin Shanna erfuhren von einem Heim für Patienten im Wachkoma, das ein privater Angehörigenverein betreibt. Mit Tönen, Licht und Farben sollen die Sinne wiederbelebt werden. Benni wurde dort aufgenommen. Shanna, kurz vor dem Abitur, ließ sich von der Schule beurlauben, mietete eine Ferienwohnung, um rund um die Uhr für ihren Benni da sein zu können. Sie kroch zu ihm ins Bett, erzählte ihm Geschichten von gemeinsamen Freunden, sang, machte mit ihm Übungen, auf die er anfangs kaum reagierte. Doch nach 56 Wochen geschah das Wunder: Benni wachte auf, sagte "Ich habe Hunger" - und zu Shanna: "Ich liebe dich". Eine Geschichte, die Schlagzeilen machte: die hübsche dunkelhaarige Shanna und der semmelblonde Benni - das Paar, das dem Schicksal die Stirn bietet. Bennis Eltern bauen das Haus um, damit die beiden zusammen ziehen können. "Ich will wieder mit dir tanzen gehen", sagt Shanna. Benni lernt wieder sitzen, greifen, essen, E-Mails schreiben. Er kann bald wieder sprechen, und er engagiert sich, als 2003 das Schicksal der amerikanischen Komapatientin Terri Schiavo die Weltöffentlichkeit bewegt. Benni wird zu einer Symbolfigur der "Zurückgekehrten". Doch die Liebe zerbricht. "Ich mag ihn immer noch, es geht nicht um die Behinderung - aber er hat sich charakterlich sehr verändert", sagt Shanna heute. Sie hat ihr Abitur nachgemacht, eine Ausbildung als Krankenschwester begonnen - auch wegen der Erfahrungen im Heim für Komapatienten, die sie geprägt haben. Shanna vor allem war es, die Benni zurückgeholt hat, sagen fast alle, die diesen wundersamen Prozess begleitet haben. War die Anstrengung zu groß für eine 18-Jährige? Der Film der hr-Autorin Ulrike Baur rekonstruiert den Tag, an dem Benni aus dem Gefängnis des Komas entkam, er zeigt, welch langen Weg die Angehörigen gehen mussten, bis das geschah, was die Ärzte "ein Wunder" nannten. Er zeigt auch, dass Wunder ihren Preis haben: Benni ist ins Leben zurückgekehrt, aber es ist ein ganz anderes Leben, als er es sich früher erträumt hatte.