Mo 10.09.2007 10:00-10:30 (hr)
Geschichten vom Loslassen
Wenn behinderte Kinder erwachsen werden
Reportage
Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard
Autor: Angelika Schmidt-Biesalski
Auch wenn seine älteren Geschwister schon lange zu Hause ausgezogen waren, wohnte Mario mit seinen 35 Jahren bis vor kurzem noch immer bei Mama. Die beiden hatten es sich miteinander eingerichtet, besonders seit dem Tod des Vaters. Mario ist geistig behindert und wird von seiner Mutter liebevoll versorgt. Seit einiger Zeit beschäftigt die Mutter aber die Frage, was aus Mario wird, wenn sie nicht mehr für ihn sorgen kann. So lebt und arbeitet Mario inzwischen während der Woche in einem nahe gelegenen Wohnheim der Lebenshilfe. Am Wochenende ist und bleibt er Mamas Sohn zu Hause. Doch Mario ist seitdem geradezu aufgeblüht und viel selbstständiger geworden. Im selben Wohnheim lebt auch die schwer mehrfachbehinderte Steffi. Sie ist erst 24 Jahre alt. Ihre Eltern haben sie schon vor Jahren im Heim angemeldet, weil sie der Überzeugung sind, dass Steffi ein Recht auf ein Leben unabhängig von den Eltern hat. Auch die Eltern wollen nach so vielen Jahren Abhängigkeit von der vollkommen auf Hilfe angewiesenen Tochter noch eine Weile selbstbestimmt leben. Am Wochenende sind sie dann gerne ganz und gar für Steffi da. Alexander, vor 17 Jahren mit Down Syndrom geboren, wohnt noch bei den Eltern. Das soll auch bis zum Schulende so bleiben. Er ist allerdings bereits im Wohnheim angemeldet, kennt den Wohnheim-Leiter und einige seiner zukünftigen Mitbewohner. Er und seine Eltern können sich so mit dem Gedanken vertraut machen, dass er in zwei oder drei Jahren ausziehen wird. Mit drei sehr unterschiedlichen "Geschichten vom Loslassen" vermittelt der Film auf eindringliche und anrührende Weise, dass auch Menschen mit Behinderung das Recht auf ein in ihren Grenzen eigenständiges Leben haben - so schwer den Eltern auch das Loslassen fallen mag.