Mary hat völlig Recht, vor dem eigenmächtigen Absetzen zu warnen, allerdings aus anderen Gründen.
Efalizumab hat keine primär neurologische Wirkung, sondern hemmt die T-Zellen des Immunsystems, die verantwortlich für die Entzündung und starke Schuppenbildung bei der Schuppenflechte sind. Ein plötzliches Absetzen führt also sehr wahrscheinlich zu einem starken Psoriasis-Schub. Da die Patienten meist alle anderen Therapieformen als erfolglos abgehakt haben, stehen sie dann diesem Schub hilflos gegenüber.
Wie kommen diese beiden Fälle von starken Nebenwirkungen zustande?
PML ist eine durch Viren hervorgerufene Entzündung und Degeneration von Nervenzellen des Gehirns. Beinahe 80% der Erwachsenen tragen diese Viren (John-Cunningham-Virus, JC-Virus) still in sich, ohne ein Zeichen der Erkrankung. Da Efalizumab aber das Immunsystem beeinflußt, können in Einzelfällen diese Viren "zum Leben erwachen" und die Krankheit auslösen.
[PML ist eine seltene, progressive Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems, die üblicherweise zum Tod oder schwerer Behinderung führt. PML wird durch die Aktivierung des JC-Virus (John-Cunningham-Virus) verursacht. Der JC-Virus ist in latenter Form bei bis zu 80 Prozent gesunder Erwachsener vorhanden und verursacht eine PML typischerweise nur bei immungeschwächten Patienten. Die Faktoren, die zu einer Aktivierung der latenten Infektion führen, werden noch nicht umfassend verstanden, allerdings könnten Anomalien der T-Zellen eine wichtige Rolle für die Reaktivierung und PML spielen. In der Literatur wird PML sowohl bei HIV-positiven Patienten als auch bei mit Immunsuppressiva behandelten Krebspatienten (inklusive Patienten mit bösartigen hämatologischen Erkrankungen), Patienten nach Organtransplantation und Patienten mit Autoimmunerkrankungen erwähnt. Es sind keine Maßnahmen bekannt, einer PML vorzubeugen oder sie angemessen zu behandeln.]
Der zweite Patient litt wahrscheinlich an entzündlicher Polyradikuloneuropathie, eine degenerative Nervenerkrankung, die auch in peripheren Nerven auftreten kann. Wahrscheinlich besteht auch hier der Zusammenhang zur verminderten Tätigkeit des Immunsystems. Diese Erkrankung bildet sich jedoch nach Absetzen des Medikamentes wieder zurück.
Die Risiken für diese schwerwiegenden Nebenwirkungen sind aber schon lange bekannt, auch den Ärzten, die ja wissen müssen, ob ihre Patienten in eine Risikogruppe für diese NW fallen könnten.
Also kein Grund, lautstark in Panik zu verfallen oder zu verlangen, das "mörderische Teufelszeug" müsse vom Markt genommen werden, wie es bei anderen Arzneimitteln schon früher unsinnigerweise gefordert wurde.
LG micha
