Vioxx: Hunderte Geschädigte wollen klagen
Hamburg/Haar (ddp). Weil sie sich durch das vom Markt genommene Schmerzmittel Vioxx geschädigt sehen, werden in diesem Monat einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» zufolge mehrere hundert Patienten Klagen gegen das in Haar bei München ansässige Pharmaunternehmen MSD Sharp & Dohme einreichen. Laut «Spiegel» bearbeiten deutsche Anwälte rund 1000 Fälle von Vioxx-Kunden, die zumeist Herzinfarkte und Schlaganfälle erlitten hatten. Die Schadenssumme beläuft sich nach Angaben der Anwälte auf rund 250 Millionen Euro. MSD ist die deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmariesen Merck. MSD wollte am Wochenende auf ddp-Anfrage keine Stellungnahme zu den Klagen abgeben. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, argumentierte ein Unternehmenssprecher. Er könne nur sagen, dass jedem einzelnen Fall nachgegangen werde, sobald Details bekannt seien. In den USA hatten Vioxx-Geschädigte laut «Spiegel» in erster Instanz zum Teil mehrere Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen bekommen. Ende August hatte ein Richter in New Orleans in einem Fall aus Frankreich entschieden, dass Europäer ihre Ansprüche in ihren Heimatländern geltend machen sollen. Deshalb werden deutsche Medizin- und Opferanwälte ihre Klagen nun bei deutschen Gerichten einreichen. Rund ein Dutzend Klagen sind dem Magazin zufolge bereits anhängig. MSD lehnte es wie der amerikanische Mutterkonzern bisher ab, Schadens- oder Schmerzensgeld zu zahlen. Merck hatte das Mittel 1999 auf den Markt gebracht und im September 2004 zurückgezogen, weil es offenbar das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen kann. Damals wurde es noch von rund 20 Millionen Menschen eingenommen. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, von den Risiken gewusst, das Medikament aber trotzdem vertrieben zu haben. Im Jahr 2003 setzte Merck mit dem Schmerzmittel mehr als 2,5 Milliarden Dollar um, was zehn Prozent seines Umsatzes ausmachte.
Quelle: Netdoctor
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