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  #1  
Alt 10.04.2007, 14:56
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard Parkinson: Wachmacher im Kleber

Wachmacher im Kleber Dr. med. Johannes Pichler, Facharzt für Neurologie


Tabletten schlucken, Pumpen am Körper - für viele Parkinson-Patienten ist das Alltag. Jetzt gibt es ein neues Medikament, das einfach auf die Haut geklebt wird

Parkinson: Starre und Beweglichkeit im DauerwechselMenschen mit Parkinson haben zu wenig Dopamin im Kopf. Sie schlucken vier bis acht Tabletten über den Tag verteilt und der Spiegel des Botenstoffs im Gehirn schwankt trotzdem. Mit der Beweglichkeit geht es auf und ab, mal zappeln die Patienten, mal sind sie starr. "On" und "Off" nennen Mediziner solche Phasen. Jetzt haben Forscher eine neue Möglichkeit entwickelt, um den Wirkstoff kontinuierlich im Körper freizusetzen. Das Medikament wird einfach als Pflaster auf die Haut geklebt. Der Wirkstoff Rotigotin steckt in einem Gel, das gleichmäßig über die Fläche des Pflasters verteilt ist. Je größer der Hautkleber ist, desto mehr Wirkstoff wird freigesetzt.


Von der Haut ins Blut

Rotigotin gehört zu den Dopaminagonisten - Stoffe, die schon länger auf dem Markt sind und ähnlich wie Dopamin wirken. Als Tablette verabreicht würde Rotigotin allerdings keine Wirkung entfalten, weil der menschliche Magen-Darm-Trakt es nicht aufnehmen kann. Der Wirkstoff sickert in tiefere Hautschichten, tritt ins Blut über und gelangt mit dem Strom ins Gehirn. Rotigotin wirkt zwar nur für kurze Zeit, wird aber aus der Haut ständig nachgeliefert.


Schnell absetzbar

Das Pflaster wirkt unabhängig von Ernährungsgewohnheiten, Schluckbeschwerden oder Verdauungsstörungen. Besonders geeignet sei es für junge, berufstätige Parkinson-Patienten, die im Arbeitsalltag nicht dauernd Pillen einnehmen wollten, ergab eine Untersuchung vom King's College in London (Expert Opin Drug Deliv 2007, Nr4 (2):111-118). Selbst während einer Vollnarkose könne es ohne erhöhtes Operationsrisiko kleben bleiben, bewies eine israelische Forschergruppe (Journal of Neural Transmission, Feb. 2007; 114(2): 219-221).

Auch wenn Nebenwirkungen auftreten, hat das Pflaster einen Vorteil. Viele Tabletten wirken oft noch tagelang im Körper weiter, die Nebenwirkungen klingen nur langsam ab. Wird das Pflaster abgenommen, lässt die Wirkung dagegen sofort nach: "Pflaster weg, Wirkung weg", erklärt Prof. Andres Ceballos-Baumann, Ärztlicher Leiter des Neurologischen Krankenhauses München auf einer Pressekonferenz.


Ausgefeilte Klebetechnik

Die Nachteile des Pflasters sind, dass es nicht auf behaarte oder kranke Haut geklebt werden darf und es die Haut vieler Patienten reizt. "Etwa 30 Prozent der Anwender hatten unangenehme Hautreaktionen", sagt Dr. Ilona Csoti, Chefärztin des Parkinson-Zentrums an der Gertudisklinik Biskirchen. Etwa sieben Prozent der Studienteilnehmer hätten deshalb anfangs die Therapie abgebrochen.

Die Ärze entwickelten deshalb ein ausgeklügeltes System, bei dem jedes neue Pflaster auf eine andere Hautstelle geklebt wird. Geeignet sind beispielsweise das Schulterblatt, der Bauch oder die Oberschenkel. Nach zwei Wochen können Patienten den etwa 5 x 5 Zentimeter großen Kleber wieder auf die ursprüngliche Stelle heften. "Die Hautunverträglichkeiten haben mit dieser Klebetechnik abgenommen", weiß Csoti.

Die Außenschicht des Pflasters enthält Aluminium, das unter Hitzeeinwirkung eine Haut schädigende Wärme entwickelt. "Pflasterträger sollten direktes Sonnenlicht, Saunahitze, heiße Bäder, Wärmepflaster oder Wärmflaschen meiden", rät die Neurologin. Sonst heißt es: Vorher Kleber ab! Hautpflegeprodukte und Kosmetika dürfen nicht in der Nähe des Pflasters aufgetragen werden, weil sie den "Pattexeffekt" aufweichen. Klebt das Pflaster aber richtig, hält es auch beim Baden, Duschen oder schweißtreibendem Sport.

Ansonsten hat Rotigotin ähnliche Nebenwirkungen wie andere Dopaminagonisten: Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Schläfrigkeit und Erschöpfungszustände, aber auch Schlafstörungen (Archives of Neurology 2003; 60:1721-1728).


Tabletten - die Einmaldosis

Das Pflaster ist aber nicht der einzige Weg, um einen kontinuierlichen Wirkspiegel im Gehirn zu erreichen. Schon länger gibt es Dopaminagonisten, die so lange wirken, dass sich mit einer Tablette täglich sehr konstante Konzentrationen im Gehirn aufbauen lassen. Das Problem: Nur bei wenigen Patienten mit Schüttellähmung reicht die Einmaldosis aus, um sich gut bewegen zu können. Die meisten müssen zusätzliche Mittel schlucken.

Zudem dürfen fast alle Tabletten gegen Parkinson nicht gleichzeitig mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Sonst kommt es im Darm zur Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Tablettenbestandteilen. Die Wirkstoffe fürs Gehirn ziehen hier den Kürzeren.


Regulierbare Pumpen

Ein anderer Ansatz für eine gleichmäßige Wirkstoffkonzentration im Kopf sind Pumpen, die die Substanz kontinuierlich im Körper freisetzen. Sie sind das letzte Mittel bei extremen Schwankungen der Beweglichkeit. Grundsätzlich gibt es zwei Systeme, die mit L-Dopa bzw. Apomorphin arbeiten. "L-Dopa ist der wirksamste Stoff in der Parkinsontherapie", sagt Ceballos-Baumann. Die Substanzen gelangen entweder über einen Schlauch direkt in den Dünndarm oder werden über eine Nadel in die Haut injiziert (ähnlich wie bei einer Insulinpumpe).

Die Wirkstoffmenge ist direkt an der Pumpe einstellbar, die Freisetzung lässt sich also individuell steuern. In einer Phase, in der sich der Patient schlecht oder gar nicht bewegen kann (Off-Phase), kann er eine zusätzliche Dosis "ziehen". Bei einem Pflaster wäre das nicht möglich. Allerdings sind Schläuche im Bauch, Nadeln am Körper und Pumpen am Gürtel nicht gerade das, was sich Patienten wünschen.


Erfahrungen sammeln

Seit einem Jahr ist Rotigotin zur Behandlung der Parkinsonkrankheit im Frühstadium zugelassen. In Kombination mit anderen Parkinsonmedikamenten darf es erst seit Januar 2007 angewendet werden. Ob sich der Kleber auch für Patienten mit weit fortgeschrittenem Parkinson eignet, ist noch nicht ausreichend geklärt. Csoti sagt: "Hier haben wir noch wenig Erfahrung."


Quelle: Netdoctor
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  #2  
Alt 10.06.2007, 18:33
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard Parkinson: Nervenzellen erhalten Verjüngungskur

Parkinson: Nervenzellen erhalten Verjüngungskur

London (ddp). Amerikanische Mediziner haben möglicherweise einen Weg gefunden, den Verlauf der Parkinson-Krankheit zu verlangsamen oder sie sogar zu verhindern: Sie unterziehen die betroffenen Nervenzellen im Gehirn einer Art Verjüngungskur, durch die sie weniger anfällig für Stress werden. Auf diese Weise lässt sich der Tod dieser Zellen, die den für die Bewegungssteuerung unverzichtbaren Botenstoff Dopamin bilden, verzögern und zum Teil auch vollständig verhindern, konnten die Forscher bei Mäusen zeigen. Da für diese Verjüngung ein bereits als Bluthochdruckmittel zugelassener Wirkstoff eingesetzt wird, stehe klinischen Studien nichts mehr im Wege, erklärt Studienleiter James Surmeier von der Northwestern University in Chicago. Die Forscher stellen ihre Entdeckung in der Fachzeitschrift «Nature» vor (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature05865). Die Nervenzellen im Gehirn, die das Dopamin produzieren und deren Tod die Bewegungsstörungen bei Parkinson auslöst, erzeugen pausenlos elektrische Signale und gehören damit zu den so genannten Schrittmacherzellen. Während sich jedoch die meisten anderen Schrittmacher für ihre Arbeit auf geladene Natriumteilchen verlassen, die sie durch ihre Membran strömen lassen, nutzen die dopaminproduzierenden Zellen einen anderen Weg, haben Surmeier und sein Team entdeckt: Zwar verwenden sie kurz nach ihrer Bildung ebenfalls Natrium, gehen aber mit der Zeit zu Kalziumionen über, bis bei alternden Zellen schließlich hauptsächlich diese Ionen für die Erzeugung der elektrischen Impulse genutzt werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist genau das der Faktor, der die Zellen sehr viel anfälliger gegenüber Stress, toxischen Substanzen und damit auch dem Zelltod macht als andere Nervenzellen: Da Kalzium in der Zelle vielfältige regulierende Funktionen erfüllt, muss der Ein- und Ausstrom sehr genau unter Kontrolle gehalten werden - was für die Zelle wiederum einen starken Energieaufwand bedeutet. Wäre es nun möglich, die Zellen dazu zu bringen, wieder auf das Natrium umzusteigen, müsste der Stress nachlassen, so die Idee der Forscher. Um das zu testen, blockierten sie mithilfe des Wirkstoffs Isradipin, der auch gegen Bluthochdruck eingesetzt wird, die Eintrittsstellen für das Kalzium. Das Ergebnis: Die Zellen schalteten lediglich mit einer kurzen Verzögerung wieder auf das Natrium um und verhielten sich damit genauso wie die robusten jungen Zellen. Das schützte sie sowohl im Labor als auch in Tests mit Mäusen vor dem Zelltod, der normalerweise mit Parkinson einhergeht, konnten die Wissenschaftler zeigen. Sie hoffen nun, den Ausbruch der Krankheit in Zukunft auch beim Menschen mit einer vorbeugenden Einnahme des Mittels vermeiden oder aber ihren Verlauf deutlich verlangsamen zu können. Klinische Studien mit Betroffenen sollen in Kürze beginnen.


Quelle: Netdoktor
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