Knochenmarkkrebs: Neues Medikament zugelassen
Knochenmarkkrebs: Neues Medikament zugelassen
Heidelberg (netdoktor.de). Ein neues Medikament zur Behandlung des Knochenmarkkrebses Multiples Myelom ist jetzt auch auf dem deutschen Markt erhätlich. Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde das erste Rezept über den Wirkstoff Lenalidomid ausgestellt, wie ein Uni-Sprecher berichtete. Die Europäische Agentur für Medizinprodukte (EMEA) hatte am 19. Juni den Wirkstoff unter dem Handelsnamen Revlimid der Münchner Firma Celgene zur Therapie des Multiplen Myeloms zugelassen. Demnach darf Lenalidomid in Kombination mit dem Cortisonpräparat Dexamethason bei Patienten mit Multiplem Myelom eingesetzt werden, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben. Vorausgegangen waren zwei große internationale klinische Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit, an denen die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg als größte deutsche Behandlungseinrichtung maßgeblich beteiligt war. In beiden internationalen Studien wurde die Monotherapie mit dem Cortisonpräparat Dexamethason - eine etablierte Behandlungsmethode bei Myelom-Patienten - mit der Kombinationstherapie von Lenalidomid mit Dexamethason verglichen. Die Patienten sprachen besser auf die Kombinationstherapie an (60,6 Prozent gegenüber 21,9 Prozent) und der Zeitraum bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängerte sich (48,3 gegenüber 20,1 Wochen). Auch die Überlebensrate nach einem Jahr war unter der Kombinationstherapie höher (82 Prozent gegenüber 75 Prozent). Bereits im Vorfeld der offiziellen Zulassung konnte die Heidelberger Patientin Roselinde Wirth aus Landau von Lenalidomid profitieren. Ein individuelles Abkommen mit der Krankenkasse - ein Verfahren, das bei schweren Krebserkrankungen anwendbar ist - machte die Einnahme der Tabletten seit Januar möglich, streng überwacht durch die Ärzte. "Ich habe sehr darum gekämpft, das neue Medikament bereits vor der Zulassung zu bekommen", sagt die 58jährige, die seit 1999 in der Medizinischen Universitätsklinik betreut wird. Weihnachten 2006 ging es der dreifachen Mutter und Oma eines Enkelkindes sehr schlecht. Etablierte Behandlungsformen mit Cortisonpräparaten, Chemotherapie, Bestrahlung und Transplantation von Blutstammzellen hatte sie bereits hinter sich. "Ich dachte, das war's jetzt", erinnert sich Roselinde Wirth. Doch das neue Medikament zeigte Wirkung, die Blutwerte normalisierten sich. Lenalidomid ist ein chemisch veränderter Abkömmling des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid, der seit einigen Jahren erfolgreich beim Multiplen Myelom eingesetzt wird. Das Medikament hat eine komplexe Wirkung auf das Immunsystem, wirkt toxisch auf Krebszellen und hemmt die Ausbildung von Blutgefäßen, die wiederum die bösartige Zellwucherung im Knochenmark begünstigen. Die in den Studien beobachteten Nebenwirkungen wie Beeinträchtigung der Blutbildung, Darmverstopfung und tiefe Venenthrombosen erwiesen sich als gut beherrschbar. Dennoch müssen bei der Anwendung von Lenalidomid wichtige Aspekte beachtet werden. Weil nicht bekannt ist, ob die Substanz fruchtschädigend wirkt, gehört ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm für gebärfähige Frauen und deren Partner sowie für Männer dazu. Wöchentliche Blutbildkontrollen sind in den ersten acht Behandlungswochen erforderlich. In beiden internationalen Studien wurde die Monotherapie mit dem Cortisonpräparat Dexamethason - eine etablierte Behandlungsmethode bei Myelom-Patienten - mit der Kombinationstherapie Lenalidomid / Dexamethason verglichen. Die Patienten sprachen besser auf die Kombinationstherapie an (60,6 Prozent gegenüber 21,9 Prozent) und der Zeitraum bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängerte sich (48,3 gegenüber 20,1 Wochen). Auch die Überlebensrate nach einem Jahr war unter der Kombinationstherapie höher (82 Prozent gegenüber 75 Prozent). Das Multiple Myelom, an dem in Deutschland jährlich ca. 3.500 Menschen erkranken, ist bislang nicht heilbar. "Doch dank neuer Behandlungskonzepte kann die Überlebenszeit der Patienten verlängert und die Lebensqualität gesteigert werden.", sagt Professor Hartmut Goldschmidt, Leiter der Untersuchung.
Quelle: Netdoktor
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