Antrag für leichte Sprache verabschiedet
Kassel (kobinet) Der Sozialausschuss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung hat gestern einstimmig einen Antrag für eine "leichte Sprache von der Stadt Kassel" verabschiedet. Für Petra Groß von Mensch zuerst ist dies ein wichtiger Durchbruch für das Thema leichte Sprache.
Bevor die Kasseler Stadtverordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Nicole Maisch, auf die inhaltliche Begründung des gemeinsamen Antrages für eine leichte Sprache von der Stadt Kassel von Grünen, CDU, SPD und Kasseler Linke einging, las sie den Ausschussmitgliedern erst einmal einige äußerst komplizierten und mit Fremdwörten gespickte Zeilen eines Philosophen vor. "Wenn es Ihnen wahrscheinlich so wie mir geht, dass Sie von dem eben vorgelesenen nur sehr wenig wirklich verstehen können, dann können Sie sich vielleicht vorstellen, wie sich Menschen mit Lernschwierigkeiten wahrscheinlich fühlen, wenn diese sich mit den zum Teil sehr komplizierten Informationen unserer Stadtverwaltung beschäftigen müssen. Um dies zu ändern haben wir diesen Antrag gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt, der dankenswerter Weise von allen Fraktionen unterstützt wird", erklärte Nicole Maisch im Ausschuss.
Der Antrag für eine leichte Sprache liest sich dann auch wie folgt:
"Die Stadtverordnetenversammlung soll dafür stimmen:
Die Stadt Kassel soll mehr Informationen und Formulare für Anträge in leichterer Sprache machen. Das ist wichtig, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten weniger Probleme haben. Möglichst alle Menschen sollen verstehen, welche Angebote und Rechte es in der Stadt gibt. Sie sollen auch verstehen, was sie tun müssen. Der Behindertenbeirat soll gefragt werden, was zuerst gemacht wird."
Lediglich die FDP-Fraktion hatte den Antrag nicht mit unterschrieben, stimmte aber in der Abstimmung für den Antrag. Grund für das Nichtunterschreiben sei die ungewöhnliche Form der Abfassung des Antrages gewesen. Die Grünen hatten sich nämlich gemeinsam mit Petra Groß und Josef Ströbl von Mensch zuerst, dem Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten dafür entschieden, bereits bei der Entwicklung des Antrages darauf zu achten, dass dieser in leichter Sprache geschrieben wird. "Die ungewöhnliche Form der Antragsformulierung und auch die Begründung mit kurzen Sätzen in leichter Sprache hat bereits im Vorfeld der Beratungen im Ausschuss einen guten Teil an Bewusstseinswandel in den Fraktionen ausgelöst und das Problem deutlich gemacht. So war es auch gar nicht so einfach, diesen Antrag in leichter Sprache zu schreiben. Das wäre ohne die Hilfe von Mensch zuerst so auch gar nicht möglich gewesen", erklärte Ottmar Miles-Paul, der im Ausschuss auf das Engagement und die bundesweite Erfahrung von Mensch zuerst hinwies. Der Impuls für den Antrag war bei einer Diskussion über Aktivitäten zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit von Petra Aulep-Wulff von der Linksfraktion gekommen, den die Grünen dann aufgegriffen hatten.
"Ich war von dieser Ausschusssitzung richtig begeistert. Alle Parteien waren für den Antrag und ich glaube, die haben auch alle was gelernt. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Verwaltung bei der Umsetzung des Antrages das auch gut macht. Wir von Mensch zuerst und vom Kasseler Behindertenbeirat unterstützen das gerne", erklärte Petra Groß, die zusammen mit Trudi Kindl vom Behindertenbeirat der Stadt Kassel als Zuhörerin zur Ausschusssitzung gekommen war. "So viel ich weiß, ist das der erste Antrag in einem deutschen Parlament für leichte Sprache. Ich hoffe, dass es bald noch mehr geben wird", so Petra Groß von Mensch zuerst. Nicole Maisch, die ab 1. Februar als Nachrückerin für Matthias Berninger in den Deutschen Bundestag einziehen wird, kündigte im Gespräch mit Petra Groß an, dass sie dieses Thema auf jeden Fall weiterhin verfolgen wolle und dafür hoffentlich auch in Berlin etwas bewirken kann.
Die Gesundheitsdezernentin der Stadt Kassel, Anne Janz, kündigte für die Verwaltung im Ausschuss an, dass das Thema auf jeden Fall ernst genommen werde und es ohnehin Überlegungen gäbe, wie Informationen kundenfreundlicher gestaltet werden können. Der Gesundheitsführer für MigrantInnen des Kasseler Gesundheitsamtes sei dafür ein guter Anfang. Dieser wurde nicht nur auch in andere Sprachen übersetzt, sondern die leichte Sprache habe dabei schon eine wichtige Rolle gespielt. Dies nun auch auf Menschen mit Lernschwierigkeiten zu übertragen, sei eine interessante aber wichtige Herausforderung, erklärte Anne Janz.
Quelle: Rehacare
|