Hartz IV: Kinder werden nicht gesund ernährt
Hartz IV: Kinder werden nicht gesund ernährt
München (netdoktor.de) - Das Arbeitslosengeld (ALG) II reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche ausgewogen zu ernähren. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) der Universität Bonn in einer umfangreichen Studie. Demnach veranschlagt der Gesetzgeber für Nahrung und Getränke bei 14- bis 18-Jährigen lediglich 3,42 Euro pro Tag. Selbst wer nur beim Discounter kauft, muss jedoch im Schnitt 4,68 Euro täglich hinblättern, um den Appetit eines Teenagers mit ausgewogener Kost zu stillen. Das FKE empfiehlt, das Arbeitslosengeld entsprechend anzupassen. Kinder und Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten leiden heute zwei- bis dreimal so häufig unter Fettleibigkeit wie besser situierte Altersgenossen. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes steht Empfängern von Arbeitslosengeld II heute ein Betrag von 347 Euro pro Monat zur Verfügung. Für Kinder gibt es pauschal 60 Prozent dieses Regelsatzes, für Jugendliche 80 Prozent. "Rund ein Drittel dieser Summe veranschlagt der Gesetzgeber für Nahrung, Getränke und Tabakwaren", erklärt Dr. Mathilde Kersting, stellvertretende Leiterin des FKE. "Das sind gerade mal 2,57 Euro täglich für Kinder und 3,42 Euro für Jugendliche ab 14 Jahren. Damit lässt sich nach unseren Erkenntnissen eine ausgewogene Ernährung nicht realisieren." Die FKE-Forscher erhoben im März 2004 in Dortmund die Preise von mehr als 80 Lebensmitteln, die man für eine gesunde Ernährung braucht. Die Testkäufe erfolgten in Supermärkten der Ketten REWE und Edeka, bei den Discountern Aldi und Lidl sowie in einem Bioladen. Anhand dieser Daten berechneten die Wissenschaftler nach Altersgruppen gestaffelt die Kosten für die so genannte "Optimierte Mischkost". Dabei handelt es sich um ein vom FKE entwickeltes Konzept, das eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche zu vergleichsweise günstigen Preisen gewährleisten soll. "Für vier- bis sechsjährige Kinder reichen die veranschlagten 2,57 Euro gerade aus - allerdings auch nur, wenn die Lebensmittel beim Discounter gekauft werden", fasst Mathilde Kersting die Ergebnisse zusammen. "Wer in normalen Supermärkten zugreift, kommt mit dem Geld nicht hin: Dort muss man durchschnittlich 3,86 Euro hinblättern." Mit zunehmendem Alter klafft die finanzielle Lücke noch weiter auseinander: So verzehrt ein Fünfzehnjähriger, der sich ausgewogen ernähren möchte, im Schnitt Lebensmittel im Wert von 4,68 Euro täglich (Discounter) bzw. 7,44 Euro (Supermarkt). "Für Empfänger von Arbeitslosengeld II ist es kaum möglich, ihre Kinder ausgewogen und gesund zu ernähren", resümiert Kersting. Das FKE empfiehlt daher, die aktuellen Regelsätze für Kinder und Jugendliche zu überdenken. In Deutschland schleppen etwa 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zu viele Kilos mit sich herum, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA). Mehr als sechs Prozent seien sogar fettsüchtig (adipös). Insgesamt sind das etwa zwei Millionen übergewichtige Kinder und 800.000 krankhaft Dicke. Kinder nicht-deutscher Herkunft sind dem Bericht zufolge etwa doppelt so oft von krankhaftem Übergewicht betroffen wie Kinder ohne Migrationshintergrund. Je nach Altersgruppe sind sie mit 19 bis 24 Prozent häufiger dicker als einheimische Kinder. Bei der Adipositas liegt der Anteil mit rund zehn Prozent ebenfalls deutlich höher. Und auch Kinder aus Unterschichtfamilien sind häufiger zu moppelig: Bei den 14- bis 17-Jährigen etwa stehen 24,5 Prozent der ärmeren Kinder nur 11,3 Prozent aus betuchteren Familien gegenüber.
Quelle: Netdoktor
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