Neue integrative Konzepte für Menschen mit Behinderung (4)
Neue integrative Konzepte für Menschen mit Behinderung (4)
22.12.2008
[ Matthias Kramer ]
[ Radio Österreich 1/Salzburger Nachtstudio/Tanja Malle ]
Zu Beginn der Integrationsklassen in den 90er Jahren gab es viel Skepsis von Seiten der Eltern, LehrerInnen und Behörden über Nachteile für die Kinder ohne Behinderung. Aber Kinder denken darüber anders.
Die Integrationsklassen gelingen über zusätzliches Förderpersonal, in der Klasse von Peter sind es für ihn und ein weiteres Kind mit Behinderung eine zusätzliche Lehrkraft. Dazu wird eine Pflegefachkraft (für Sondenernähung etc.) benötigt.
Der Bezirk Reutte verbraucht dabei nicht mehr Ressourcen als ein Bezirk mit ausgebautem Sonderschulwesen, was auch international untersucht wurde. Integrative Klassen verlangen den Lehrkräften allerdings mehr ab. Es vergeht kein Semester, wo man sein Wissen nicht erweitern muss, um an gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen dran zu bleiben. Früher war man Dozent, heute bleibt man nicht stehen.
Die LehrerInnen erkannten, dass sie sich durch das Wahlrecht völlig anderen Anforderungen zu stellen haben. Auch die Ausbildungen von Volks- Hauptschul- und Gymnasiallehrerinnen müssen dementsprechend z.B. hinsichtlich einer Differenzierung angepasst werden. Früher war es für SonderschullehrerInnen Gang und Gebe, die Kinder von der ersten bis zur vierten Schulstufe in einer Klasse zu haben und gemeinsam zu unterrichten: Eine kleine Gruppe wird still beschäftigt, mit einem Kind wird Grammatik abgearbeitet etc. Das sollte Standard für alle LehrerInnen sein. Inklusionsmaßnahmen werden aber nicht thematisiert, das Thema Integrationsklassen finde in der Ausbildung häufig keinen Platz. Wenn dann Kinder mit Behinderung oder auch Kinder mit Migrationshintergrund etc. in einer Klasse zusammen kommen, wird es für LehrerInnen schwierig, alle individuell zu bedienen und trotzdem unter einen Hut zu bringen.
Zudem müssten die entsprechenden Maßnahmen bereits in den frühesten Stadien der Entwicklung – in den Kindergärten – ansetzen. Denn in der pädagogischen Arbeit mit Kindern ist in deren früherem Entwicklungsstadium weitaus mehr und höheres Fachwissen erforderlich als in Schulen, wo die Kinder mit zunehmendem Alter selbständiger arbeiten und lernen sollen.
In Österreich werden Kindergärtnerinnen in Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik ausgebildet, wo sie bereits mit 14 oder 15 Jahren beginnen und dann diese mit Matura abschließen können. Das ist im internationalen Vergleich unüblich. Besonders in Skandinavien beginnt die Ausbildung später und dauert länger oder findet überhaupt auf universitärer Ebene statt.
In Österreich muss daher geklärt werden, wo die qualifiziertesten Leute eingesetzt werden. Vielleicht dort, wo geklärt sein muss wie und wo Sprache entsteht und wo das anspruchsvollste Lernen stattfindet – in den frühen Jahren des Kindes. Damit soll nicht der Kindergartenbereich schlecht geredet werden. Allerdings wären gerade im Integrationsbereich Möglichkeiten der fachlichen Begleitung, Beratung etc. durch qualifiziertes Personal notwendig, um zu Zeitpunkten Entwicklungen zu sehen und Maßnahmen zu setzen, wenn diese am meisten Erfolg versprechen.
Ausblick, Arbeitsmarkt und gesetzliche Rahmenbedingungen
Während des portugiesischen EU-Vorsitzes artikulierten Kinder den Bedarf an Inklusion gegenüber EU-Vorsitzenden.
In Österreich sind gesetzliche Rahmenbedingungen für Integration nur für Volkschule und Hauptschule aber nicht für weiteren Bildungsweg vorhanden. Das führt dazu, dass acht Jahre Integration in sozialem Verband stattfinden, dann keine weiteren Schritte stattfinden, es zum Abbruch kommt und das Kind mit Beeinträchtigung erst recht für ein oder zwei Jahre die Sonderschule besucht.
Auf dem Arbeitsmarkt gibt es neue Angebote wie beispielsweise steuerliche Erleichterungen für Arbeitgeber oder integrative Berufsausbildung.
Das AMS gibt zur Arbeitslosenstatistik 30.000 Menschen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen an und 8.000 weitere in Schulungen. Der ÖZIV meint, dass diese Zahlen überhöht sind, weil auch temporär eingeschränkte Menschen darin enthalten seien. Zudem sei Einschränkung ein gutes Argument für das AMS, warum eine Vermittlung nicht möglich sei. Tatsächlich habe das AMS keine Zielsetzung für Menschen mit Beeinträchtigung. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt habe wiederum andere Menschen (Arbeitsunfälle, hohes Alter) in ihrer Statistik.
Beim ÖZIV bemühe man sich um Support durch Coaches, die auch eine Behinderung in einem Ausmaß von zumindest 50% aufweisen.
Schlussendlich hat eine früh einsetzende Bildung als erste Maßnahme zur Teilhabe an der Gesellschaft entscheidenden Einfluss auf die spätere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch zur Inklusion in den Arbeitsmarkt finden dementsprechend Überlegungen und Maßnahmen statt. Grundlegend dafür sind aber politische und legistische Entscheidungen.
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Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,
als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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