Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Benutzerliste
Kalender
Hilfe
Heutige Beiträge
Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Nützliche Links
Selbstbestimmt Leben Infosammlung

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht

  #1  
Alt 31.05.2006, 18:09
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard Selbstbestimmt wohnen

Land ohne Heime?
In Norwegen sollen alle Menschen mit geistiger Behinderung in der eigenen Wohnung leben
(Öffentlich)
von Rudi Sack
aus Lebenshilfe-Zeitung 1/2006 vom 07.03.06
"Ambulantisierung" – ein Zauberwort? Immer intensiver diskutieren wir heute in Deutschland den Umbau der Hilfen für Menschen mit Behinderungen und ganz besonders den Ausbau der ambulanten Unterstützung beim Wohnen. Sind Heime – wie ihre Kritiker behaupten – gar Auslaufmodelle, auf die wir über kurz oder lang ganz verzichten können und sollten?
Ja, sagen die Norweger. Und verabschiedeten bereits im Jahr 1991 ein Gesetz, das die Auflösung aller Heime für Menschen mit geistiger Behinderung verfügte. Die Verantwortung für eine Begleitung der behinderten Menschen, die grundsätzlich in „normalen„ Wohnungen organisiert werden soll, wurde zu diesem Zeitpunkt auf die einzelnen Kommunen in Norwegen übertragen. Daher wird die damals eingeleitete Reform auch als "Verantwortungsreform" bezeichnet.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Doch setzen die Kommunen die radikale Reform auch tatsächlich in die Praxis um, und welche Auswirkungen hat das für Menschen mit Behinderungen und auf die norwegische Gesellschaft? Um dies zu erfahren, unternahm der Landesverband der Lebenshilfe Baden-Württemberg eine Exkursion nach Westnorwegen, an der neben Mitgliedern des Landesvorstands und Mitarbeitern der Landesgeschäftsstelle auch einige Praktiker aus Einrichtungen und Diensten in Baden-Württemberg und Bayern teilnahmen.
Gewinner sind Menschen mit sehr hohem Hilfebedarf
Besucht wurden neben einer aufgelösten Zentralinstitution bei Bergen verschiedene Kommunen im Bezirk Sogn og Fjordane, in dem bei einer Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz insgesamt nur 108000 Menschen leben, davon rund 600 Menschen mit geistiger Behinderung.
Unser erster Gesprächspartner, Dr. Ivar Maehle, früher Leiter der inzwischen aufgelösten Vesterlandsheime bei Bergen (mit in "Spitzenzeiten" 350 Bewohnern), sorgte in seinem Bericht für die erste Überraschung der deutschen Besucher: Nach seiner Einschätzung seien die Gewinner der von ihm selbst als "revolutionär" bezeichneten Reform vor allem Menschen mit sehr hohem Hilfebedarf, die heute eine fachlich wesentlich qualifiziertere Begleitung erfahren würden und viel besser in die Gesellschaft integriert seien als vor der Auflösung der Heime.
Hierzu muss man wissen, dass die Ambulantisierung in Norwegen nie mit der Einsparung von Kosten motiviert war, sondern aus einer "Menschenrechtsperspektive" heraus: Kein Mensch sollte mehr gezwungen sein, in einer Institution und fern seiner Heimat und seines privaten Umfelds zu leben.
Kosten sind im Ganzen betrachtet nicht gestiegen
In der Folge hat heute ausnahmslos jeder behinderte Mensch einen Anspruch auf ambulante Assistenz in der eigenen Wohnung. Auch dann, wenn er rund um die Uhr Assistenz braucht, manchmal sogar durch zwei Begleitpersonen gleichzeitig. Allerdings betonten unsere Gesprächspartner, dass die Kosten im Ganzen betrachtet durch die Ambulantisierung auch nicht stärker gestiegen seien, als dieses bei einem Beibehalt der Heimbetreuung der Fall gewesen wäre.
Die zweite Überraschung erlebten wir bei einem Treffen mit Vertretern der NFU. Der Elternverband (sozusagen die "norwegische Lebenshilfe") war bei der Forderung nach einer Auflösung aller Heime Ende der 80er Jahre die treibende Kraft gewesen, wenn auch eine Minderheit der Eltern damals eine andere Meinung vertrat und deshalb aus Protest einen eigenen Elternverband gründete.
Heute sind sich beide Verbände wohl wieder näher gekommen, und eine Fusion ist in greifbare Nähe gerückt. Bei genauerem Hinsehen ist die „revolutionäre„ Haltung des Elternverbands aus zwei Gründen sehr einsichtig. Einmal führte angesichts der dünnen Besiedelung Norwegens das frühere System dazu, dass viele geistig behinderte Menschen sehr weit von ihren Eltern und ihrer Heimatregion entfernt lebten. Zum anderen stand die NFU im Gegensatz zur Lebenshilfe nie in dem Interessenkonflikt, selbst auch Trägerin von Heimen zu sein.
Kleinstheime als erster Schritt
Die Gretchenfrage, ob denn in Norwegen nun wirklich alle Heime aufgelöst seien, kann man mit einem klaren "Jein" beantworten. In einigen Bezirken wurden als Ersatz für die früheren Großeinrichtungen Kleinstheime für vier bis sieben behinderte Menschen geschaffen. Unsere Gesprächspartner von der den Institutionen nach wie vor sehr kritisch gegenüberstehenden NFU bestanden aber darauf, dass dies nur ein erster Schritt sein könne, denn "auch in kleinen Einrichtungen wird institutionell und nicht individuell gedacht".
In dem von uns besuchten Bezirk Sogn og Fjordane wohnen zwar wirklich alle geistig behinderten Menschen (es sei denn, sie leben noch bei den Eltern) in einer eigenen Wohnung mit ambulanter Begleitung. Allerdings sind diese Wohnungen oft in direkter Nachbarschaft zueinander angeordnet. In Førde haben wir zum Beispiel eine Straße besucht, in der acht Wohnungen für geistig behinderte Menschen sich in vier nebeneinander liegenden Häusern befinden.
Während die NFU dieses kritisiert, betonten unsere Gesprächspartner von den Kommunen, dass dies nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen geschehe, sondern um eine Vereinsamung der Bewohner zu verhindern, die zwar jederzeit ihre Wohnungstür hinter sich schließen, aber sich eben auch problemlos gegenseitig besuchen könnten.
Begeisterung und gemischte Gefühle
Unsere Eindrücke in Norwegen waren an vielen Stellen von Begeisterung, manchmal auch von gemischten Gefühlen geprägt. Die Individualisierung der Hilfe – gerade auch zugunsten von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf – ist sicherlich gelungen. Neben der Erkenntnis, dass der Anspruch auf ein "normales Leben" unabhängig vom (finanziellen) Aufwand und unabhängig vom Hilfebedarf für alle Menschen mit Behinderungen aufrecht erhalten wird, hat mich persönlich vor allem eines beeindruckt: Die eigenen Wohnungen, in denen wir als Gäste empfangen wurden, haben den behinderten Menschen Würde gegeben. Es war wirklich ihr Zuhause!
Soziale Kontakte nach Dienstplan
Ein Zuhause, in dem am Wochenende zum Beispiel die Mutter zu Besuch kommt und dort übernachtet. In welchem Wohnheim ist so etwas schon möglich? Oder gar gern gesehen? Andererseits haben wir den Aspekt der Inklusion, also den Kontakt mit den Nachbarn und die Einbeziehung in das allgemeine Freizeitleben der Gemeinde, vermisst.
Auch die Einzelwohnung kann zur Institution werden, wenn die sozialen Kontakte des behinderten Menschen sich weiterhin auf den Besuch von bezahlten Betreuungskräften nach Dienstplan beschränken (wenn auch individuell und unter Umständen rund um die Uhr).
Lernen und manches gleich noch besser machen
In Norwegen werden diese kritischen Punkte, vor allem die mangelnde Teilhabe in den Bereichen Freizeit und übrigens auch Arbeit, durchaus gesehen. Ein kritischer Bericht aus dem Jahr 2002 mit dem Titel "Die verschwundene Revolution" setzt sich kritisch mit der Reform auseinander. Allerdings plädiert niemand in Norwegen für eine Rückkehr zu den alten Institutionen, es geht immer um eine Weiterentwicklung auf dem bisherigen Weg.
Nachdem auch in Deutschland, wie eine Untersuchung der Uni Tübingen im Jahr 2003 ergeben hat, immer mehr geistig behinderte Menschen (und übrigens auch ihre Angehörigen) Alternativen zum Leben im Heim fordern, würde ich mir wünschen, dass wir in einigen Dingen von den Norwegern lernen. Und manches gleich noch besser machen.

* Rudi Sack ist Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Baden-Württemberg. Eine längere fachliche Dokumentation der Norwegen-Exkursion mit dem Titel "Leben in den eigenen vier Wänden" ist im Internet als Download unter www.lebenshilfe-bw.de zu finden.


(Quelle: Lebenshilfe)
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 01.06.2006, 07:16
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

ich habe diesen bericht mit gemischten gefühle gelessen,einerseits finde ich es toll anderseits sehe ich das es nicht ohne weiteres machbar ist.ich stelle mir einen schwerstbehinderten vor ,der in einen so genannten kleinheim wohnt (ist im text angeschnitten 4-6 perso) soll sich das weitere leben nur auf diese 4-6 personen beschränken womöglich alles schwerstbehinderte die nie aus ihren bett rauskommen nie etwas anderes sehen.ich für mich bin der auffassung auch schwerstbehinderte können von einander lehrnen nur wenn sie etwas von anderen sehen höhren .es reicht nicht aus sie in kleingruppen unterzubringen.der anreiz von anderen ist somit zu gering um das sie durch abschauen durch höhren oder durch wahrnehmung etwas zu lehrnen.
ich hätte starke bedenken mein kind dort unterzubringen.
genauso wohnen unter asiszents was ist wenn der betreuer krank ist ,wenn dieser mal umkippt bei einen menschen der keine hilfe hollen kann.es kann immer etwas passieren man sollte das für und wieder sehr gut abwegen und nicht gleich in lobessänge ausbrechen.sondern wirklich genau überlegen
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 01.06.2006, 09:43
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard

Da hast Du Recht, evma!


LG
Nancy
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 10.07.2007, 20:43
Regina Regina ist offline
Grünschnabel
 
Registriert seit: 08.07.2007
Beiträge: 11
Standard Recht auf Selbstbestimmung

Ich habe den Bericht über die Betreuung in Norwegen mit großem Interesse gelesen und auch die Einwände dazu, dass man die Sinnhaftigkeit gut abwägen müsste, abhängig vom Grad der Behinderung. Also ich habe meine ganz eigene Meinung dazu...
Ich habe ca. 6 Jahre in einer stationären Einrictung für geistig behinderte Menschen gearbeitet. Die Leute, die ich dort betreut habe, waren mittleren Alters und mittelgradig geistig behindert. Einige von ihnen hatten eine zusätzliche Sprachbeeinträchtigung. In der Arbeit ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Mitarbeiter fast alles für die Bewohner entscheiden, angefangen von Kleinigkeiten wie "Was essen sie auf dem Brot?", "Wann gehen sie durschen?", "Wann gehen sie ins Bett?" bis hin zu "Welchen Haarschnitt tragen sie?". Ich hatte von Anfang an ein riesengroßes Problem mit dieser Haltung, weil ich immer das Gefühl hatte, die anderen Mitarbeiter machen sich das Leben einfach ein bisschen zu leicht. Sie gingen den Weg des geringsten Widerstandes, indem sie den Bewohnern jegliche Entscheidungen einfach abgenommen haben. Gesagt hat von ihnen niemand etwas, wieso auch, sie kannten es ja nicht anders, sie durften wahrscheinlich nie eigene Entscheidungen treffen. Wenn ich angefangen habe, sie vor die Wahl zu stellen, was sie zum Beispiel auf dem Brot essen wollten, wurde ich von den Kollegen komisch angesehen. Ich habe versucht ihnen das Thema "Selbstbestimmung" näher zu bringen, weil ich das für sehr wichtig hielt, aber ich steiß auf viel Unverständnis. Eines muss ich heute zugeben, im kleinen Rahmen habe ich, wo ich nur konnte, die Selbstbestimmung meiner Schüzlinge gefördert, aber natürlich habe ich aufgrund der stationären Strukturen auch viele Entscheidungen selbst getroffen und sie nicht mit einbezogen. Damals habe ich vielleicht auch viele ihrer Fähigkeiten unterschätzt, mir war nicht klar, wozu Menschen mit Behinderung in der Lage sind. Heute sehe ich das Ganze von einer anderen Seite und vollkommen anders. Vor etwa 1 1/2 Jahren konnte ich die Arbeitsmethoden, Zielsetzungen etc. des stationären Wohnens nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, bin einfach viel Stunde Betreuung in der Woche und andere eben bis zu 10, aber sie haben ihre eigene Wohnung, ihr eigenes Leben und sind in vielerle Hinsict ihr eigener Herr. Und trotz vieler Probleme, die das Leben so bietet und die sie bewältigen müssen, möchte ich behaupten, dass sie einfach glücklich sind. Meiner Meinung nach sollte die Entwicklung weiter hin zur Ambulantisierung gehen, um mehr Menschen mit Behinderung ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben einzuräumen. Und den Menschen, die schwerer behindert sind und nicht in der Lage sind, eine eigene Wohnung und in dem Sinne ein eigenes Leben zu führen, sollte man zumindest im kleinen Rahmen die Chance geben, selbstbestimmt eigene Entscheidungen zu treffen, selbst wenn das vielleicht viel Arbeit für die Pädagogen bedeutet, aber das ist schließlich unser Job!
Wer eventuell Lust hat, sich ein bisschen über die Möglichkeit des Ambulant Betreuten Wohnens zu informieren, für den habe ich einen guten Linktip, bin da nämlich auf der Suche nach diesem Forum noch auf eine andere interessante Seite gestoßen:
www.selbstbestimmung-forum.de
Lieben Gruß,
Regina
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 10.07.2007, 21:37
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

ich werde dir morgen ausführlich drauf antworten.und dir von unserer wg erzählen.mein sohn 23 mehrfach behindert lebt in einer wg und sehr selbständig.
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 13.07.2007, 13:33
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

ich wollte dir erzählen wie es bei uns aussieht.mein sohn 23 und sein freund 35 beide 100% behindert wohnen zusammen.in einer wohnung.glück ist das dies eine wohnung von uns ist so das wir keine geeignete suchen mußten.den viele vermieten nicht an behinderte.durch das betreute wohnen kommt 2mal die woche eine assitenz die mit den beiden einkaufen geht und auch wichtiges bespricht fragen beantwortet und ihnen dinge der haushaltsführung zeigt.seid kurzen versorgen die beiden sich auch mit essen selbst.gestern hatten sie sich zum beispiel spiegeleier mit schafskäse gemacht (beide schüttelt es noch bei den gedanken) björn kommt morgends zu mir rüber und wir trinken zusammen eine tasse kaffee danach versorgt er die hunde und geht zur werkstatt nach feierabend wird der plan abgearbeitet der mit der assitenz gemacht wurde wie zimmer aufräumen abwaschen wäsche und so weiter.
es läuft sehr gut hier mit allen
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 14.07.2007, 20:25
Regina Regina ist offline
Grünschnabel
 
Registriert seit: 08.07.2007
Beiträge: 11
Standard

Na das hört sich doch gut an, ist ja letztendlich genau das, was ich derzeit beruflich mache. Ist das auch ein Dienst für Ambulant Betreutes Wohnen, der die beiden unterstützt, oder ein persönlicher Assistent? Wenn die Beiden sich gefunden haben und gut (fast) alleine klarkommen, ist das doch perfekt. Und die Familie haben sie ja anscheinend auch noch um sich herum, was leider nicht immer der Fall ist. Habe immer wieder erlebt, dass Familienangehörige für so ein Projekt des eigenen wohnens eher kontra produktiv sind, weil sie Angst haben, dass es nicht klappt und es ihren Kindern oft einfach nicht zutrauen ein eigenständiges Leben mit nur so geringer Unterstützung zu führen, anstatt stolz auf sie zu sein. Habt ihr denn zuvor mal Erfahrungen mit stationären Einrichtungen oder so gemacht, oder ist dein Sohn von zu Hause aus direkt in diese WG gezogen?
Gruß,
Regina
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 14.07.2007, 20:34
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

björn ist noch autist und brauchte eine gewisse umgebung um es wagen zu können.er hatte bis zu seinen auszug bei uns gewohnt und wohnt jatzt seid mehr als einen jahr mit siggi zusammen.es ist ein dienst für ambulant betreutes wohnen der die beiden betreut.und zweimal die woche kommt.heute haben sie sich alleine bratkartoffeln mit speck gemacht.undsogar den mühl nach den kochen rausgebracht.er kam kurz rüber und fragte nach ob er alles richtig sich gemerkt hat.
das wohnheim wäre nicht gut für ihn gewesen da er sich zurückziehen muß was dort nicht immer gegeben ist.auserdem fördert das wohnheim freies wohnen siggi war lange dort und wurde soweit gebracht das er jetzt in der wg so weit gebracht das er frei wohnen kann
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 14.07.2007, 20:54
Regina Regina ist offline
Grünschnabel
 
Registriert seit: 08.07.2007
Beiträge: 11
Standard

Also ich bin auch der Meinung, dass viel mehr Menschen mit einer Beeinträchtigung über einen Dienst wie Ambulant Betreutes Wohnen eine eigene Wohnung und damit ein eigenständigeres Leben führen sollten und ich finde es gut, dass du das bei deinem Sohn unterstützt. Ich habe sechs Jahre in einer stationären Behinderteneinrichtung gearbeitet und was da abgegangen ist, wie man zum Teil mit den Bewohnern umgegangen ist, darf man wohl gar keinem erzählen. Die Möglichkeit der Selbstbestimmung war da gleich Null. Ich konnte das irgendwann mit meiner Idee von Pädagogik und nach einigen schlimmen Vorfällen vor allem mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren und habe deshalb den Job gewechselt.
Es gibt einfach viele Leute, auch Pädagogen aus meinem Berufsfeld, die nicht glauben, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung in einer eigenen Wohnung leben können und ihre Angelegenheiten selbst erledigen. Viele werden einfach viel zu sehr unterschätzt, was ihre Fähigkeiten anbetrifft, leider! Ich versuche immer zu transportieren, dass viele Fähigkeiten versteckt sind und unglaubliches möglich ist, wenn man den Menschen nur die Möglichkeit gibt, es zu zeigen und sich zu entwickeln.
Du sagts dein Sohn sei Autist...als ich im ABW angefangen habe, hat der Dienst am gleichen Tag einen neuen Kunden bekommen, einen Autisten, Aspergersyndrom. Die Mitareiter des Dienstes waren sich nicht sicher, ob das funktionieren kann, weil seine Beeinträchtigung doch relativ stark ist und ich konnte das zu dem Zeitpunkt als Neuling aus dem stationären Bereich nict einschätzen, sollte aber direkt in die Unterstützung mit einsteigen. Habe dann Fortbildungen etc. gemacht, mich mit dem Aspergersyndrom befasst und wir unterstützen ihn 10 Stunden in der Woche (die höchste Stundenzahl aller Kunden die wir haben). Jetzt ist über ein Jahr um und die meisten Zweifel beseitigt. Es ist nicht immer einfach mit ihm zu arbeiten, aber es klappt alles in allem super, er hat sein Leben soweit im Griff, solange es in seinem Tempo und seinen Strukturen angemessen vorwärts geht. Mir macht die Arbeit mit diesem Autisten super viel Spaß... wenn dein Sohn nur einmal in der Woche Unterstützung durch den Dienst bekommt, ist es dann nur eine leichte Form von Autismus?
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 14.07.2007, 21:02
Benutzerbild von evma
evma evma ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 01.08.2005
Ort: ostsee
Beiträge: 24.215
Standard

er bekommt zweimal die woche und siggi auch zweimal die woche.so das viermal die woche jemand da ist.dazu muß ich sagen wir haben sehr großes glück mit der dame die da kommt.letztes jahr war eine andere da die hatte den beruf verfehlt.und keinen zugang zu den beiden bekommen.lag aber wirklich an ihr.diese die jetzt kommt gibt sich sehr viel mühe und nimmt die beiden auch für voll.da ist ein miteinander und kein bestimmen über die zwei.sie kommt eigentlich für jeden zweimal vier stunden die woche.je nach bedarf
björn hat etliche behinderungen davon ist das autissein .eigentlich die schwächste .
auf jeden fall ist es eine klasse sache und wir wollen nach und nach unsere ferienwohnungen in bwg umrüsten.
Mit Zitat antworten
Antwort


Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten Letzter Beitrag
Auszeichnung der Preisträger des KfW-Award 2006 (altersgerechtes Wohnen) Mary Unsortiertes (Hilfsmittel, Pflegegeld & Co.) 1 26.05.2006 09:28
selbstbestimmt wenn auch kurz evma Selbstbestimmt Leben 4 20.04.2006 20:39
Frei Wohnen, raus aus den festen Einrichtungen! Nancy Vereine & Co. 0 13.04.2006 21:38
Barrierefrei Wohnen - Tipps für Behinderte, Angehörige und Vermieter Mary Surftipps 2 13.04.2006 08:15
Betreutes Wohnen Mary Pflegedienste / Familienentlastende Dienste / Betreutes Wohnen 0 01.04.2005 21:27


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 16:02 Uhr.
Powered by vBulletin Version 3.5.4 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 2.4.0
Copyright 2005 - 2011 Netzwerk behindertes Kind.de ***** Sämtliche Inhalte dieses Forums erheben keinen journalistisch-redaktionellen Anspruch.