de
28.06.2006
Mainz (kobinet) Auf eine Fernsehsendung zum Thema Partnerschaft und Sexualität von Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung macht kobinet-Leserin Martina Bindel aufmerksam. Gesendet wird der Bericht am Montag, den 17. Juli zwischen 2.05 und 2.40 Uhr im ZDF sowie am 19. Juli von 0.55 bis 1.25 in 3sat. elba
In der Ankündigung zur Sendung heißt es:
Vor 30 Jahren "Sie bleiben nicht immer Kinder"
Geistig Behinderte: Ihre Probleme mit Partnerschaft und Sexualität
Durch zwei Vorurteile sind die Meinungen vieler Menschen geprägt, wenn sie über die Probleme geistig Behinderter mit Partnerschaft und Sexualität sprechen.
Ein vorherrschendes Missverständnis ist die Ansicht, geistig Behinderte seien in besonderem Maße triebhaft und sexuell aggressiv. Man hält sie deshalb für gefährlich und hat Angst vor ihnen. Geistig Behinderte sind jedoch nicht häufiger in Sexualdelikte verwickelt als Menschen anderer Bevölkerungsschichten.
Ein zweites Missverständnis erwächst aus der Vorstellung, dass geistig Behinderte ein Leben lang 'Kinder' bleiben und nie eine körperliche und sexuelle Reife erlangen, die sie zur Partnerschaft befähigt. Geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene müssen sich aber genau wie alle anderen Menschen mit der Sexualität auseinander setzen und Formen zur Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche finden. Viele von ihnen leben sehr isoliert, weil es ihnen durch das mangelnde sprachliche Ausdrucksvermögen schwer fällt, zwischenmenschliche Beziehungen zu knüpfen. Man muss ihnen helfen, einen Lebensraum zu finden, in dem sie Zärtlichkeit, Intimität und Liebe erfahren können.
Wenn man geistig behinderten Menschen verwehrt, ihr Dasein als Mann oder Frau zu verwirklichen, fügt man ihnen eine neue Behinderung zu. Mit dem Recht auf ein Sexualleben ist nicht vorrangig das Recht zur Ausübung des Geschlechtsverkehrs gemeint. Viele geistig behinderte Männer und Frauen haben sehr zarte Liebesbeziehungen, die jedoch ihr Leben ausfüllen und sie glücklich machen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass je nach Lebensumständen nur 10 oder 20 Prozent der geistig behinderten Paare genitalsexuelle Beziehungen haben. Es wäre sicher falsch, in Menschen Bedürfnisse zu wecken, die sie von sich aus nicht haben und deren Problematik sie ohne Hilfe nicht bewältigen. Auf der anderen Seite aber darf dem kleinen Personenkreis, der dazu fähig ist, nicht die Möglichkeit genommen werden, als Mann und Frau zu leben. Filmaufnahmen in Schweden und in der Bundesrepublik zeigen, wie man mit den Bemühungen, junge Menschen durch eine sorgfältige und individuelle Erziehung zu einem möglichst selbstständigen Leben zu führen, spürbare Erfolge erzielt.
Quelle: Rehacare