Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen erfolgreich
Köln/Münster (kobinet) Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Landeswohlfahrtsverband Westfalen-Lippe (LWL) ziehen nach vier Jahren betreuten Wohnens in Nordhein-Westfalen eine erfolgreiche
Bilanz.
Die Zahl der ambulant Wohnenden habe sich seit 2003 von rund 11000 auf ca. 22000 verdoppelt. 2006 stagnierte die Zahl der Heimbewohner erstmals. Diese liegt in Nordrhein-Westfalen bei 44000.
"Längst nicht jeder behinderte Mensch braucht die umfassende Betreuung, die ein Wohnheim bietet. Im Gegenteil: Für viele bietet die eigene Wohnung zusätzliche Lebensqualität", sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. Behinderte Menschen sollten stärker mitreden, wenn es um ihre Wohnsituation gehe. "Wir wollen weiter umsteuern. Menschen mit Behinderungen sollen betreut zuhause leben, wann immer das geht und sie es wollen. Gleichzeitig muss die öffentliche Hand sparen wo es geht", so Kirsch in einer Pressemitteilung.
LVR-Direktor Udo Molsberger betont, dass auch ambulant Betreute die Hilfe bekämen die notwendig wäre: "Das kann beim Geldverkehr genauso der Fall sein wie bei der Erledigung von Post oder der Reinigung der eigenen Wohnung". Behinderte Menschen müssten Selbstverständliches wie das Einrichten einer Wohnung oder das Zubereiten einer Mahlzeit häufig erst lernen. elba
Kommentar von kobinet-Redakteurin Elke Bartz
Prima, behinderte Menschen sollen stärker mitreden dürfen, wie sie leben wollen. Das mag zwar mehr sein als es bisher der Fall war. Stärker mitreden heißt aber noch längst nicht selbst bestimmen und damit Wunsch- und Wahlrechte ausüben zu können.
Zudem werden in der Pressemitteilung ausschließlich "geistig behinderte" und psychisch kranke Menschen erwähnt. Klar ist es ein Erfolgserlebnis, wenn diese in die Freiheit entlassen werden und ambulante Wohnformen vorfinden, die ihnen mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität ermöglichen. Wo aber bleiben die Menschen mit Körperbehinderungen und hohem Assistenzbedarf, deren ambulanten Leistungen mit (vermeintlich) höheren Kosten als die stationären verbunden sind? Von ihnen ist in der Pressemitteilung der Landschaftsverbände keine Rede. Freiheit nur unter Einsparungsaspekten wäre mehr als nur billig.