Erfolgsmodell Betreutes Wohnen
Erfolgsmodell Betreutes Wohnen
Düsseldorf (kobinet) Das Betreute Wohnen für Menschen mit Behinderung in NRW ist ein Erfolg. Zu dem Schluss kommen die beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR, Köln) und Westfalen-Lippe (LWL, Münster). Nach einer Bilanz, die die beiden Kommunalverbände in Düsseldorf vorstellten, habe sich die Zahl der Menschen, die in den eigenen vier Wänden statt im Heim leben, innerhalb von vier Jahren verdoppelt. Seit 2006 stagniere dagegen erstmals die Zahl der Heimbewohner in Nordrhein-Westfalen.
LVR-Direktor Udo Molsberger erklärte zu der Entwicklung: "In Nordrhein-Westfalen werden zur Zeit knapp 22.000 Menschen mit Behinderung in ihrer eigenen Wohnung betreut, 2003 waren es nur 11.000. Unsere Anstrengung zeigt erste Erfolge." Rund 44.000 Menschen mit Behinderung leben in Wohnheimen, Nach Schätzungen werde die Zahl der Behinderten wegen der besonderen Altersstruktur in den nächsten zwei Jahrzehnten weiter steigen.
"Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, wie beispielsweise das Einrichten einer Wohnung oder das Zubereiten von Mahlzeiten, müssen Menschen mit Behinderung oft erst lernen", so Molsberger zu den Vorteilen des betreuten Wohnens mit Assistenz für die Betroffenen. "Auch bedeutet es Hilfe zu bekommen, wenn sie benötigt wird. Das kann beim Geldverkehr genauso der Fall sein wie bei der Erledigung von Post oder der Reinigung der eigenen Wohnung."
LVR und LWL geben pro Jahr zirka 1,8 Milliarden Euro an so genannter Eingliederungshilfe für das Wohnen behinderter Menschen aus. Ein Platz im Heim kostet in Nordrhein-Westfalen pro Tag durchschnittlich etwa 100 Euro, die ambulante Betreuung beim Wohnen dagegen zwischen 50 und 70 Euro täglich. Seit dem 1. Juli 2003 - und zunächst befristet bis zum Jahr 2010 - sind LVR und LWL nicht nur für die Heimbetreuung verantwortlich, sondern auch für die ambulante Betreuung zum selbstständigen Leben behinderter Menschen.
"Längst nicht jeder behinderte Mensch braucht die umfassende Betreuung, die ein Wohnheim bietet. Im Gegenteil: Für viele bietet die eigene Wohnung zusätzliche Lebensqualität", sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. Behinderte Menschen sollten stärker mitreden, wenn es um ihre Wohnsituation gehe. "Wir wollen weiter umsteuern. Menschen mit Behinderungen sollen betreut zuhause leben, wann immer das geht und sie es wollen. Gleichzeitig muss die öffentliche Hand sparen, wo es geht", so Kirsch.
Er betonte, dass weder die Qualität der Betreuung leide noch jemand gezwungen werde, aus dem Heim auszuziehen. "Wir wollen aber die Landschaftsverbände und damit die Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen finanziell entlasten." Erstmals sei es 2006 überhaupt gelungen, die Durchschnittskosten für Hilfen beim Wohnen (Heim und betreutes Wohnen) unter 76 Euro pro Tag zu senken (2006: 75,98 Euro, 2005: 76,26 Euro). Langfristig könne man in Nordrhein-Westfalen Kostenvorteile von rund 50 Millionen Euro pro Jahr erzielen, wenn alle Maßnahmen griffen. Beide Direktoren verwiesen auf die gute Zusammenarbeit mit der Freien Wohlfahrtspflege.
Menschen mit psychischen Behinderungen stellen nach Angaben von Kirsch mit 65 Prozent immer noch die größte Gruppe im Betreuten Wohnen. Der Anteil der geistig behinderten Menschen liege bei nur 18 Prozent. "Wir müssen weiter vor allem Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Angehörigen anbieten, dass man mit entsprechender ambulanter Unterstützung selbstständig leben kann", sagte der LWL-Direktor.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit steigt in Deutschland die Zahl der behinderten Personen mit Betreuungsbedarf Jahr für Jahr an, jährlich um rund 10.000 Personen, in Nordrhein-Westfalen um zirka 2.000. Der medizinische Fortschritt und die moderne Betreuung tragen dazu bei, dass heutzutage erfreulicherweise auch viele sehr schwer behinderte Menschen ein normales Lebensalter erreichen.
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