Richtung stimmt - Tempo muss erhöht werden
Richtung stimmt - Tempo muss erhöht werden
Kassel (kobinet) Die Tatsache, dass in Nordrhein-Westfalen innerhalb von vier Jahren die Zahl derjenigen behinderten Menschen, die im Betreuten Wohnen statt im Heim unterstützt werden, verdoppelt werden konnte, gibt für Ottmar Miles-Paul Hoffnung. In seinem Kommentar macht der kobinet-Redakteur aber auch deutlich, dass das Tempo für ein Leben Daheim statt im Heim noch viel zu langsam ist. elba
Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul
Eine Verdoppelung der Plätze im Betreuten Wohnen in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen innerhalb von vier Jahren ist eine echte Erfolgsmeldung in Sachen Behindertenpolitik. Waren es 2003 lediglich 11.000 behinderte Menschen, die im Rahmen des Betreuten Wohnens statt im Heim unterstützt wurden, sind es mittlerweile 22.000. Das klingt gut und macht Geschmack auf mehr. Es zeigt vor allem auch, dass die Rufe und die Initiativen für ein Leben Daheim statt im Heim berechtigt und anscheinend auch machbar sind. Man fragt sich da sogar förmlich, warum ging das vor 2003 nicht, dass das Tempo für den Ausbau des Betreuten Wohnens so forciert wurde. Man fragt sich vielleicht auch, ob dies das Ende der Fahnenstange ist und der Anstieg sich so fort setzt.
Vergessen darf man dabei aber nicht, dass den 22.000 Plätzen im Betreuten Wohnen - besser würde es übrigens im Sinne eines Paradigmenwechsels und modernen Sprachgebrauch in der Behindertenarbeit Unterstütztes Wohnen heißen - 44.000 behinderte Menschen in Nordrhein-Westfalen entgegen stehen, die noch in Heimen leben müssen. Der Begriff des Heims beschreibt dabei in der Regel weniger das gewohnte heimisch fühlen, sein Eigenheim zu haben oder was man sich sonst darunter vorstellt. Leben im Heim bedeutet vielmehr oft: Doppelzimmer, feste Strukturen, große Abhängigkeit und eine Sonderwelt, also alles andere als Integration ins Leben der Gemeinde.
Wenn nun also zum ersten Mal der Trend zum Ausbau der Heimplätze gestoppt und die Bewohnerzahlen stagnieren, müsste ein Heimbaustopp auch konsequent sein. Und dann natürlich auch ein gezielter Abbau von Heimplätzen. Dabei sind wir dann genau bei den Forderungen der Bundesinitiative Daheim statt Heim, die, wenn man nach Nordrhein-Westfalen schaut, gar nicht so verkehrt sind und dort hoffentlich zukünftig konsequent umgesetzt werden. Andere Bundesländer sind davon nicht ausgenommen und ziehen hoffentlich schnell nach. Denn behinderte Menschen wollen Daheim statt im Heim leben.
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