Interview zur Elternassistenz in Handicap.
Hamburg (kobinet) Wenn heute die Zeitschrift Handicap an den Kiosken erscheint, ist darin auch ein Interview mit der Rollstuhlbenutzerin Imke Paust. Die Hamburgerin setzt sich für ein Recht auf und die Finanzierung von Elternassistenz ein.
Die 39-Jährige lebt mit einer spastischen Tetraparese und einer Sehbehinderung. Als allein erziehende Mutter eines 6-jährifgen Sohnes weiß sie, wovon sie redet, wenn sie das Recht auf Elternassistenz einfordert. Sie selbst hat es zwar geschafft, dass ein stundenweiser Bedarf vom Jugendamt anerkannt wurde. Doch bekommt sie nur 3,15 Euro je Assistenzstunde. "Damit kann doch kein Assistent seinen Lebensunterhalt bestreiten", so Paust. "Also lege ich von dem Pflegegeld, das ich von der Pflegekasse für meine eigene Pflege erhalte und dringend brauche, drauf. Es ist schon verrückt. Einerseits wird gejammert, dass viel zu wenige Kinder geboren werden. Wenn sie aber auf die Welt kommen und man Unterstützung braucht, wird sie verweigert. Oder sind Kinder behinderter Eltern weniger wert als andere?".
Die Folge sei, dass sie ihre eigene Pflege irgendwie durch Freunde ehrenamtlich sichern müsste, ohne diesen dafür auch nur eine kleine finanzielle Anerkennung geben zu können. "Fragt sich nur, wie lange meine Freunde diese ungleiche Belastung der Freundschaft durchhalten. Ich habe Angst, dass sie bald überfordert sind und dann nicht mehr kommen. Was mache ich dann?"
Bevor diese Katastrophe eintritt, ist Imke Paust aktiv geworden. Bereits im Mai hat sie eine
Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht. "Jetzt erst habe ich die Eingangsbestätigung erhalten", berichtet sie. "Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, ist mein Kind in einem Alter, in dem ich keine Elternassistenz mehr brauche". Jetzt hofft sie, dass weitere Eltern ihrem Beispiel folgen und ebenfalls Petitionen einreichen. "Ich befürchte, wir kommen nur weiter, wenn dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung kommt" so Imke Paust.