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  #1  
Alt 14.08.2008, 22:07
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Registriert seit: 28.03.2005
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Beiträge: 10.994
Standard Abgestrafte Grundschullehrerin und Kinder in der Psychiartrie "geparkt"

Abgestrafte Grundschullehrerin und Kinder in der Psychiartrie "geparkt"

Heute brachte die Sendung Monitor u. a. folgende Themen:

Eine Grundschullehrerin, die sehr erfolgreich ihre Kinder unterrichtet hatte - ihr Klassendurchschnitt war um Längen besser als der der Parallelklassen - wurde nun gegen ihren Willen zwangsversetzt. In der Begründung stand u. a. so etwas wie "dass der Schulfrieden gestört sei".

Ein weiterer Beitrag, noch mehr erschütternd:

Verhaltensauffällige Kinder werden zu Tausenden in den geschlossenen Abteilungen der Landeskrankenhäuser "geparkt" (das Wort wurde so in der Sendung verwendet!!!)

Dort erhalten die Kinder "Bedarfsmedikation" - was nichts anderes heißt als: sie werden so vollgepumpt mit Medikamenten, dass sie ruhig gestellt werden.

Krankenkassen zahlen für 3 Monate vollstationären Aufenthalt ohne Diagnose.

Die Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung würde die Budgets der Jugendämter belasten.

Es wurde in etwa geschätzt, dass ca. 1 Drittel der vollstationär untergebrachten Kinder in Landeskrankenhäusern nicht dort hin gehören - also "geparkt" werden im Dämmerzustand

Im Jahr 2007 (oder war es 2006) wurden über 39.000 Kinder in die geschlossenen Abteilungen der Landeskrankenhäuser eingewiesen ...

Somit allein in diesem Jahr um die 13.000 neue Kinder als Zugang, die mit Medikamenten vollgepumpt werden, ohne dass dies therapeutisch sinnvoll wäre - denn sie gehören ja laut Bericht gar nciht dort hin!

Ich möchte nicht wissen, wie viele Kinder jetzt in diesem Moment in unseren Landeskrankhäusern "geparkt" sind! Man muss ja bedenken, dass die Kinder nicht so leicht wieder herauskommen - die Anzahl der betroffenen Kinder muss exorbitant hoch sein!

Bei dem Gedanken wird mir spei-übel!

Ich konnte leider keine Infos zur Sendung im Web finden - vielleicht ist morgen etwas darüber auf den Internetseiten der ARD.

Hoffentlich hilft dieser Bericht des Monitors, den Kindern zu helfen!

Mary
__________________
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  #2  
Alt 14.08.2008, 22:23
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.994
Standard

Link zu Monitor - ins Thema Jugendliche in die Psychiartrie abgeschoben
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  #3  
Alt 14.08.2008, 23:55
Rieke Rieke ist offline
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Registriert seit: 18.07.2008
Ort: Viersen
Beiträge: 22
Standard Tatsachen ???

Hallo Mary

Die zahlen haben mich doch sehr erstaunt ???

Und zur "realität"
Geschlossene stationen sind nicht die norm !! Eher die ausnahme !!
Einer geschlossenen unterbringung muß der richter zustimmen!
Ich verrate wohl kein geheimnis wenn ich hier berichte, das die stationen im durchschnitt mit 10-15 patienten belegt sind....
Ich selber habe ca 4jahre in der sogen. krisenintervention gearbeitet(bis 1984) unter "namhafter leitung" -die mehr wert auf "neue" therapieformen legte als auf psychopharmaka.....(sollte es sich so schnell rückwärts entwickelt haben????)
die Landeskliniken bauen seit jahren kontinuierlich ihre "bettenburgen " ab und versuchen neue formen der betreunug zu bringen(Stichwort selbstbestimmtes Leben)
Bei der genannten zahl der "geparkten" kinder ????
Zitat:
Im Jahr 2007 (oder war es 2006) wurden über 39.000 Kinder in die geschlossenen Abteilungen der Landeskrankenhäuser eingewiesen ...
wo sollen die sein ??
Haben wir in der BRD diese kapazitäten ????
Neben den stationen für "drogenentzug und therapie"...(Ja-auch bei kinder und jugendlichen!!)
jugendlicher straftäter(Ja-auch kinder und jugendliche !!!) und das sogar im bereich "kapitalverbrechen".....(JA !!) einem sogen.Autismusbereich..

ich habe noch viele geschätzte kolleginen in den bereichen , von denen ich behaubte eine " ruhigstellen" ohne grund würden sie (meist selber mütter) nicht zulassen !!!

Es gibt immer und überall schwarze schafe !!.....
Aber -gegen die pauschalanklage meines "berufstandes" und AG verwehre ich mich !!!!
Ich finde -weiß gott nicht- alles toll , was die damen und herren am grünen tisch sich ausdenken
Unsere größtes problem ist der personalnotstand!!!!
DA wird gespart auf "deuvel komm raus"....

Allerdings!!!!...ich habe selber erlebt, wie schnell kinderärzte den rezeptblock zücken und "Ritalin" verschreiben...ist am einfachten
DA bin ich als mutter gefragt !!
Mein sohn war 9monate (wie bezeichnend) in der tagesklinik....
eine herbe zeit für uns alle !!!
Aber..erfolgreich !!
Neben einer klaren,fundierten, unumstößlichen diagnose !!!
Asperger(mit "inselhochbegabung") und definitiv kein ADS !!!
haben wir als eltern (wenn auch mittlerweile getrennt) und er sehr viel "mitbekommen"...und haben ein hochengagiertes team erlebt !!

Ich bin sehr betroffen und skeptisch über diesen bericht
Er vermittelt ein bild a la " Einer flog übers Kuckucksnest"
...jetzt mal im bereich kinder ......
DIE zeiten gehören -GDS - der vergangenheit an !!!

Und das man nicht hinter "die mauern" gucken kann......

Mauern gibt es in "unserem" gelände nicht !!!
Zäune und (hoch)sicherungsanlagen im bereich der Forensik JA...alles andere wäre schlecht !!!!!

Die Häuser und stationen sind "zu"...das ist der lebensraum der patienten und bewohner !!!!
Jeder verwandte-freund erhält zutritt(im rahmen des möglichen)
Um "öffendlichkeitsarbeit" sind unsere "leitenden" sehr bemüht....
aber auch da gibt es grenzen!!!
Eine ist -unbestritten- unsere schweigepflicht !!!!!
Keine(r) möchte seine "krankengeschichte" ungefragt im Monitor wiederfinden !!!

Sorry-ich bin da sehr skeptisch was den bericht angeht......sicherlich auch "involviert" ...
Kann euch nur sagen ICH würde mich mit einem "geparktem und in den Dämmerzustand" versetzem kind nicht abfinden......auch nicht von "berufswegen" !!!!!
__________________
Rieke
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  #4  
Alt 15.08.2008, 01:27
Nur eine Mutter Nur eine Mutter ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 09.08.2008
Beiträge: 3
Standard

Hallo Rieke,

... leider sehe ich es nicht so sonnig, wie du es betrachtest... Berufsethos ist eine gute Sache, und sicher... es gibt Menschen, die ihn verinnerlicht haben und... es gibt Menschen, die diesen Berufsethos eben so erfolgreich ausblenden jeden Tag und in unterschiedlicher Art und Weise...

Es gelingt doch vielen Menschen, ihren Berufsalltag am Abend an der heimischen Haustür fallenzulassen... wie auch sonst sollten sie das Schicksal anderer Menschen wirksam mitbestimmen, beeinflussen oder gar lenken können? Ich denke da an Ärzte, Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Ämtern und Behörden, Psychiater, Polizisten usw. usf.

Dazu kommt eine gewisse "Betriebsblindheit", dieser geradezu zwingende "Mechanismus" Belange in Schubladen einzusortieren (um damit fertig zu werden?)

Eine Physiotherapeutin, ehemalige Freundin von mir und eine durchaus sozial engagierte Frau hat sich u.a. darüber aufgeregt, dass sie so viele Hüftluxationen von viel zu alten Menschen behandeln müsse... "das wäre doch sinnlos, diese Menschen sterben eh bald und siechen dahin"...

... ich war völlig entsetzt über ihre Aussage... für sie jedoch war es innerhalb ihres Arbeitsalltages eine ganz selbstverständliche, pragmatische Feststellung, sie macht schließlich die Überstunden, hat weniger Zeit für die jungen Patienten, sie erlebt, dass im Krankenhaus Stellen abgebaut werden und zunehmend privatisiert wurde (natürlich zu schlechteren Konditionen für die Mitarbeiter).

Warum sollte das in psychiatrischen Einrichtungen anders sein? Welche Patienten sind von wie vielen Mitarbeitern innerhalb einer Arbeitszeit X zu betreuen und wie intensiv? Wo werden zwangsläufig Abstriche gemacht in Form von med. Ruhigstellung um andere Patienten mit besserer "Prognose" noch halbwegs angemessen betreuen zu können?

Vielleicht gibt es dort einzelne Schwestern, Pfleger und junge Ärzte, denen die Zustände missfallen, bestimmt gibt es sie. Aber sie werden in der Mehrzahl schweigen. Angst um den Arbeitsplatz, nicht sehen wollen, Teamzusammenhalt... da spielen viele Belange herein, die so bewusst erst einmal gar nicht greifbar scheinen.

39.000 Kinder - klar... die Zahl erscheint zunächst unrealistisch, dabei sollte man aber bedenken, dass es sich um die Zahl der Aufnahmen handelt und diese Anzahl fluktuiert - es gibt wiederum "Abgänge", die Platz für Neuzugänge schaffen. Dazu kommt... es gibt viele Städte und auch nicht nur mit jeweils einem Krankenhaus, welches über eine "geschlossene Abteilung" verfügt.

Zurück zum Berufsethos... von den "Zwängen" einmal abgesehen und der Verantwortung und den Ermessensentscheidungen... führen doch gerade die möglichen Entscheidungen über andere Menschen und deren Leben und Wirken auch ein Stückweit zu "Machtdenken/Machtstreben". Ich denke, das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Wir hatten bereits dunkle Zeiten, in denen unzählige Menschen "funktioniert" haben, ohne zu hinterfragen was sie da eigentlich vollziehen, wobei sie "helfen" - Frage: warum sollte das heutzutage nicht mehr so umsetzbar sein?

Geändert von Nur eine Mutter (15.08.2008 um 01:31 Uhr).
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  #5  
Alt 15.08.2008, 06:51
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
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Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.994
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Hallo Rieke,

ich wollte mit dem Beitrag nicht zum Ausdruck bringen, dass alle Mitarbeiter von Landeskrankenhäusern schlecht arbeiten. Ganz gewiss nicht.

Aber auch dort stellen Mitarbeiter einen Querschnitt der Bevölkerung dar.

Und leider ist es nicht immer so, dass alles optimal für den Patienten / Betroffenen läuft.

Netzwerk Enbeka liegen durchaus auch Informationen vor, dass es Vorgänge gibt, die nicht richtig sind.

Nicht nur aus Psychiartrischen Kliniken (aber auch von dort).

Da ich den Datenschutz nicht verletzen möchte, kann ich hier an dieser Stelle auch nur sehr vage Angaben machen.

Aber es gibt Wohnheime für Behinderte, in denen Bewohner sediert werden. So schlafen sie viel und äußern keine Wünsche.

Und es gibt / gab Mitarbeiter in geschlosssenen Abteilungen für Kinderpsychiartrie, die nicht nur die Bedarfsmedikation verabreichen, sondern darüber hinaus in absolut abartiger, kranker Art und Weise ihre Machtposition gegenüber Kindern ausnutzen. Ich sage zu einem der schlimmsten Fälle auf meinem Schreibtisch nur eines: auf Seite 7 musste ich aufhören zu lesen ... (und das Dokument war um ein vielfaches länger!)

Es ging um einen Fall von Kindesentziehung - die Eltern kämpfen um die Rechte ihres Kindes ... heute schwerst traumatisiert ... durch diesen zwangsweisen Aufenthalt in einer geschlossenen Abteilung ...

Man kann und darf nicht pauschalisieren - weder in die eine, noch in die andere Richtung ...

Aber man darf ebenso wenig aufhören, die Probleme anzugehen - und dazu gehört es auch, sie öffentlich bekannt zu machen ...

Mary
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... schön Dich zu lesen ...


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  #6  
Alt 16.08.2008, 04:16
Rieke Rieke ist offline
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Registriert seit: 18.07.2008
Ort: Viersen
Beiträge: 22
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http://www.lvr.de/app/Presse/Archiv.asp?NNr=1033

Ein kleines teil vom ganzen....

Ein längeres gespräch mit Eva hat mich schon was geschockt... Da liegen welten zwischen Schleswig Holstein und NRW !!!!
Leider-Gott sei dank !!!
Wir...das Heilpädagogische Heim des LVR in Viersen ...sind da wohl der "Vision" schon ein ganzes stück näher gekommen !!

Und das ist mir heute nacht noch MEHR als deutlich geworden !!!
Einer unserer bewohner, dessen "angewohnheit" es ist in seiner "stammkneipe" noch ne cola zu trinken (so gegen 22uhr) die in 98% der fälle der wirt ihm spendiert !!stand vollkommen ratlos vor der kneipe...hochzeitsgesellschaft ????
War ne aktion von 3sekunden
Ich kenne ihn und seine gewohnheiten...beide meine schwägerinen arbeiten im heim...mein mittlerer bruder ebenfalls (alle in unterschiedlichen funktionen)
Ahmet wurde eingeladen-bekam seine cola .."magst du was essen??" ...."JA" ...räumte teller und gläser aus dem aussenbereich mit rein als "danke"und bekam um 23uhr den hinweis...jetzt sputen!! sonst machen sich deine leute sorgen...kurzer anruf bei dem kollegen der den nachtbereich betreut....."er kommt was später!"..............
NEIN !! Kein märchen...der großteil unserer bewohner...die, die es geregelt kriegen...lebt recht selbstbestimmt !!!
"Meine" gruppe..2männer 4 frauen im alter von 45-67jahren wohnen in einer doppelhaushälfte. Jeder sein zimmer -sie teilen sich 2bäder und drei wc räume....der küchen-ess-wohnbereich ist offen..im kühlschrank der küche befinden sich IMMER lebensmittel zu ihrer freien verfügung...im wohnzimmer steht ein obstkorb, der immer gefüllt ist...im essbereich immer 2-4 flaschen wasser..eingeteilt limo und cola(mit obstsäften sind wir vorsichtig!) im brotkorb ist immer brot ...in der küche stehen 2 kaffeemaschinen-die dose mit kaffee im küchenschrank (ausnahme..der bewohner W. hat "die hummeln"..ist in der manischen phase...da bringt der rest der "belegschaft" abends alles ins büro...weil sie keinen bock haben morgens um 7uhr das küchenchaos zu reinigen!)
Unsere bewohner haben alle einen eigenen schlüssel , der auf die haustüre und ihre zimmertüre passt..das personal hat einen generalschlüssel für das komplette haus(d oppelhaus) Die bewohnerzimmer werden nur zum gemeinsamen säubern -immer samstags-evtl. zum wecken -und in "notfällen" betreten....(he..einer unserer ladies hat IMMER!! die heizung auf "volle power"...rein -runter drehen-raus !)
Der dienst beginnt an werktagen um 6uhr...7uhr geht die erste aus dem haus....bei kranken bewohnern entscheide ich ....kenne "meine leutchen" seit jahren ......"faulfieber??" ...oder in echt..dann hausarzt ...
Wenn echt krank.hab ich die "A" karte und muß dienstzeiten verschieben..evtl. arztbesuch etc.
Ab 19-19.30 Uhr gibt es einen bereitschaftsdienst für 4wohngruppen....
Was ich an medikamenten ausgebe weiß ich SEHR genau..
NIX MIT SEDATIVA !!!
Nein..nicht gelogen!!
Habe eher noch seit monaten mit unserem Doc nen disput..weil ich meine eine unsere ladies könnt ein wenig mehr antidepressiva brauchen...würde vielleicht ihre lebensqualität verbessern
Einen teil meiner leutchen kenn ich seit über 30jahren......habe mit abstand ihren "werdegang verfolgt"..

Mein beruf ist nicht immer leicht...ich(und meine kollegINEN) müssen ganz oft über unsere pers. grenzen gehen.....die hilfe für uns wird immer weniger(supervision-reflextion-weil...kostet!!!)
und doch...ich möcht nix anderes machen


Das thema hat mich nicht losgelassen....darum...früh am morgen ..nach einer tollen hochzeitsfeier
__________________
Rieke
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