Menschenunwürdiges Behindertenheim? - Bericht über St. Josefs-Stift in Eisingen (Unterfranken)
Eisingen
Unter Verschluss
Emils Jahr im St. Josefs-Stift in EisingenKein Stuhl. Kein Tisch. Kein Bett. Nur eine Matratze. So lebte ein Jugendlicher in der Behinderteneinrichtung. Jetzt, im neuen Heim, ist alles anders.
Liebe Sara“, hat Emil* in Druckbuchstaben ans Nachbarsmädchen geschrieben, „wie geht es Dir? Ich wohne jetzt in Verl. Und mir geht es gut. Ich habe neue Freunde, Matthias und Martin gefunden. Wenn du mich auch noch liebst, dann schreib mir bitte.“
Der Brief hat das Mädchen nicht interessiert; ihr liegt nichts an der Zuneigung des geistig behinderten 17-Jährigen. Aber Emils Mutter hat den Brief behalten. Er bedeutet ihr viel. Denn er zeigt ihr, dass Emil in dem Behindertenheim Zirkel in Verl bei Gütersloh, wo er seit dem 19. Mai dieses Jahres wohnt, einen Bleistift bekommen hat und Papier. Einen Tisch, an dem er schreiben kann. Einen Stuhl.
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Emil ist nämlich nicht der einzige schwerstverhaltensgestörte Behinderte aus Unterfranken, der von Eisingen nach Gütersloh gekommen ist: In nur sieben Jahren ist er bereits der vierte, ähnlich gelagerte Fall, wie Horst Weiland, ehemals Vereinsmitglied in Eisingen und Vater eines ebenfalls extrem verhaltensauffälligen Sohnes bestätigt: „Vier junge Menschen. Allen vieren wurde in Eisingen mit Zwangsmaßnahmen begegnet, alle vier leben jetzt in Gütersloh ohne Zwangsmaßnahmen. In Würde.“ Über das Schicksal von Horst Weilands Sohn hatte die Main-Post vor sieben Jahren unter dem Titel „Endlich 'raus aus der Zwangsjacke“ berichtet. Weilands Dokumentation über den Fall seines Sohnes ist im Internet nachlesbar (Online-Tipp).
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