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SO NICHT !!! Hier können dumme Sprüche usw. öffentlich gerügt werden ...

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  #921  
Alt 15.10.2006, 21:47
seti seti ist offline
Nicht angemeldet
 
Registriert seit: 09.08.2006
Beiträge: 8
Standard

Hallo Unregistriert,

da kann ich Dir nur zustimmen, auch meine meinung.

ein wort hab ich da noch zum hochschieben.
hm?
es ist schön wenn das thema immer wieder nach oben geholt wird, aber:

zum einen kommt nichts neues, es schreibt keiner mehr.
seit dem 03. glaub ich.
immer wieder nach oben holen mit null information
haltet ihr das für sinnvoll?
was gibt es neues? wie ist der erfolg? hat sich etwas verändert?
wie geht es der mama und dem baby?
gerade ihr habt ja wie ihr sagt kontakt zu ihnen.
dann bitteschön auch ein paar worte schreiben, sonst bringt es wirklich nichts, hier noch hinein zu schauen.
meint ihr nicht auch?
an anderen stellen treten diskussionen auf, auch um alex.
schaut auf z.b. Taubenschlag.
leider versteckt sich alles hinter den datenschutz.
welch ein hohn.
komisch ist nur, auf anderen seiten schreiben betroffene, glaubt ihr wirklich das es schaden kann?
ich glaube eher, das es hilfreich sein kann, darüber zu schreiben.
aber gerade in diesem tread ist rein gar nichts.
nur etwas kopiertes am anfang und das war es auch schon.
was ist bloss los mit euch? warum besteht denn die seite netzwerk behindertes kind?
doch wohl um zu helfen oder?
es bringt doch wohl nichts, ein thema zu schreiben, alles diskutiert herum,
und keiner weiss genau um was es geht.
ich nehm nur mal die nicht vorhandene begründung des jugendamtes.
ein Anwalt bekommt akteneinsicht, immer und überall.
also her damit, öffentlich machen, das geht irgendwie.
der anfang mit der öffentlichkeit wurde im ersten beitrag gemacht,
da könnt ihr nun nicht sagen, das schweigen im walde.
und den tread nur immer wieder nach oben holen.
dann muss ich auch sagen, er ist nicht mehr aktuell und von not.
nun ich meine, mit schweigen ist noch keinem geholfen worden.

ein in gedanken versunkener

seti
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  #922  
Alt 16.10.2006, 03:32
Christel Christel ist offline
Forenfrechdachs
 
Registriert seit: 28.08.2006
Beiträge: 74
Standard

Hallo, lieber Seti,

ich kann das gut verstehen. Du machst Dir sicher wirklich Gedanken! Ich kenne die anderen Diskussionen nicht. Aber man muss akzeptieren, wenn für die Zeit bis zur endgültigen Entscheidung keine weiteren Informationen öffentlich gemacht werden!

Schließlich tragen diejenigen, die über diese Informationen verfügen auch die Verantwortung. Du beschwerst Dich über den Datenschutz, auf den sich die Macher hier berufen. Ich möchte Dir aber dazu sagen: Bevor ich mich hier als Nutzer registrieren ließ, habe ich mal geguckt, ob man als Gast an Privatinfos von Nutzern kommt. Hätte ich Benutzerinfos lesen können - ich hätte mich nicht registriert!!!

Ich genieße das, wenn sich Leute Gedanken um den Schutz der Privatsphäre machen!

Ich würde Leuten nicht vertrauen, wenn sie einfach - nur um Neues zu verbreiten - über vertrauliche Informationen einfach so verfügen und ungefragt veröffentlichen!

Du hast auch geschrieben, dass man hier die Namen von den Mitarbeitern usw. öffentlich machen soll. Weißt Du eigentlich, was Du da verlangst?

Wenn ich richtig liege, dann wäre das vermutlich ein Batzen Geld, der da auf das Netzwerk als Strafe zukäme. Zahlst Du das dann?

Und dann noch etwas: es ist ein Thema von über weit 2000 !!! Ein einziges. Es ist wichtig! Denn es geht um die Grundrechte von Menschen mit Behinderung. Aber es gibt viele Grundrechte von Menschen mit Behinderung, die zwischendurch bei einigen Fällen nicht gewahrt werden!

Ich vertraue darauf, dass man dann Informationen lesen kann, wenn es weder Mutter noch Kind noch Netzwerk schadet!

Grüssle

Christel
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  #923  
Alt 16.10.2006, 10:35
Joeleen Joeleen ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 16.08.2006
Beiträge: 3
Standard

Hallo,

so wie Christel ging es auch mir. Ich habe mich auch erst registriert, nachdem ich als Gast hier lange gelesen habe, unter anderem habe ich auch diesen Säuglingsentzug von Anfang an verfolgt.

Es ist vollkommen in Ordnung, dass hier nicht bis ins kleinste Detail Privatdaten öffentlich gemacht werden.

Von vielen Betroffenen wissen wir mitlerweile, wie auch hier nachzulesen, daß zu viel Öffentlichkeit schaden kann. Ich meine hier nicht gelesen zu haben, daß irgendeine betroffene Familie, die groß an die Medien ging, dadurch ihr Kind schneller zurückgeführt bekam.

Ich denke auch nicht, daß es besonders förderlich für Jasmin und die Familie wäre, hier Namen von Sachbearbeitern, Richtern usw. bekannt zu geben.
Ganz im Gegenteil.

Auch meine ich ruhig, wir können warten.
Das Team dieses Forums macht einen kompetenten Eindruck und wir sollten uns danach richten, was hier vorgegeben wird.

Mir macht es nichts aus, hin und wieder hier rein zu schauen, ob es etwas Neues gibt. Und wenn es halt länger nichts Neues gibt oder nichts Neues publiziert wird, hat dies sicher einen Grund.

Viele Grüße
Joeleen
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  #924  
Alt 16.10.2006, 13:13
Unregistriert
 
Beiträge: n/a
Standard

Eines ist klar:

Der Fall Kevin hat den Focus auf die JÄ im Moment stark aufgeblendet. Allerdings auch in die Richtung, ob JÄ evt. zu lasch vorgehen. (Im Fall Kevin sind jedoch offensichtlich Aufsichtspflichten sträflich übergangen worden. Hier müssten sogar auch für die Verantwortlichen Strafen drohen. Allein wenn man versucht nachzuempfinden, was in einem solchen Kind vorgehen kann, überfällt einem eine grausame Kälte).

Anscheinend wird nun aber endlich im zuständigen Ministerium über verschiedene Gesetzesüberarbeitungen nachgedacht. Richtiger Weise sollen die Kinderrechte auch besser im Grundgesetz verankert werden. Es wäre daher zu überlegen, gerade auch die Fälle des übertriebenen, auch Kinderrechte verachtenden Kinderentzuges, in geeigneter Weise anhängig zu machen. Es muss wesentlich mehr dafür getan werden, praktische und vernünftige Familienhilfe bzw. -unterstützung dort zu leisten, wo diese sehr wohl angebracht ist.

Vergleichende Fälle wie Alex u.a., müssen der Politik dargelegt und übermittelt werden!!!

Gruß

Geo
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  #925  
Alt 16.10.2006, 13:28
Benutzerbild von angelika
angelika angelika ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 08.02.2006
Ort: rotterdam und wien
Beiträge: 7.502
Standard

Zitat:
Zitat von Unregistriert
Eines ist klar:


Vergleichende Fälle wie Alex u.a., müssen der Politik dargelegt und übermittelt werden!!!

Gruß

Geo

wenn die politik nicht blind und taub ist, dann muessten sie schon laengst hellhoerig geworden sein.

gerade wurde in den nachrichten der dritte fall von kindesmisshandlung mit toedlicher folge gebracht.
eine mutter - von der man wusste, sie war alkoholikerin hat in ihrem suff ihre tochter ungebracht.
stellungsnahme der behoerden: die mutter wurde am 4.10. besucht, da war alles in ordnung..
da kann man nur mehr den kopf schuetteln...
__________________
Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,

als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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  #926  
Alt 16.10.2006, 13:48
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo,

die Politik kennt mit Sicherheit die Fälle.

Es gab offene Briefe, Mitteilungen, Anfragen von verschiedensten Seiten über die Ungerechtigkeiten und Anmaßungen, die sich manche Behörden/Sachbearbeiter erlauben.

Auf diese offenen Briefe pp kamen nichts als allgemein gehaltene Antworten, aus denen ersichtlich ist, daß die Politiker ihre untergeordneten Behörden schützen.

Eine Krähe kratzt der anderen kein Auge aus.

Dieses Sprichwort trifft hier zu.


LG
Nancy
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  #927  
Alt 16.10.2006, 14:26
Nancy
 
Beiträge: n/a
Standard

Hier noch zwei Beispiele, wie die Öffentlichkeit mit dem Thema "Kindesentzug" umgeht:

Mitte September wurden im TV 2 Fälle von Kindesentzug dokumentiert.

Ein Fall von ungerechtfertigtem Kindesentzug (uns durch Internetseiten auch bekannt), der in den Nachrichten auf einem privaten Sender ganze 3 Minuten abgehandelt wurde.

Ein weiterer Fall von meiner Meinung nach gerechtfertigtem Kindesentzug (hier übelste Vernachlässigung, weder Ernährung der Kinder noch Hygiene noch Aufsicht gewährleistet), der verfolgt und dokumentiert wurde bis vor den Gerichtssaal.

Da stellt sich mir berechtigerweise die Frage:

Was hat Priorität in der Öffentlichkeit?

Wichtig wäre es, Fälle von unberechtigtem Kindesentzug der Gesellschaft nahe zu tragen und ausführlich zu kommentieren, nicht aber eine Familie begleiten, bei der Hopfen und Malz verloren ist.

Die Reporter schlachten lieber Fälle aus, wo die Betroffenen sich benehmen wie die Axt im Walde als einer Familie zuzuhören, die sich ordentlich und anständig bemüht, ihre Kinder zu Recht wieder zu bekommen.

LG
Nancy
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  #928  
Alt 16.10.2006, 14:47
Unregistriert
 
Beiträge: n/a
Standard

Dass es auf der Behördenseite eine Wanderung auf einem sehr schmalen Grad gibt, ist sehr wohl ersichtlich. Gerade der angesprochene neue Fall des Vierjährigen offenbart die menschlichen Unzulänglichkeiten auf allen Seiten. Bei den Behörden, bei den Tätern, im Umfeld und den Zuständen. Lediglich die kindlichen Opfer sind davon frei, aber es hilft noch nicht einmal bedauern.

Man kann nicht davon ausgehen, dass bei einer Überprüfung am 4.10. durch das JA gravierende Fehler gemacht worden wären, ggf. und etwas anders gelagert, wäre ja evt. wieder zu weitgehend in die Familie eingegriffen worden. Insofern wäre es zu leicht gehandhabt, einfach zu sagen, allein die Behörde hat versagt. Jedoch braucht Politik ständig Aufforderung und Nachfragen!

Auf die Presse bedarf es kaum Bezug zu nehmen, auch hier gibt es den Unterschied zwischen Sensationen und berichteter Wahrheit, dies ist bekannt. Dies nicht zu wissen, wäre unbeachtete Lebenserfahrung. Aber auch hier muss man sich bei den Sendern immer wieder (auch mehrheitlich) bei den zuständigen Kontrollorganen beschweren bzw. darauf aufmerksam machen.

Ich habe mich hier im Landkreis über die Handhabe der JÄ kundig gemacht. Es kommt natürlich sehr auf die beschäftigten Behördenvertreter und Aufsichtpflichtigen an. Hier habe ich den Eindruck gewonnen, dass Kindeswegnahme wirklich nur das äußerste Mittel ist, da das entspr. Recht des Kindes auf Familienverbleib als sehr hoch eingeschätzt wird. Gut, vielleicht hat meine Region etwas mehr diesbezügliches 'Glück', aber das ist es, woran es hängt. Das darf kein Glück sein, sondern gebräuchliche Verantwortung. Daher müssen Betroffene bzw. mit denen Verbundene immer wieder vorstellig werden. Und wenn 10 Briefe oder Veröffentlichungen keine Veränderungen oder zumindest Nachdenken erreicht haben, so muss eben zwanzig mal geschrieben werden. Auch dass es Leute gibt, die sich bei Behörden nach deren Aufsichtabläufen kundig machen, bleibt dort bestimmt auch nicht unbeachtet. Zur Nachahmung empfohlen.

Gruß

Geo
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  #929  
Alt 16.10.2006, 23:48
Conny Conny ist offline
Forenhexe
 
Registriert seit: 07.02.2006
Ort: Wilhelmshaven
Beiträge: 2.501
Standard

wenn es um kindeswohl geht, ist es immer eine gratwanderung.

von dem hiesigen JA kann ich sagen, dass sich die meisten mitarbeiter mühe geben so gut und verantwortungsbewusst wie möglich damit umzugehen.

die frage welcher weg für ein kind der beste sein könnte ist immer schwierig. ebenso wie die frage nach der verantwortung!

hilfen für familien sind ein sehr kostenintensiver faktor und JA-mitarbeiter tragen auch die verantwortung für die finanzielle seite des ganzen. wohlbemerkt: es geht hier um steuergelder.

ich weiß, wie leicht man sich empört und bin es oft genug selber. ich weiß aber auch, wie wenig ehrliche bereitschaft es gibt, tatsächlich, wirkungsvoll und konkret zu helfen...

wer würde mehr steuern zahlen wollen?
wer würde geld spenden?
wer würde persönlich helfen und sich kümmern?
mit wieviel zeitaufwand?
wer wäre überhaupt bereit zu entscheiden, was in solchen fällen am besten geschieht?

die verantwortung fängt in der familie und ihrem näheren umfeld an und geht dann hoch bis zu den politikern. es sind immer viele daran beteiligt - wen soll man zur rechenschaft ziehen und wen zur kasse bitten?

keine frage - ich kann vielem, was hier geschrieben wurde nur zustimmen. ich habe aber beruflich mit solchen kindern und ihren familien zu tun. und es macht mich manchmal traurig zu sehen, wieviele menschen da sind, wenn es schon (fast) zu spät ist und wie wenige, wenn es noch an der zeit wäre...

wer geht schon hin und fragt ob er helfen kann, wenn er z.b. beim einkaufen eine überforderte mutter mit drei quengelnden kindern sieht...
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  #930  
Alt 22.10.2006, 14:56
Benutzerbild von franzja
franzja franzja ist offline
Forenfrechdachs
 
Registriert seit: 30.06.2006
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 39
Cool tätige Mithilfe

das ist es, was dieses Forum auszeichnet.

Die Deutsche Presse ist auch nicht dafür bekannt, das sie sich beherzt und investigativ ermittelnd, nach den wahren Gründen und Ursachen auf die Themen wirft.

Doch es gibt neben beherzten, schreibenden Menschen auch noch die "Welt", die jetzt tätig geworden ist, das kleine gallische Dorf oder kommen nun alle aus den Löchern?

"Nagelt" die Foren damit zu und legt Links auf diesen Subthread: http://www.forum.enbeka.de/22705-post930.html

Erziehung
Der Staat hat die Eltern entrechtet

Im ganzen Land werden plötzlich misshandelte und vernachlässigte Kinder entdeckt. Der Vorwurf, der Staat habe versagt, ist wahr: Er macht die Eltern zu Arbeitsmaschinen und verwaltet die lästigen Kinder am liebsten selbst. Das ist erstens falsch und zweitens funktioniert es nicht.
Von Konrad Adam
Die Nachricht von dem toten Kind in Bremen scheint eine Lawine ausgelöst zu haben. Seither werden landauf, landab in Kellern, Kühlschränken und Kinderzimmern vernachlässigte und misshandelte, geschlagene und verhungerte Kinder entdeckt. Und jedes Mal steht der Schuldige fest: der Staat, vertreten durch die Polizei, das Jugendamt, die verantwortliche Behörde oder die unverantwortliche Senatorin. Sie alle, heißt es dann regelmäßig, hätten versagt.
Natürlich hat der Staat versagt. Aber doch nicht erst seit gestern oder vorgestern, und auch nicht nur durch Unterlassen. Versagt hat er, als er, im Widerspruch zu der Verfassung, auf den Gedanken kam, den Eltern ihr natürliches Recht zu bestreiten und sie von der "zuvörderst ihnen" obliegenden Pflicht zu befreien, die Kinder, die sie in die Welt gesetzt haben, auch zu versorgen und zu erziehen.
Keine Rechte ohne Pflichten, der Wahlspruch von New Labor in England, gilt auch in umgekehrter Reihenfolge. Dann heißt er: Keine Pflichten ohne Rechte. Als sich der Staat dazu erbot, den Eltern das Erziehungsgeschäft abzunehmen, hat er gegen diese Regel verstoßen - doch das ist eine Vorstellung, die bei den Staatsfrommen, die auf der Linken und der Rechten in der Mehrheit sind, schlecht ankommt.
Sie wollen die Botschaft, die sie mit ihrem lauten Ruf nach Betreuung stillschweigend verbreiten, nicht wahrhaben. Die lautet: Kinder sind lästig! Wenn sie sich denn schon nicht vermeiden lassen, sollten sie von den Eltern so schnell wie möglich in einer Krippe abgeliefert, an eine Tagesstätte weitergereicht oder in einer Ganztagsschule geparkt werden. Auf keinen Fall sich selbst drum kümmern, denn das bedeutet den Verzicht auf "Karriere"! In dieser Frage ist der West-Staat, wie wir ihn seit der Vereinigung kennen, der legitime Nachfolger der Ost-Partei: Er hat immer Recht, weiß alles besser und muss die Bürger deshalb von der ärgsten Last, der Last der Freiheit, befreien.
Alle politischen Kräfte unter Einschluss der FDP sind sich darin einig, dass das Land, um zu überleben, in ein großes Arbeitshaus verwandelt werden muss. Wenn die Leute dazu genötigt sind, ganztags und außer Hause zu arbeiten, haben sie für das, was früher die Privatsphäre ausmachte, immer weniger Zeit; die überlassen sie dann zwangsläufig dem Staat. Die Staatsvertreter sehen das mit Freude, denn damit steigt ihre Aussicht auf Machtgewinn. Und weil die Macht die Währung ist, in der sie rechnen, betrachten sie die schleichende Enteignung als Geschäft.
Gewiss vermögen die Vielen, wie es bei Aristoteles heißt, mehr als jeder Einzelne allein. Aber doch nur so lange, wie der Staat sie lässt. Das tut er aber nicht. Der Staat, vertreten durch seine Ämter und Behörden, mischt sich ein, will mitgestalten und, wie die Floskel lautet, aktivieren: Als ob in einem Land, das den bei weitem größten Teil seines kollektiven Reichtums darauf verwendet, Renten zu bezahlen, Krankheiten zu kurieren, Arbeitslosigkeit zu verwalten und Pflege zu gewähren, die Rede vom "aktivierenden" Staat nicht ein Witz wäre, den nur noch bekennende Linke ernst nehmen. Tatsächlich aktiviert ein solcher Staat zu gar nichts mehr; er lähmt, entmutigt, tötet ab.
Eine eher kläglich als üppig bemessene Grundversorgung, bestehend aus sozialen Dienstleistungen, aus Fernsehunterhaltung und Energiezufuhr, sicherstellen und zumessen, das kann der Staat und soll er auch. Aber schon bei der Bildung ist er, wie nicht erst die Pisa-Studien bewiesen haben, drastisch überfordert, bei der Erziehung erst recht. Alles, was über ein sozialistisch kalkuliertes Mittelmaß hinausreicht, ist den Behörden unzugänglich und eben deshalb auch suspekt. Exzellenz ist eine Sache, die von der Staatsmacht beschädigt oder unterdrückt, aber nicht gezüchtet werden kann. Der Staat lebt auch hier von Voraussetzungen, die er nicht garantieren, geschweige denn schaffen kann.
Erziehung, sagt Fontane, sei Innensache, "Sache des Hauses, und vieles, ja das Beste kann man nur aus der Hand der Eltern empfangen". Doch Eltern kommen in den Programmschriften der Parteien, Gewerkschaften und Verbände nur noch ausnahmsweise vor; und wenn, dann bloß als Risikofaktoren, die so schnell wie möglich durch den Eingriff von oben an den Rand zu schieben oder zu ersetzen sind.
Das tote Kind aus Bremen hat gezeigt, dass, wie und mit was für Folgen Eltern versagen können. Dass, wie und mit was für Folgen der Staat versagt, hat der Fall aber auch gezeigt. Schließlich war es der Staat, der die Existenz von Kindern zum Merkmal einer neuen Unterschicht gemacht und Millionen von ihnen in die Armut getrieben hat. In Deutschland nennt man das sozial.
Artikel erschienen am 20.10.2006 http://www.welt.de/data/2006/10/20/1078094.html

Ich berichte weiter - auch wenn nicht so oft - immerhin entdecke ich gerade, wie man dieses Forum bedient. Ich hätte nicht gedacht, dass zu deisem Thema soviel geschrieben wird. Das finde ich jedoch gut - jetzt ist es an der Zeit die kleine Revolution einzuläuten von der ich geschrieben habe.<img>
__________________
liebe Grüsse franzja
----
Deutsche Politik: Es reicht nicht, keine Ideen zu haben, man muss auch unfähig sein, diese umzusetzen.


Geändert von franzja (22.10.2006 um 15:13 Uhr).
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