Caritas verzichtet auf Wohnheimbau
08.05.2007 - 10:32 Caritas verzichtet auf Wohnheimbau
Kassel/Villingen-Schwenningen (kobinet) Die Caritas im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen verzichtet Medienberichten zufolge auf den Bau eines neuen Wohnheimes für 24 Menschen, die das Down-Syndrom haben und in diesem Wohnheim mit nicht behinderten Menschen zusammenleben sollten. Dies hat folgenden Kommentar von Alexander Drewes ausgelöst. omp
Kommentar von Alexander Drewes
Wie der Südwestrundfunk am Sonntag berichtete, verzichtet die Caritas im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen auf den Bau eines neuen Wohnheimes für 24 Menschen, die das Down-Syndrom haben und in diesem Wohnheim mit nicht behinderten Menschen zusammenleben sollten. Die offizielle Begründung läuft darauf hinaus, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis, in dem Villlingen-Schwenningen liegt, keinen Bedarf für das Wohnprojekt sieht.
Weshalb ich - nun wirklich kein Fan von Wohnheimen - hier einmal einen "Nicht-Bau" äußerst kritisch sehe, liegt eher in den Umständen, weshalb das Haus nun nicht gabaut werden soll. Selten hat man - derart offen - in den letzten Jahren eine Aneinanderreihung von - zudem auch noch falschen - behindertenfeindlichen Behauptungen gelesen wie in diesem Fall. Da wird von einer Anwohnerin argumentiert, die zugleich bei einer Informationsveranstaltung als Expertin geladen worden ist (die Frau ist Psychotherapeutin), sie könne Übergriffe der künftigen Bewohner an Kindern in einem nahe gelegenen Kindergarten nicht ausschließen, schließlich handele es sich dabei um "oft distanzlose mongoloide und demente Menschen". Einmal abgesehen davon, dass schon der Begriff des Mongoloismus mittlerweile ohne Weiteres den Beleidigungstatbestand erfüllen dürfte, wird das Down-Syndrom auch noch mit Demenz "in einen Topf" geschmissen. Lernbehindert ist mithin neuerdings also wieder einfach nur blöd?
Das Ganze gewinnt noch dadurch ein besonderes "G´schmäckle", dass es sich bei dem betroffenen Wohngebiet um eine sog. "bessere Wohnlage" handelt, die ansässigen Eigentümer also schlicht und einfach Angst vor einem Wertverlust ihrer Grundstücke haben. Das offen zuzugeben fällt allerdings in Villingen-Schwenningen niemanden ein. Vielmehr wird - und zum Glück hat das bereits im Ort zu entsprechender Empörung geführt - eine erhöhte Gefährdung durch kriminelles Verhalten suggeriert. Dem Autor, der u.a. auch kriminologisch arbeitet, ist keine einzige wissenschaftliche Arbeit bekannt, die eine erhöhte Fallzahl von Kriminaldelikten, bei denen Menschen mit Down-Syndrom die Täter gestellt hätten, nachweisen würden. Vielmehr werden gerade Menschen mit Lernbeeinträchtigungen nachweisbar häufiger Opfer insbesondere der hier ja wohl in Rede stehenden seuxellen Gewalt.
Das Verhalten der Anwohner im Villingen-Schwenninger Stadtteil Hammerhalde ist ein Skandal und lässt leider das böse Vorurteil, dass der Baden-Württemberger immer vordergründig den Mammon im Auge habe, wieder einmal aufleben.
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