Allgemeines
Bei der Angelikawurzel (Angelicae radix) handelt es sich um die unterirdischen Teile der Pflanze Angelica archangelica, die aus Nordeuropa und -asien stammt. Mittlerweile ist sie auch an der Nord- und Ostseeküste verbreitet. In Deutschland ist sie auf feuchten Wiesen der Mittelgebirge und in Schluchten höherer Gebirge zu finden.
Angelika wird auch Echte Engelwurz oder Erzengelwurzel genannt und ist in Mitteleuropa erst seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Der Sage nach wurde sie den Menschen von einem Engel gezeigt (lat.
angelus = Engel) und galt im späten Mittelalter als Heilmittel gegen
Pest und bösen Zauber.
Die Angelikawurzel ist eine bis zu 2,5 Meter hohe Pflanze mit einem dicken, im oberen Bereich purpurrot gefärbten Stängel. Die Blüten sind grünlich-weiß in 20- bis 40-strahligen Doppeldolden halbkugelförmig angeordnet, die Blätter hellgrün und dreifach fiederschnittig. Die Pflanze kann mit dem Wasserschierling verwechselt werden. Kennzeichnend für Angelika sind der würzige Geruch und der süßliche Geschmack.
Neben der medizinischen Anwendung wird die Angelikawurzel zur Herstellung von Magenbittern und Kräuterlikören verwendet.
Wirkung und Inhaltsstoffe
In der Angelikawurzel sind Bitterstoffe, Gerbstoffe, Furanocumarine (Angelicin, Berghapten) und ätherische Öle enthalten.
Die Inhaltsstoffe führen zu einer vermehrten Bildung von Magensaft. Außerdem wirken sie galletreibend und krampflösend.
Anwendungsgebiete
Angelikawurzel kann bei
Appetitlosigkeit und leichten Magen-Darm-Krämpfen angewendet werden. Weitere Anwendungsgebiete sind
Völlegefühl,
Blähungen,
Magersucht und Beschwerden durch gestörte Magensäurebildung (dyspeptische Beschwerden).
Zusätzlich wird die Angelikawurzel bei
Rheuma,
Gicht sowie
Alkohol- und Nikotinvergiftungen begleitend eingesetzt.
Dosierung und Anwendung
Die Angelikawurzel wird innerlich als Tee, Fluidextrakt, Tinktur oder als ätherisches Öl angewendet. Die Tagesdosis sollte eine Gesamtmenge von 4,5 Gramm getrocknete Wurzel nicht übersteigen.
Teezubereitung: Ein halber Teelöffel fein geschnittene Angelikawurzel (1,5 Gramm) wird mit einer Tasse kaltem Wasser angesetzt, kurz aufgekocht oder mit siedendem Wasser übergossen und zehn Minuten ziehen gelassen. Jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten wird eine Tasse lauwarmer Angelikawurzel-Tee getrunken.
Angelikawurzel ist außerdem in vielen Kombinations- und Teepräparaten aus der Gruppe der Magen- und Darmmittel enthalten.
Hinweise
Bei
Magen- oder
Zwölffingerdarm-Geschwüren und in der
Schwangerschaft dürfen angelikawurzelhaltige Arzneimittel nicht angewendet werden.
Die in der Pflanze enthaltenen Furanocumarine können außerdem zu einer Lichtüberempfindlichkeit (Photosensibilisierung) der Haut führen. Während der Behandlung sollten deshalb lange Sonnenbäder und intensive
UV-Bestrahlung vermieden werden, da es zu Hautentzündungen kommen kann. Wird Angelikawurzel geerntet, sollten Handschuhe getragen werden.