Allgemeines
Bei der Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) handelt es sich um eine Pflanze, die im Volksmund als wilder Buchs, Moosbeere, Steinbeere oder Harnkraut bezeichnet wird. Sie ist in fast ganz Europa, in Sibirien, dem Altai und Himalaja und in Nordamerika zu finden.

Bärentraubenstrauch
Die Bärentraube aus der Familie der Heidekrautgewächse wächst als kleiner, kriechender, immergrüner Strauch. Die dickledrigen Blätter glänzen an der Oberseite dunkelgrün, die kleinen weißen Blüten wachsen in traubenartigen Blütenständen. Die Früchte der Bärentraube sind beerenartig und scharlachrot. Sehr leicht kann die Pflanze mit der
Preiselbeere verwechselt werden.
Medizinisch werden die getrockneten Blätter (Uvae ursi folium) oder Zubereitungen aus frischen Blättern verwendet. Da die Pflanze geschützt ist, darf sie nicht gesammelt werden. Stattdessen wird die Droge ausschließlich aus den Wildbeständen in Spanien und Italien importiert.
Wirkung und Inhaltsstoffe
Bärentraubenblätter enthalten die Substanz Arbutin, bei der es sich chemisch gesehen um einen Hydrochinon-Abkömmling handelt. Arbutin, beziehungsweise das aus der Substanz freigesetzte Hydrochinon, wirkt desinfizierend und im Harn antibakteriell. Hierfür muss der Harn jedoch einen alkalischen pH-Wert haben. Dies kann erreicht werden, indem reichlich pflanzliche Nahrung oder Natriumbikarbonat eingenommen wird. Natriumbikarbonat wird auch als Natriumhydrogencarbonat oder Natron bezeichnet.
Die in den Bärentraubenblättern enthaltenden Gerbstoffe wirken ebenfalls antibakteriell und bewirken zusätzlich eine Stabilisierung des Arbutins. Neben der Harn desinfizierenden Wirkung wird Bärentraubenblättern auch eine harntreibende Wirkung zugeschrieben, die aber nicht eindeutig nachgewiesen ist. Für die harntreibende Wirkung könnten die in den Blättern enthaltenen Flavonoide verantwortlich sein.
Anwendungsgebiete
Bärentraubenblätter können bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege eingesetzt werden. Die Anwendung sollte jedoch ohne ärztlichen Rat nicht länger als acht Tage und nicht häufiger als fünfmal jährlich erfolgen.
Dosierung und Anwendung
Bärentraubenblätter gibt es als fertig abgepackten Blasen- und Nierentee in Beutelform, der zusätzlich noch andere geeignete Pflanzenteile enthält. Hierbei kann es aber vorkommen, dass die Menge an Bärentraubenblättern relativ gering ist. Außerdem soll der fertig abgepackte Blasen- und Nierentee mit heißem Wasser aufgebrüht werden, welches sich für Bärentraubenblätter nicht empfiehlt. Insgesamt ist es vorteilhaft, die Bärentraubenblätter als lose Blattware zu verwenden, deren Qualität im Vergleich zu Teebeuteln in der Regel besser ist.
Teezubereitung: Ein Teelöffel (2,5 g) der fein zerschnittenen oder gepulverten Bärentraubenblätter werden mit einer Tasse kaltem Wasser übergossen und zwölf Stunden unter gelegentlichem Umrühren ziehen gelassen. Drei- bis viermal täglich sollte eine Tasse des angewärmten Bärentraubenblätter-Tees getrunken werden. In Kombination mit anderen Pflanzen ist auch ein normaler Tee-Aufguss, also unter Anwendung von Wärme bei nur etwa 10-20-minütigem Ziehen, möglich. Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass Bärentraubenblätter Gerbstoffe enthalten, die durch Wärmeeinwirkung in den Tee übergehen und den Magen reizen können. Außerdem kann der Geschmack der Tees durch die Gerbstoffe sehr bitter sein.
Neben einer Anwendung der Bärentraubenblätter als Tee besteht die Möglichkeit, Dragees oder Lösungen einzunehmen, die einen Auszug (Extrakt) aus den Blättern enthalten. Es sollte jedoch zusätzlich auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, die bei der Anwendung von Tees eher gewährleistet ist.
Die empfohlene Tageshöchstdosis beträgt zehn Gramm Bärentraubenblätter. Die Droge sollte kühl und lichtgeschützt aufgewahrt werden.
Hinweise
Bei der Anwendung von Bärentraubenblättern kann es in erster Linie zu Magenbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen kommen, die auf einer Reizung der Magenschleimhaut beruhen. Der Grund hierfür sind die in den Bärentraubenblättern enthaltenden Gerbstoffe, die aber durch die Herstellung eines Tee-Kaltansatzes minimiert werden. Langdauernder Einsatz kann Leberschäden verursachen. Bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen sollten Bärentraubenblätter nicht angewendet werden.
Bei der Verwendung von Dragees oder Lösungen, die einen Extrakt aus Bärentraubenblättern enthalten, werden als seltene Nebenwirkung Hautrötungen und Juckreiz angegeben. Arbutinhaltige Arzneimittel können den Harn grün bis blaugrün verfärben.
Bei
saurem Harn vermindert sich die antibakterielle Wirkung der Bärentraubenblätter. Nahrung, die den Harn ansäuert, ist beispielsweise Fleisch.
Hydrochinon steht in dem Verdacht, krebserregend zu sein. Daher wird empfohlen, Bärentraubenblätter nur zeitlich begrenzt anzuwenden (höchstens eine Woche bzw. fünfmal im Jahr). Aus diesem Grund sollten schwangere Frauen Bärentraubenblätter nicht anwenden. Da nicht hinreichend bekannt ist, ob und in welchen Mengen Hydrochinon in die Muttermilch übergeht, wird stillenden Müttern ebenfalls empfohlen, Bärentraubenblätter nicht anzuwenden. Das Gleiche gilt für Kinder unter zwölf Jahren.
Teilweise wird bei den Dragees und Lösungen, die einen Extrakt aus Bärentraubenblättern enthalten, als Gegenanzeige die Anwendung einer Behandlung mit Immunsuppressiva angegeben. Immunsuppressiva unterdrücken oder schwächen die körpereigenen Immunreaktionen und werden beispielsweise nach Transplantationen oder bei
Autoimmunerkrankungen eingesetzt.
Bei Blut im Harn, Fieber oder gleichzeitig auftretenden
Rückenschmerzen bzw. wenn durch die Einnahme der Bärentraubenblätter keine erhebliche Besserung der Beschwerden innerhalb von einigen Tagen auftritt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Quellen:
Kraft, K.: Phytotherapie