Allgemeines
Der Name Baldrian stammt vermutlich von seinem botanischen Namen Valeriana officinalis, welches sich von valere = gesund sein ableitet. Heimisch ist der Baldrian in Europa und Asien, aber auch im nordöstlichen Amerika wird er mittlerweile angebaut.

Baldrian
Die Baldrianstaude kann eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen, wobei der runde und hohe Stängel meist nur in der oberen Hälfte verzweigt ist. Die hellrosa bis weißen Blüten sind in rispigen Trugdolden angeordnet und besitzen einen angenehmen Duft. Erst beim Trocknen der Blüten entsteht der charakteristische Baldriangeruch.
Im Volksmund wurde der Baldrian auch Katzenkraut genannt, da er aufgrund seines Geruchs Katzen anlockt. Da Katzen eine exzellente Sehfähigkeit besitzen, wurde er früher auch als Augenheilmittel angepriesen. Im Mittelalter galt es als Mittel gegen
Pest und andere Seuchen. Eine weitere Bezeichnung, Hexenkraut, lässt sich vermutlich auf den Geruch des Baldrians zurückführen, der angeblich böse Geister und Hexen vertreiben sollte. Dieser typische Geruch soll der Sage nach auch dem Rattenfänger von Hameln geholfen haben, der einen Baldrianzweig an seinem Gürtel befestigt haben soll und so die Ratten anlockte.
Medizinisch werden die unterirdischen Teile der Baldrianstaude verwendet, also der Wurzelstock sowie die Baldrianwurzel (Valerianae radix) und deren Ausläufer.
Wirkung und Inhaltsstoffe
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Baldrians sind sein ätherisches Öl und die so genannten Valepotriate, die sich beim Trocknen der Pflanze chemisch umwandeln und für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Tinkturen und Tees enthalten meist nur noch Abbauprodukte der unstabilen Valepotriate mit ähnlichen Wirkeigenschaften. Außerdem enthält Baldrian Alkaloide, die erregend auf Katzen wirken sollen, Gerb- und Schleimstoffe, Stärke und Zucker.
Baldrian wirkt beruhigend, einschlaf- und durchschlaffördernd, krampflösend und muskelentspannend. Außerdem hat er psychisch einen leicht anregenden Effekt. Durch diese Wirkungen vermag er, innere Unruhe, Angst und Spannung zu beeinflussen und einen Zustand der Ausgeglichenheit hervorzurufen.
Valepotriate weisen eine hohe Reaktionsfähigkeit auf und gelten daher als potenziell krebserzeugend (kanzerogen). In wässrigen oder wässrig-alkoholischen Auszügen sind diese Verbindungen jedoch in solch geringer Konzentration enthalten, dass eine Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Valepotriatreiche Baldrianextrakte werden in Deutschland nicht mehr vertrieben.
Anwendungsgebiete
Baldrian wird bei Unruhe-,
Angst- und Spannungszuständen angewendet, außerdem bei nervös bedingten Schlafstörungen. Auch bei Leistungs- und Konzentrationsschwäche ist Baldrian wirksam. Unterstützend (adjuvant) kann Baldrian bei Magenschleimhautentzündung (
Gastritis),
Reizmagen, Reizblase und Magenkrämpfen eingesetzt werden.
In Form von Badezusätzen kann Baldrian die Therapie einer Schilddrüsen-Überfunktion (
Hyperthyreose) unterstützen.
Dosierung und Anwendung
Baldrian kann innerlich in Form von Tees, Tropfen, Dragees und Kapseln oder äußerlich als Bad angewendet werden. Bei nervösen Einschlafstörungen und allgemeiner Nervosität sind Tinkturen und Tees, die einen geringen Gehalt an Valepotriaten haben, zu empfehlen. Bei psychischer und motorischer Unruhe vor allem am Tag sind Präparate mit fest eingestelltem Valepotriat-Gehalt geeignet. Ebenso wirkt Baldrian als Beruhigungsmittel bei Prüfungen und anderen Stresssituationen. Die Tagesdosis sollte 15 g Baldrian nicht übersteigen.
Baldrian kann auch mit anderen beruhigend wirkenden Heilpflanzen wie Hopfen,
Melisse und
Passionsblume kombiniert werden. Wichtig ist, dass die Schlafförderung allmählich eintritt und erst nach fünf bis 14 Tagen zum Tragen kommt.
Teezubereitung: Einen Teelöffel (2-3 g) Baldrianwurzel mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und 10–15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Ein- bis dreimal täglich trinken, besonders vor dem Schlafengehen.
Von der Baldriantinktur sollten je nach individueller Dosierempfehlung ein- bis mehrmals täglich ein bis drei Milliliter eingenommen werden. Tee und Tinktur enthalten keine Valepotriate, da diese instabil sind, jedoch ähnlich wirkende Abbauprodukte. Vom Baldrianextrakt sind bei Einschlafstörungen 400 bis 900 mg eine halbe bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen empfehlenswert, bei Unruhezuständen 300 bis 450 mg über den Tag verteilt.
Für die äußere Anwendung stellt man zunächst einen Aufguss von 100 g Baldrianwurzel in zwei Liter heißem Wasser her, der nach zehn Minuten abgeseiht und dem Badewasser zugesetzt wird. Die Badetemperatur sollte 34–37° Celsius und die Badedauer zehn bis 20 Minuten betragen.
Hinweise
Selten kommt es bei der Einnahme von Baldrian zu Magen-Darm-Störungen und äußerst selten zu
Kontaktallergien. Bei längerer Anwendung kann es gelegentlich zu Kopfschmerzen, Unruhezuständen,
Schlaflosigkeit, Pupillenerweiterung und Störungen der Herztätigkeit kommen. Baldrianpräparate mit höherem Valepotriat-Gehalt sollten bei Kindern sowie in der
Schwangerschaft und in der
Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Baldrian und anderen Beruhigungs- oder Schlafmitteln kann deren Wirkung verstärkt oder verlängert werden. Dies ist vor allem im Zusammenhang mit Alkohol möglich. Vor geplanten Operationen sollte Baldrian abgesetzt werden, da es mit den Narkosemitteln interagieren kann. Vollbäder mit Baldrian sollten nicht bei größeren Hautverletzungen, unklaren Hauterkrankungen, fieberhaften Erkrankungen,
Herzinsuffizienz und
Bluthochdruck durchgeführt werden.
In den ersten Stunden nach Einnahme von Baldrian kann die Reaktionsfähigkeit herabgesetzt werden. Nach einer lang andauernden, hoch dosierten Einnahme sollten die Baldrianpräparate nicht abrupt abgesetzt, sondern die Dosis allmählich verringert werden.
Bei akuten Beschwerden, die trotz Behandlung länger als eine Woche dauern oder periodisch wiederkehren, ist eine Rücksprache mit dem Arzt empfehlenswert.
Quellen:
Augustin, M., Schmiedel