Brennnessel
Von der Brennnessel, die fast weltweit verbreitet ist, sind zwei Arten bekannt: Die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens).
Die Große Brennnessel kann bis zu 1,5 m groß werden und besitzt nur männliche oder weibliche Blüten, die Kleine Brennnessel wird nur 15 bis 45 cm hoch und besitzt sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Die gelblich-grünen Blüten sind in langen Rispen angeordnet. Die Früchte der Pflanze sind kleine, eiförmige Nüsschen, die meist von Kelchblättern umgeben sind.
Die Stängel und Blätter der Brennnessel sind mit verkieselten Brennhaaren besetzt, deren Spitzen bei Berührung winzige Wunden in die Haut bohren, in die sich dann das Nesselgift (u.a. Ameisensäure, Amine) ergießt. Schon ein zehnmillionstel Gramm des Gifts reicht aus, um das gefürchtete Brennen und Jucken hervorzurufen. Junge Blätter besitzen noch keine Brennhaare, sodass sie als Salat verzehrt werden können.
Die Brennnessel wuchs schon immer in der Nähe menschlicher Siedlungen und kann daher auf eine lange Geschichte und breite Anwendung in der Volksmedizin zurückblicken. Sie wurde bereits 63 n. Chr. zur Behandlung rheumatischer Beschwerden eingesetzt. Sogar das Peitschen der nackten Haut mit der Brennnessel wurde dabei empfohlen. Auch bei Gicht, Leber- und Gallenerkrankungen wurde ihre Heilkraft gerühmt. Die Blätter verwendete man äußerlich zur Wundheilung und auch bei Venenentzündungen. Aus der Wurzel wurden Auszüge bereitet, denen nachgesagt wurde, dass sie den Haarausfall des Manns verlangsamen.
Heute finden vor allem die Blätter und die Wurzel der Großen Brennnessel medizinische Verwendung. In der Landwirtschaft wird sie dem Viehfutter zugesetzt und die aus den Stängeln gewonnene Faser dient als Baumwollersatz.
Wirkung und Inhaltsstoffe
Die oberirdischen Teile der Brennnessel enthalten Mineralsalze wie Kalium und Kalzium, Kiesel-, Ameisen- und Essigsäure, biogene Amine wie Histamin und Serotonin, Flavonoide, Karotinoide und Vitamin E.
Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe fördert beispielsweise die Ausscheidung von Harnsäure, erhöht den Harnfluss, schwemmt Ödeme aus und hebt die allgemeine Widerstandskraft.
Außerdem wird auf bestimmte Wirkstoffe eine entzündungshemmende und abschwellende Wirkung zurückgeführt, die z.B. bei rheumatischen Erkrankungen oder auch bei Prostatabeschwerden zum Tragen kommen.
Anwendungsgebiete
Die Brennnessel wird bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung gegen Nieren- und Blasensteine als Durchspülungstherapie eingesetzt. Außerdem dient sie bei rheumatischen Beschwerden und entzündlichen Gelenkerkrankungen als Begleittherapie gegen Schmerzen.
Eine Kombination aus Extrakten der Sägepalme und der Brennnessel kann insbesondere bei typischen Prostatabeschwerden Linderung erzielen. Durch Reduktion der krankhaften Annsammlung von Flüssigkeit im Bindegewebe des Beckenbodens kann die Harnmenge beim Wasserlassen erhöht und die Restharnmenge in der Blase reduziert werden.
In der Kosmetik wird die Brennnessel außerdem zur Pflege der Kopfhaut bei fettigem Haar und Schuppen verwendet.
Dosierung und Anwendung
Brennnesseln werden üblicherweise als Tee, Tabletten oder Frischpflanzensaft angewendet. Dabei sollte die Tagesdosis nicht 8 bis 12 g übersteigen. Während der Behandlung sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
Teezubereitung: 3 Teelöffel (ca. 4 g) Brennnessel werden mit einer Tasse kaltem Wasser übergossen, kurz aufgekocht und 10 min ziehen gelassen. Täglich sollte man 2 - 3 Tassen trinken.
Für eine äußere Anwendung als Einreibung empfiehlt sich eine Spiritustinktur in der Verdünnung 1:10. Außerdem ist Brennnessel in Haarwässern enthalten.
Hinweise
Die Brennnessel kann bei empfindlichen Personen zu Überempfindlichkeitsreaktionen und Magenbeschwerden führen.
Während der Behandlung mit Brennnessel sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (keine koffeinhaltigen und alkoholischen Getränke) geachtet werden. Bei eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit sollte eine Durchspülungstherapie nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden.
Bei Ödemen, die aufgrund von Herz- oder Nierenerkrankungen entstanden sind, sollte Brennnessel nicht angewendet werden. Auch vor der in der Volksmedizin empfohlenen Anwendung als "Diabetikertee" muss gewarnt werden, da die Brennnessel eine Zuckerkrankheit in keiner Weise günstig beeinflussen kann.
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