Allgemeines
Fenchel ist in zwei Unterarten verbreitet: der scharf schmeckende Esels- oder Pfefferfenchel (Foeniculum piperitum) und der Gartenfenchel (Foeniculum vulgare).

Fenchel
In Europa war er ursprünglich nur im Mittelmeergebiet beheimatet. Mittlerweile findet man ihn in ganz Europa, Asien sowie in Teilen Südamerikas.
Beim Fenchel handelt es sich um eine ein- bis mehrjährige, bis zu über zwei Meter hohe Pflanze mit fleischig verdicktem Stängel, der im oberen Bereich verästelt ist. Die kleinen, gelben Blüten sitzen in großen Dolden. Der Gemüsefenchel ist meist einjährig und wird nur bis zu 50 cm hoch. Unterirdisch bildet sich die Fenchelknolle.
Der Fenchel ist eine uralte Gewürz- und Heilpflanze. Schon im 9. Jahrhundert pflanzten Benediktinermönche die Pflanze nördlich der Alpen in ihren Klostergärten an. Auch die alten Kulturen Arabiens und Chinas kannten den Fenchel. Dort wurde er bei Lungen-, Blasen und Nierenleiden angewandt. Sogar beim Biss "toller Hunde" sollte er helfen. Seit jeher hat Fenchel in der Volksmedizin eine bedeutende Stellung eingenommen. Wegen seines angenehmen Geschmacks hat er sich besonders in der Kinderheilkunde bewährt.
Medizinisch werden die reifen Früchte und die Rinde des Bitterfenchels sowie das daraus gewonnene ätherische Öl verwendet.
Wirkung und Inhaltsstoffe
Medizinisch wirksame Hauptbestandteile des Fenchels sind die ätherischen Öle, welche bis zu 70 Prozent aus Anethol und anteilig aus Fenchon bestehen. Anethol ist für den süßlichen, anisartigen Geschmack des Fenchels verantwortlich. Es fördert die Beweglichkeit der glatten Muskulatur im Verdauungstrakt und wirkt so krampflösend, appetitanregend und verdauungsfördernd. Außerdem beschleunigt es an der Bronchialschleimhaut die Schlagfrequenz der Flimmerepithelien, löst so den Schleim und fördert den Auswurf.
Das ebenfalls im Öl enthaltene Fenchon, welches für den bitteren Geschmack verantwortlich ist, wirkt wachstumshemmend auf
Bakterien und
Pilze. Neben den ätherischen Ölen sind Flavonoide, fettes Öl und
Antioxidanzien im Fenchel enthalten. Bei
stillenden Müttern wirkt Fenchel milchtreibend, d.h. es steigert die Milchabsonderung.
Der Gehalt des ebenfalls im Fenchel enthaltenen Estragols darf höchstens fünf Prozent betragen, da eine krebserregende Wirkung der Substanz nicht ausgeschlossen werden kann.
Anwendungsgebiete
Fenchel wird bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, leichten krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich und besonders bei Blähungen angewendet. Auch bei
Atemwegserkrankungen, Husten und
Erkältungsbeschwerden im Mund-, Nasen- und Rachenraum (Katarrhe der oberen Luftwege) wird Fenchel eingesetzt. Bei Sängern ist Fenchelhonig ein Geheimtipp gegen Heiserkeit.
Als Tee oder als Fenchelhonig findet er wegen des angenehmen Geschmacks besonders in der Kinderheilkunde Anwendung. Fenchelfrüchte sind auch Bestandteil von Milchbildungstees, welche die Milchbildung
stillender Mütter fördern sollen.
Dosierung und Anwendung
Fenchel ist häufig in Mitteln gegen Husten sowie in Magen- und Darmmitteln enthalten. Auch gibt es viele Husten- und Halsbonbons mit Fenchel. Da sich die wirksamen ätherischen Öle in Teemischungen oder Filterbeuteln schnell verflüchtigen, sollten entweder die Früchte erst kurz vor der Zubereitung zerstoßen oder auf lösliche Instanttees zurückgegriffen werden, denen das Öl in Mikrokapseln zugesetzt wurde.
Teezubereitung: 1–2 Teelöffel (2–5 g) der zerquetschten oder angestoßenen Fenchelfrüchte werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und 10–15 min ziehen gelassen. Mehrmals täglich sollte eine warme Tasse zwischen den Mahlzeiten getrunken werden. Bei Säuglingen oder Kleinkindern kann der Tee auch zum Verdünnen von Milch oder Brei gegeben werden.
Bei der Verwendung von Fenchelöl sollten zwei bis fünf Tropfen nach jeder Mahlzeit eingenommen werden, wobei die Einnahme nicht länger als zwei Wochen andauern sollte. Bei Fenchelhonig oder -sirup liegt die empfohlene Tageshöchstdosis bei 10–20 g.
Fenchel sollte kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Hinweise
In seltenen Fällen können bei einer Überempfindlichkeit gegen Fenchel bei der Einnahme
allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege auftreten. Auch Personen, bei denen eine Sellerie-Allergie bekannt ist, können auf Fenchel allergisch reagieren.
Reines Fenchelöl sollte nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern verwendet werden, da akute Atemnot oder Erregungszustände hervorgerufen werden können. Die Anwendung von Präparaten mit niedrigem Gehalt an ätherischen Ölen wie Tee oder Fenchelhonig ist unbedenklich. Außerdem sollten Fenchelzubereitungen für Schwangere und Säuglinge nicht mehr als 5–7 g ätherische Öle enthalten.
Bei akuten Beschwerden, die trotz Behandlung länger als eine Woche dauern oder immer wiederkehren, sollte ein Arzt aufgesucht werden.