Asthma: Lehrer-Wissen ,ungenügend'
Die Mehrzahl der Pädagogen ist über Asthmatiker in der Klasse nicht informiert. Im Notfall könnten ohnehin nur die wenigsten kompetent helfen.
Laut Expertenmeinung muss jeder Lehrer je Unterrichtsstunde mit etwa drei bis fünf Asthma-betroffenen Kindern oder Jugendlichen rechnen. Foto: Bilderbox
05.04.07 - Kinderärzte sind gut beraten, bei Eltern Asthma-kranker Kinder das Thema Schule anzusprechen. Insbesondere sollten sie ihnen nahelegen, die Lehrer über das Leiden ihres Kindes zu informieren - und darüber, was im Ernstfall zu tun ist. Denn viele Lehrkräfte wissen erstaunlich wenig über die relativ häufige Erkrankung.
Experten beziffern die Asthma-Prävalenz unter Schulkindern mit rund zehn Prozent. "Aufgrund epidemiologischer Daten muss jeder Lehrer prinzipiell mit etwa drei bis fünf von
Asthma betroffenen Kindern oder Jugendlichen je Unterrichtsstunde rechnen", sagt Dr. med. Rüdiger Szczepanski vom Kinderhospital Osnabrück. Das Problem dabei: "Die meisten Lehrer wissen überhaupt nicht, in welchem Umfang Kinder und Jugendliche mit
Asthma bronchiale in den Klassen vertreten sind", weiß der Vorsitzende des Arbeitskreises "Asthma-Schulung im Kindes- und Jugendalter".
Szczepanski verweist auf diverse Studien aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum. Sie zeigen, dass der Wissensstand über Asthma bronchiale sowie Interventionsmöglichkeiten ungenügend ist, die Lehrer sich mit der Situation überfordert fühlen und ein hohes Fortbildungsbedürfnis besteht. Zwar dürfte das Wissensdefizit in Deutschland inzwischen nicht mehr ganz so groß sein wie im London des Jahres 1990. Damals gaben dort noch 39 Prozent der in 98 Grundschulen befragten Lehrer an, das Mitführen eines Asthma-Sprays im Unterricht zu verbieten. Doch auch heute wissen nur wenige Pädagogen, was bei einem akuten Asthma-Anfall zu tun ist.
Ausgesprochen kritisch sei die Situation im Bereich der körperlichen Betätigung in der Schule. "Auch hier zeigen bereits frühere Untersuchungen, dass die Situation in den Schulen für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale hochgradig problematisch ist, sie im Sportunterricht benachteiligt sind und gerade im Bereich körperlicher Aktivitäten eine gezielte Unterstützung in der Schule durch Sportlehrer benötigen", berichtet Szczepanski.
Eine Asthma-Schulung haben nur vier Prozent der Sportlehrer absolviert
Doch laut einer Umfrage des Experten unter 5 500 Sportlehrern der Sekundarstufe 1 und 2 sehen sich zwei Drittel nicht in der Lage, Schülern bei Asthma-Anfall kompetent zu helfen. Lediglich vier Prozent gaben an, an einer Asthma-Schulung oder an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen zu haben, in dem auch die Asthma-Akutversorgung Thema war. Die überwiegende Mehrheit der Befragten möchte eigenen Angaben zufolge in Fortbildungsveranstaltungen gezielt mit der Problematik konfrontiert werden, um in einer Notfall-Situation richtig handeln zu können.
Unterstützt werden Szczepanskis Ausführungen durch eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2006 zum Thema "Asthma und Sport". 300 Sportlehrer wurden telefonisch darüber befragt, wie gut sie sich über das Thema Asthma informiert fühlen. Gerade mal acht Prozent antworteten mit sehr gut, 27 Prozent mit gut. 65 Prozent dagegen sagten weniger gut beziehungsweise überhaupt nicht. Mehrheitlich gaben die Sportlehrer außerdem an, dass die Häufigkeit der Erkrankung bei Schülern mit Sicherheit unterschätzt werde. Immerhin wussten 90 Prozent der Befragten, dass es bei Asthmatikern sinnvoll ist, bei beginnenden Beschwerden im Sportunterricht die Belastung zu unterbrechen. 77 Prozent war klar, dass mit regelmäßigen Belastungspausen einem Anstrengungs-Asthma vorgebeugt werden kann. Und 67 Prozent kannten den gleichen Nutzen eines Intervall-Aufwärmtrainings.
Dieses Wissen nützt aber wenig, wenn der Lehrer die Asthmatiker in seiner Klasse gar nicht kennt. Denn nur 36 Prozent aller Befragten glaubten, schon mal einen Schüler mit Asthma in ihrem Sportunterricht gehabt zu haben - was angesichts der Prävalenz dieser Erkrankung nicht stimmen kann. Isabel Clages