Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Benutzerliste
Kalender
Hilfe
Heutige Beiträge
Forum von Netzwerk behindertes Kind.de
Nützliche Links
Therapien zur Förderung der Motorik u. ä. z. B.: Krankengymnastik

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht

  #1  
Alt 21.04.2007, 15:13
vienetta vienetta ist offline
Gast
 
Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard Bobath-Konzept oder Vojta-Therapie?

Welche Krankengymnastik für Säuglinge mit zerebralen Bewegungsstörungen eingesetzt wird, entscheidet oft nur die Qualifikation des Therapeuten.



06.06.06 - Fritz ist vier Monate alt. Bei der U4 fällt seinem Kinderarzt erstmalig auf, dass sich der Säugling weder in Rücken- noch in Bauchlage altersgerecht verhält. Der Arzt denkt an eine zentrale Bewegungsstörung. Was ist zu tun?

Ein Thema, mit dem sich offenbar viele Kollegen in der Praxis konfrontiert sehen. Der Workshop "Bobath & Vojta - Physiotherapie für Säuglinge und Kleinkinder" im Rahmen der Fachtagung "Pädiatrie zum Anfassen" im Ostsee-nahen Bad Doberan jedenfalls war schon Wochen vorher ausgebucht. Veranstalter: Der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte Deutschland e.V., LV Mecklenburg-Vorpommern.

Bei zentralen Bewegungsstörungen, die alle Störungen von Körperhaltung- und bewegung einschließlich der Infantilen Cerebralparesen (ICP) umfassen, ist eine Physiotherapie schon im Säuglingsalter angezeigt. Entsprechend dem Heilmittelkatalog aus dem Jahr 2004 zählen hier die Therapiekonzepte nach Bobath und Vojta als anerkannte und erstattungsfähige Therapieverfahren, Titel: KG ZNS Kinder.

"Koordinationskomplexe" sind bei Vojta entscheidend

Das heute modifizierte Bobath-Konzept entwickelte die Physiotherapeutin Berta Bobath in den 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dabei sollen als Haltungsbasis für eine differenzierte willkürliche Motorik bestimmte Schlüsselpunkte wie Kopf, Schulter oder Becken für pathologische Haltungs- und Bewegungsmuster gehemmt und zeitgleich physiologische Stell-, Stütz- und Gleichgewichtsreaktionen gebahnt werden.
Die Vojta-Therapie, benannt nach dem tschechischen Arzt Dr. Vàclav Vojta, stützt sich dagegen auf "Koordinationskomplexe", die zum Beherrschen von Körperlage, Aufrichtungsmechanismen und phasischer Beweglichkeit notwendig sind. Durch provokanten Druck auf so genannte Auslösezonen sollen diese Komplexe spontan ausgelöst, pathologische Bewegungsstereotypen durchbrochen und so eine physiologische Entwicklung erleichtert werden.

Nach Angaben der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin konnten beide Therapiekonzepte in Evaluationsstudien bisher allerdings nicht ihre Wirksamkeit belegen (Karch et al. 2002). "Heute wird zunehmend angenommen, dass eine ausschließlich auf neurophysiologischen Grundlagen ausgerichtete Krankengymnastik in den ersten Lebensjahren bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen nicht ausreicht", lautet die Position der beiden Fachgesellschaften unisono. Verordnet der Arzt KG ZNS Kinder, schließt er beide Therapieverfahren ein. Mit der Wahl des Krankengymnasten allerdings steht oder fällt eine Behandlung nach Bobath oder Vojta, denn nur wenige verfügen über beide Qualifikationen, und nicht für jedes Kind ist beides therapeutisch sinnvoll.

Ist binnen sechs Anwendungen keine Besserung zu sehen, sollte man über einen Therapiewechsel nachdenken

Bobath-Konzept und Vojta-Therapie divergieren deutlich in ihrer therapeutischen Herangehensweise. Nach Vojta zu agieren heißt, konsequent - auch gegen den Willen des Kindes - zu behandeln. Bobath dagegen motiviert das Kind spielerisch.
Motorisch träge Kinder mit mittel bis schweren zentralen Koordinationsstörungen, mit Hüftdysplasien, Plexusparesen und Haltungsasymmetrien sind laut Elke Wegener prädisponiert für eine Vojta-Therapie. Bobath dagegen greife eher bei Störungen von Sensorik, Taktilität, Gleichgewicht und Körpergefühl, so referierte die Krankengymnastin in Bad Doberan.

Beide Therapien gelten als kontraindiziert nach Operationen der Wirbelsäule, bei Vitalstörungen oder mangelnder Belastbarkeit. Nach ärztlicher Manualtherapie ist eine 14-tägige Karenz einzuhalten. "Ist binnen sechs Anwendungen keine Besserung der Ausgangslage zu sehen", rät Wegener, "sollte man über einen Therapiewechsel nachdenken."

KG ZNS Kinder kann bis zu fünfmal mit je zehn Anwendungen verordnet werden, darüber hinaus bedarf es einer plausiblen Begründung für den Kostenträger. Verfügt der Arzt über Zusatzbezeichnungen wie beispielsweise Chirotherapie, kann er im Rahmen der funktionellen Entwicklungstherapie auch selbst Bobath- oder Vojta-Anwendungen abrechnen (Einzeltherapie nach Gebührenordnungsposition Nr. 04 361, Gruppentherapie nach Nr. 04 360).Wichtig bleibt eine frühe Intervention. Allerdings werden minimale zerebrale Dysfunktionen häufig erst im Schulalter erkannt. Motorisch retardierte Säuglinge erhalten deshalb oft vorsorglich Physiotherapie nach Bobath oder Vojta.
Mit Zitat antworten
Antwort


Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten Letzter Beitrag
ADHS Mary Formen der Behinderungen 27 14.05.2007 06:37
Lernstörungen vienetta Formen der Behinderungen 14 17.02.2007 08:55
Manuelle Therapie Caro Therapien zur Förderung der Motorik u. ä. 11 13.02.2007 15:10
Kindheit und Therapie -Gratwanderung zwischen Förderung und Überforderung vienetta Unsortiertes (Therapieformen) 1 22.01.2007 14:07


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 16:48 Uhr.
Powered by vBulletin Version 3.5.4 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2012, Jelsoft Enterprises Ltd.
Content Relevant URLs by vBSEO 2.4.0
Copyright 2005 - 2011 Netzwerk behindertes Kind.de ***** Sämtliche Inhalte dieses Forums erheben keinen journalistisch-redaktionellen Anspruch.