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  #1  
Alt 04.06.2005, 15:36
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard Spätabtreibungen

Hallo,

ein ernstes Thema. Ich hoffe, die "richtigen" Worte zu treffen ...

Ich weiß, daß Schwangere einem hohen Druck ausgesetzt sind, wenn es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt. So kenne ich einen Fall aus unserer entfernteren Familie, wo die werdenden Eltern zuerst niemandem von der Schwangerschaft erzählten.

Der Grund: in der Familie des Mannes gibt es eine Erbkrankheit. Es wurden zig Tests gemacht und es scheint, das Ungeborene wird gesund zur Welt kommen.

Was hätten diese beiden getan, wenn die Erbkrankheit, also der Gen-Defekt eindeutig diagnostiziert worden wäre? Ich hätte eine solche Entscheidung nicht fällen wollen ... die Gesellschaft (vor allem häufig die Menschen in unmittelbarer Umgebung) "verlangt" offen oder verdeckt meist nach der Tötung des Ungeborenen.

Ich blicke zurück ... zu der Zeit, als ich mit unserer Tochter schwanger war ... alles schien in Ordnung zu sein ... und trotzdem kam sie herzkrank zur Welt und ist behindert. Wie hätte ich mich verhalten? Ich bin ehrlich: ich weiß es nicht. Ich hätte mir selbst diese Aufgabe vermutlich nicht zugetraut. Hätte gedacht: das schaffst du nicht ... ich bin froh, daß mir eine solche Entscheidung bei meiner ersten Schwangerschaft nicht abverlangt wurde.

Ich möchte denen, die in dieser Situation sind folgendes auf den Weg geben:

Man wächst mit den Aufgaben. Das Leben ist anders als mit einem nicht behinderten Kind. Manches ist schwerer. Vieles ist intensiver. Kein Wort, keine Fähigkeit ist "gewöhnlich". Unsere Tochter ist ein wahrer Sonnenschein, der ihren Mitmenschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Sie ist glücklich und ich bin stolz auf sie. Besser: Ich bin stolz, ihre Mama sein zu dürfen!

Lassen Sie sich von der Gesellschaft nicht hineinreden. Es geht hier um Wichtigeres als Ansehen oder die fehlende wirtschaftliche Leistungskraft (bzw. Kostenfaktor) des Ungeborenen: es geht um Sie und Ihr ungeborenes Kind.

Niemand hat das Recht, Ihre getroffene Entscheidung - egal wie diese aussieht - zu kritisieren.


LG

Mary
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  #2  
Alt 04.06.2005, 15:47
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard Das "Oldenburger Baby"

Hallo,

da sich viele eine Spätabtreibung bei Feststellung eines Gen-Defekts "leicht" vorstellen, stelle ich hier einmal die Homepage von Tim vor.

Tim ist ein kleiner Kämpfer. Das war er schon, als er 1997 in der 25. Schwangerschaftswoche seine eigene Abtreibung überlebte. Die Ärzte liessen ihn 10 Stunden allein ... erst dann wurde ihm geholfen. Er wurde damals in der Presse als das "Oldenburger Baby" bekannt.

Tim ist kein Einzelfall. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie auf der genannten Website.

Sorry, ich finde im Moment keine Worte ...

Mary
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  #3  
Alt 06.06.2005, 18:21
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard Fernsehsendung über Tim im WDR am 15.6.2005

22:30 Menschen hautnah:
Er sollte sterben - doch Tim lebt
Eine Abtreibung und ihre Folgen
Ein Film von Gisela und Udo Kilimann
(Erstsendedatum ARD/WDR 16.03.2005)

Tim hatte eigentlich keine Chance. Als seine Mutter im sechsten Monat
mit ihm schwanger ist, diagnostizieren die Ärzte das Down-Syndrom. Die
Mutter will das behinderte Kind auf keinen Fall zur Welt bringen. Als
sie mit Selbstmord droht, bekommt ein junger Assistenzarzt den
dienstlichen Auftrag: Schwangerschaftsabbruch durch Einleitung einer
Frühgeburt. Normalerweise ist dies das Todesurteil.

Doch der kleine Tim kommt lebend zur Welt. In der Erwartung, dass er
bald stirbt, wird er neun Stunden ohne intensive ärztliche Behandlung
liegengelassen. Durch die Umstände seiner Geburt sind zusätzlich zum
Down-Syndrom sein Gehirn, seine Lunge und seine Augen geschädigt.
Monatelang steht sein Leben auf der Kippe.

Tims leibliche Eltern bleiben bei ihrer Entscheidung: Sie wollen nichts
mit ihm zu tun haben. Ein halbes Jahr nach der Geburt findet sich eine
Pflegefamilie, die Tim aufnimmt. Dort lebt er bis heute, inzwischen
sieben Jahre alt. "Der Junge könnte es viel besser haben," sagt der
Pflegevater, "wenn die Spätabtreibung nicht gewesen wäre."

Auch für den Arzt, der damals die Abtreibung vornahm, ist der Fall Tim
noch nicht erledigt. Kürzlich wurde der Mediziner zu einer Geldstrafe
verurteilt. Nicht wegen der Spätabtreibung, die war legal, sondern wegen
unterlassener Hilfeleistung danach. Der Arzt beschreibt offen sein
Dilemma: "Erst sollte ich das Kind umbringen, um die Mutter zu retten.
Dann sollte ich alles tun, um Tim am Leben zu halten. Dabei hatte ich
ihn durch die Abtreibung doch schwer geschädigt."

Das Beispiel Tim stellt Spätabtreibungen in Frage. Längst gelten
Ungeborene im sechsten Monat als lebensfähig. Oft wird alle medizinische
Kunst aufgewendet, um "Frühchen" zu retten. Kann es da legal sein, ein
behindertes, ungeborenes Kind im selben Alter sterben zu lassen?

(Quelle: http://www.wdr.de/epg/download/dl/24wdr-fs.txt )
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  #4  
Alt 06.06.2005, 20:52
Benutzerbild von moni
moni moni ist offline
Forenfrechdachs
 
Registriert seit: 17.05.2005
Ort: Baden-Württemberg
Beiträge: 75
Standard was wird aus Tim??

Ich habe diesen Bericht über Tim, das "Oldenburger Baby" schon einmal gesehen - die Bestürzung und gleichzeitig die Nachdenklichkeit des Arztes haben mich sehr angerührt und ich habe damals gedacht: "hoffentlich sehen das ganz viele Gynäkologen".
Das sind einfach Entscheidungen, die über die Kompetenz eines Menschen gehen.
Ich frage mich immer wieder: "Wie verarbeitet ein so in die Welt gekommenes KInd die Schwangerschaftszeit und die ersten Stunden und Tage seines Lebens?"
Eigentlich ist der Zeitpunkt der Abtreibung einerlei, doch darüber sind viele Menschen anderer Meinung - aber spätestens wenn sich Vergleiche mit der intensivmedizinischen Versorgung von Frühgeborenen gleichen Alters stellen, sollte man aufmerksam werden, was man da macht.
moni
__________________
*Das Glück im Leben hängt ab von den guten Gedanken, die man hat.* Marc Aurel
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  #5  
Alt 06.06.2005, 21:13
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard RE: was wird aus Tim??

Zitat:
Original geschrieben von moni

Eigentlich ist der Zeitpunkt der Abtreibung einerlei, doch darüber sind viele Menschen anderer Meinung - aber spätestens wenn sich Vergleiche mit der intensivmedizinischen Versorgung von Frühgeborenen gleichen Alters stellen, sollte man aufmerksam werden, was man da macht.
moni

Das schlimme ist auch oft die Motivation, warum so auf die Abtreibung behinderter Kinder gedrängt wird. Oft geht es gar nicht um das Wohl von den werdenden Eltern oder des Ungeborenen - oft geht es schlicht und einfach darum, einen "Schadenfall" abzuwehren.

Derzeit laufen dazu wohl Beratungen im Bundestag. Es sollen Gesetze geändert werden, damit Ärzte für behinderte Kinder nicht mehr haften müssen und somit das behinderte Kind "als Schadensfall" entfällt.

Ich habe dazu bei meinen heutigen Recherchen die Pressemitteilung von Hubert Hüppe MdB (CDU) gefunden. Allerdings stammt diese Veröffentlichung bereits vom 16.02.2005. An diesem Tag fand eine Anhörung im Familienausschuß statt.

Daraus geht hervor, daß die hohen Abtreibungszahlen behinderter Kinder mit dem Abwenden eines Schadenfalls zusammenhängt.

Aber ich weiß jetzt leider nicht den aktuellen Stand der Dinge.
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  #6  
Alt 14.06.2005, 15:18
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Mary Mary ist offline
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Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard weitere Sendetermine des Films zu Tim

22.06. 20:15-21:00 Phoenix
23.06. 07:30-08:15 Phoenix
23.06. 14:00-14:45 Phoenix

Er sollte sterben, doch Tim lebt
Eine Abtreibung und ihre Folgen


Dokumentation, Deutschland 2004
Von Gisela und Udo Kiliman
Ein junger Assistenzarzt bekam den dienstlichen Auftrag: Schwangerschaftsabbruch durch Einleitung einer Frühgeburt. Normalerweise ist dies das Todesurteil. Doch der kleine Tim kam lebend zur Welt. In der Erwartung, dass er bald stirbt, wurde er neun Stunden ohne intensive ärztliche Behandlung liegen gelassen. Durch diese Umstände sind zusätzlich zum Down-Syndrom sein Gehirn, seine Lunge und seine Augen geschädigt. Monate lang stand sein Leben auf der Kippe. Tims leibliche Eltern bleiben bei der Entscheidung: Sie wollen nichts mit ihm zu tun haben. Ein halbes Jahr nach der Geburt fand sich eine Pflegefamilie, die Tim aufnahm. Dort lebt er bis heute, inzwischen sieben Jahre alt. «Der Junge könnte es viel besser haben,» sagt der Pflegevater, «wenn die Spätabtreibung nicht gewesen wäre.» Auch für den Arzt, der damals die Abtreibung vornahm, ist der Fall Tim noch nicht erledigt. Kürzlich wurde der Mediziner zu einer Geldstrafe verurteilt. Nicht wegen der Spätabtreibung, die war legal, sondern wegen unterlassener Hilfeleistung danach. Der Arzt beschreibt offen sein Dilemma: «Erst sollte ich das Kind umbringen, um die Mutter zu retten. Dann sollte ich alles tun, um Tim am Leben zu halten. Dabei hatte ich ihn durch die Abtreibung doch schwer geschädigt.»

(Quelle: Kobinet )
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  #7  
Alt 20.05.2006, 17:31
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Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard Nicht immer stimmt die Diagnose "behindert"

Hallo,

per Zufall las ich im Eltern-Forum von Kinder.de diesen Beitrag:

Zitat:
Meine Nachbarin hat von 2 Ärzten gesagt bekommen das ihr Kind behindert zur welt kommen wird, sie hat sich für ihr Kind enztschieden und heute hat sie einen Sohn der gesünder nicht sein könnte!!

(Quelle: Eltern-Forum bei Kinder.de)

Das ist für manche betroffene Schwangere - insbesondere dann, wenn sie durch behandelnde Ärzte unter starkem psychischen Druck steht, sie solle auf jeden Fall abtreiben - eine sehr wichtige Information.

Genauso oft, wie Behinderungen nicht erkannt werden, können auch Fehldiagnosen stattfinden.

Bei einer solch wichtigen Entscheidung sollte man sich also auch nicht scheuen, eine zweite Meinung durch einen anderen Diagnostiker einzuholen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch für die Erlaubnis bedanken, diese Info hier als Zitat veröffentlichen zu dürfen.

Viele Grüsse

Mary
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  #8  
Alt 07.08.2006, 23:29
Tacheles Tacheles ist offline
Forenschreck
 
Registriert seit: 05.08.2005
Beiträge: 251
Standard

Ich möchte auf einen erschreckenden Bericht hierzu noch einmal hinweisen:

Harrison war menschlicher Abfall
vom 6.8.06 in einer Online-Kirchenzeitung (katholisch)

Zitat:
In der 35. Schwangerschaftswoche wählten die Eltern Green für ihren noch nicht geborenen Sohn einen Namen. Dann schlugen die Ärzte vor, den Kleinen zu schlachten.
(weiter dann bei Kreuz.net zu lesen)

Ich finde es erschreckend, dass in der 35. SW eine Abtreibung überhaupt auch nur angedacht ist ... da tun Ärzte wer weiß was, um Frühchen durchzubekommen und ein lebensfähiges Menschlein soll getötet werden? Schrecklich, diese Vorstellung ...

Ich bin nicht katholisch - aber ich glaube, hier werden auch andere Leser dieses Themas genauso wie ich denken und schockiert sein ...

Noch ein Zitat aus dem Artikel:

Zitat:
62% aller mongoloiden Kinder werden heute in Großbritannien bereits im Mutterschloß entdeckt. Von ihnen erleiden 92% den Abtreibungstod.

Als ein britisches Programm zur Ausfilterung mongoloider Kinder geschaffen wurde, gab es Befürchtungen, daß es auch dazu benützt würde, nicht perfekte Kinder zu beseitigen und Eltern zu Kinderabtreibungen zu drängen.

Dieser Verdacht hat sich bewahrheitet.

Erst im Mai empfahl eine britische Aufsichtsbehörde die Tötung von ungeborenen Kindern, die ein genetisches Risiko für Brust- oder Darmkrebs in sich tragen.


Ist das nicht schrecklich?

Was macht das Leben lebenswert? Ich sehe oft Kinder mit Down-Syndrom, die einfach lebensfroh sind.

Krebsrisiko: es ist ein Risiko da, ja. Eine genetische Disposition - aber: stellt Euch vor, der Mensch erkrankt daran erst im hohen Alter oder vielleicht auch gar nicht, weil er sehr gesund gelebt hat und das Risiko nicht "vermehrt" wurde ... nur weil ein Risiko besteht? Nur deswegen darf dieser Mensch nicht leben? Und sich des Lebens erfreuen?

Das nimmt schreckliche Formen an mit der Gentesterei ... aus meiner Sicht ethisch in keinster Weise vertretbar!

Tacheles
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  #9  
Alt 07.08.2006, 23:45
Benutzerbild von angelika
angelika angelika ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 08.02.2006
Ort: rotterdam und wien
Beiträge: 7.502
Standard

mir wird schlecht wenn ich sowas lese..
es bewahrheitet sich immer mehr, dass nur mehr fuer gesunde, vollkommene menschen auf der erde platz ist.
es kommt eine zeit das kann man selektieren ( schon das wort alleine..) welche begabung das kind haben muss, sportlich, iq dementsprechend usw.
vor kurzem im fernsehen auch einen beitrag gesehen, dass auch die vordiagnostik bei down nicht immer fehlerlos ist. eltern die sich entschlossen haben das kind doch zu bekommen, obwohl die aerzte geradezu gedraengt haben, das kind abzutreiben.. haben ein gesundes kind bekommen. man kann nicht immer die schwere der behinderung vorhersagen.
generell hoert man von eltern die kinder mit down syndrom haben dass sie durch dieses kind etwas ganz besonderes erfahren haben und dankbar dafuer sind...
__________________
Der Weg von Mensch zu Mensch,
ist oft weiter und schwieriger,

als der Weg von der Erde zum Mond.
angie
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  #10  
Alt 23.04.2009, 10:09
Benutzerbild von Mary
Mary Mary ist offline
Teammitglied - Entscheidungsträger
 
Registriert seit: 28.03.2005
Ort: Dortmund
Beiträge: 10.995
Standard

Im Bundestag wird wohl im Mai zu Spätabtreibungen ein Beschluss verabschiedet werden, so dass Abtreibungen erst 3 Tage nach Feststellung der Behinderung möglich sind:

Beschluss zu Abtreibungen


...
Demnach darf ein behinderter Embryo frühestens drei Tage nach Diagnose der Behinderung abgetrieben werden.
...

[ ... ganzen Artikel bei Süddeutsche lesen ... ]
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... schön Dich zu lesen ...


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