K
Kinder- und Jugendärzte
Kinder - und Jugendärzte sind häufig die erste Anlaufstelle für Eltern mit betroffenen Kindern. Die Diagnose und Behandlung der ADHS sollte nur von spezialisierten Kinder- und Jugendärzten oder Kinder- und Jugendpsychiatern durchgeführt werden. Sie sind für die Diagnose zuerst auf die Beschreibung des Verhaltens durch die Eltern, aber auch der Lehrer und Betreuer angewiesen.
Kinder- und Jugendpsychiater
Kinder- und Jugendpsychiater sind Spezialisten für psychische Erkrankungen bei Kindern. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie hat Leitlinien für die Diagnose und Therapie der ADHS erarbeitet, die auf jahrelanger Erfahrung und den Ergebnissen internationaler Studien beruhen.
Kindesalter
Schon im Kleinkindalter bzw. im Kindergarten können ständige Unruhe, häufige Handlungswechsel und geringe Ausdauer Hinweise für das Vorliegen der ADHS geben. In der Schule fallen die Symptome oft besonders auf. Die Betroffenen akzeptieren keine Regeln, stören den Unterricht, sie zeigen Lern- und Leistungsschwächen.
Komorbidität
Begleitkrankheiten
Kriminalität
Neben erhöhtem Alkohol- und Drogen-Konsum ist bei Menschen mit ADHS, die nicht mit Stimulanzien behandelt werden, auch eine überdurchschnittliche Kriminalitätsrate festzustellen.
L
Lehrer
Lehrer können entscheidende Hinweise auf ADHS geben, weil die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder bei der notwendigen Disziplin in der Schule sehr schnell sichtbar werden. Lehrer müssen über ADHS informiert und aufgeklärt sein, sie können durch ihre Beobachtungen auch über die Wirksamkeit der Therapie wichtige Hinweise liefern.
Leitlinien
Die Abkürzung ICD steht für "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems". Die Ziffer 10 bezeichnet deren 10. Revision. Diese Klassifikation wurde von der Weltgesundheitsorganisation - WHO - erstellt und ist auch für psychologische und psychotherapeutische Diagnostik verbindlich. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information - DIMDI - hat die ICD-10 unter dem vollständigen Titel "Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" ins Deutsche übertragen. PSYCHOTHERAPIE stellt mit freundlicher Unterstützung des DIMDI das für die psychotherapeutische Praxis und Klinik bei der Diagnose-Verschlüsselung verbindliche Kapitel V des ICD-10 - Psychische und Verhaltensstörungen - vor: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-IV ... herausgeber ist ebenfalls die WHO
Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)
Schwäche beim erlernen von Lesen und Schreiben, die als Teilleistungsschwäche bei ADS auftreten kann (Diagnostik durch Schulämter und Kinder- und Jugendpsychiater)
Lese- und Rechtschreibstörung (LRS)
Lese- und Rechtsschreibstörung (Legasthenie) Unfähigkeit, bzw. erhebliche Behinderung beim Erlernen von Lesen und Schreiben. (Diagnostik durch Schulämter und Kinder- und Jugendpsychiater)
M
Manie
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes aus dem Griechischen stammend ist Raserei. In der Psychiatrie wird sie als Gegenpol der Depression (Melancholie) angesehe: Kranke, die an Manie leiden, sind unruhig, scheinen gehobener Stimmung, singen oder tanzen gern, verlieren jede Kritik an sich selbst. (Quelle: Lexikon der Psychologie, Wolfgang Schmidbauer)
Medikamente
Medikamente zur Behandlung bei Kindern und Jugendlichen, sind die Wirkstoffe: Methylphenidat (MPH), Amphetamin, Atomoxetin sowie verschiedene Antidepressiva. Bei Erwachsenen werden in erster Linie Antidepressiva verordnet und erst als zweite Wahl MPH und Atomoxetin wobei hier auch noch zum Teil SRNI (Serotoninwiederaufnahmeblocker) zum Einsatz kommen
Methylphenidat
Methylphenidat ist eine seit Jahrzehnten bewährte Substanz zur Behandlung der ADHS. Sie reguliert die Reizübertragung im Hirn und sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit nicht ständig auf neue Reize gelenkt wird. Methylphendiat verbessert die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und zur Steuerung der Gefühle und es steigert die Konzentrationsfähigkeit. Der Wirkstoff als solches ist auch als Appetitzügler bekannt, wird jedoch nur noch selten in diesem Bezug eingesetzt.. Eine gute medikamentöse Einstellung kann im Rahmen der Multimodalen Therapie die Symptome vermindern oder verschwinden lassen. Ob im einzelnen Fall kurz wirksame Präparate (3-4 Stunden) oder Retard-Versionen ( 6 - 12 Stunden) eingesetzt werden, muss individuell entschieden werden. Andere Medikamente, die bei ADHS zum Einsatz kommen, sind z.B. Amphetamin oder Atomoxetin.
MCD
Minimale Verebrale Dysfunktion. Dies bezeichnet eine minimale Gehirnstörung. Unter MCD wurden früher alle noch nicht näher erforschten und gesondert bezeichneten Erkrankungen der Psyche und des Gehirns zusammengefasst.
Multimodale Therapie
Unter mulitmodialer Therapie versteht man allgemein die Kombination von verschiedenen Therapieformen (Ergotherapie, Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, etc.) mit Medikamenten (wobei die Medikamente nur unterstützenden Charakter haben)
Multiple Persönlichkeit
"Dissoziative" Störung in der Verdrängungen nicht mehr von einem einzigen Zentrum (dem bewussten Ich) ausgehen, sondern von wechselnden "Persönlichkeiten"
Anmerkung: Dissoziative Störungen sind psychische Störungen, die z einer zeitweiligen Veränderung des Bewußtseins in Form eines schweren Gedächtnisverlustes oder eines Verlusts der persönlichen Identität führen. (Quelle: Reader's Digest Universal Lexikon)
N
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind Begleiterscheinungen bei Medikamenteneinnahme, welche auftreten können, jedoch nicht auftreten müssen. Alle Medikamente müssen die Nebenwirkungen im Beipackzettel aufgeführt haben. Bei MPH sind die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen.
Neurose
1.Bezeichnung für eine psychische Störung, die nicht auf einer Erkrankung des Nervensystems beruht.
2.(psychoanalytisch)Bezeichnung für eine psychische Störung, die infolge eines verdrängten frühkindlichen oder aktuellen psychodynamischen Konfliktes entsteht und mit psychischen, bzw. somatischen Symptomen einhergeht. (Quelle: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 258.Auflage)
Neurotransmitter
Neurotransmitter übertragen Reize und Impulse über die Synapse, die Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen. Bei ADHS ist der Stoffwechsel von Dopamin, einem wichtigen Neurotransmitter, gestört.
P
Parkinson
Degeneration dopaminerger Neuronen in einem bestimmten Bereich des Gehirnes (Substantia nigra), die auf cholinerge Neurone im Corpus striatum (Gehirnareal) hemmend einwirken. Die Leitsymptome des Parkinson-Syndroms sind: leise und monotone Sprache, Verlangsamung aller Bewegungen, Fehlen der physiologischen Mitbewegungen, gebückte Haltung, kleinschrittiger, bzw. schlurfender Gang, Bewegungsstörungen mit Fallneigungen nach vorne. Wissenschaftlich konnte bisher keinerlei Verbindung zwischen der Einnahme von MPH und der Parkinsonerkrankung belegt werden, obwohl hierüber immer wieder Gerüchte auftauchen.
Psychose
Allgemeine Bezeichnung für psychische Störung mit strukturellem Wandel (im Gegensatz zum funktionellem Wandel bei der Neurose!) [Quelle: Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 258.Auflage]
Anmerkung: Bei der Psychose gibt es weitere Unterteilungen in akute und organische Psychose. Es gibt dabei wiederum zwei verschiedene Formen der Psychose und zwar die affektive und die schizophrene Psychose. (Es würde zu weit führen hier noch mehr ins Detail zu gehen.)
Psychostimulanzien
Als Psychostimulanzien werden alle Medikamente und Wirkstoffe bezeichnet, die eine stimulierende (anregende) Wirkung auf das ZNS (zentrale Nervensystem) ausüben.
Pubertät
In der Pubertät vermindert sich bei manchen Betroffenen die überschießende Motorik mit den unkontrollierten Bewegungsabläufen, sie lernen mit den Beeinträchtigungen umzugehen bzw. Problemfelder zu vermeiden. In dieser schwierigen Lebensphase sollte eine Behandlung jedoch nicht vorschnell abgebrochen werden. Auch bei Erwachsenen bestehen die Probleme mit verminderten oder veränderten Symptomen oft weiter.
R
Rebound
Das verstärkte Einsetzen der Krankheitssymptome nach dem Abklingen der Medikamentenwirkung.
Rechenschwäche "Dyskalkulie"
Erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen und Unterscheiden von Zahlen, welche erhebliche Beeinträchtigungen beim Erlernen von Mathematik bedeuten. Diese kann als Teilleistungsstörung bei ADS auftreten und ist oft auch in Zusammenhang mit LRS (s.o.) zu finden.
Reizfilterschwäche
Unter einer Reizfilterschwäche versteht man Probleme bei der Aufnahme und der Verarbeitung von äußeren Reizen im Gehirn.
Retard
Retard (aus dem englischen = zurückgeblieben) bedeutet im Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme eine verzögerte Freisetzung des Wirkstoffes, welches eine zeitlich längere Wirkung hervorruft.
S
Schizophrenie
veraltete Bezeichnung: Spaltungsirresein, Dementia praecox(Kraepelin); Form der körperlich nicht begründbaren Psychose, die durch ein Nebeneinander von gesunden und veränderten Erlebens- und Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. (Quelle: Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,258.Auflage)
Schlafstörungen
Es gibt verschiedene Formen von Schlafstörungen. Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen. Bei Einschlafstörungen haben die Menschen Probleme einzuschlafen, bei Durchschlafstörungen haben sie Probleme durchzuschlafen. Beide Formen können die verschiedensten Ursachen haben und sind nicht ADS symptomatisch, wobei jedoch bei ADS-lern gehäuft Einschlafstörungen auftreten können.
Schule
Durch die Leistungsanforderungen in der Schule wird ADHS bei den Kindern oft erst dort erkannt. Die Kinder haben nur eine geringe Ausdauer, sie sind leicht abzulenken und stören oft den Unterricht. Lern- und Leistungsschwächen werden deutlich, eine Lese-Rechtschreibschwäche und/oder Rechenschwäche fällt auf.
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen ist der Zusammenschluß von direkt (Erkrankte) und indirekt (Eltern, Geschwister, Partner) Betroffenen zum Zwecke des Informationsaustausches und der gegenseitigen Hilfe.
Sozialverhalten
Als Sozialverhalten bezeichnet man das Verhalten des Einzelnen in sozialen Situationen. Bei ADS-lern ist durch eine Vielzahl von Ursachen das Sozialverhalten oft negativ gestört.
Stimulanzien
Als Stimulanzien werden alle Wirkstoffe, ob chemisch oder natürlich, bezeichnet, die eine stimulierende (anregende) Wirkung hervorrufen. Stimulanzien wirken immer auf das ZNS (zentrale Nervensystem). Natürliche Stimulanzien sind z.b. Tein, Koffein, Nikotin. Chemische Stimulanzien sind aus natürlichen Rohstoffen gewonnene Einzelbestandteile, welche konkrete stimulierende Wirkungen auf klar definierte Bereiche ausüben (z.B. Konzentration, Energielevel des Körpers etc.)
Sucht
Als Sucht bezeichnet man umgangssprachlich jede Form von Abhängigkeiten. Abhängigmachende Substanzen können sowohl natürliche Stoffe als auch künstlich erzeugte Produkte sein. Hierbei sind seelische Abhängigkeiten von physischen (körperlichen) Abhängigkeiten zu unterscheiden. (Diagnose nur durch den Arzt/Facharzt!)
Symptome
Als Symptome bezeichnet man auftretende Störungen bei Erkrankungen. Diese können sowohl seelisch (psychisch) als auch körperlich (physisch) sein. Die Hauptsymptomatiken bei ADS sind Konzentrationsstörungen, Reizfilterschwäche und Impulskontrollschwächen. Die Lexikon Übersetzung für Sympton lautet "Anzeichen".
T
Teilleistungsstörungen
Als Teilleistungsstörungen werden Störungen in begrenzten Bereichen bezeichnet. So z.B. LRS oder Dyskalkulie (s.o.), es gibt jedoch auch motorische Teilleistungsstörungen, auch werden Sprachstörungen als Teilleistungsstörungen bezeichnet.
Therapie
Als Therapie bezeichnet man jegliche Form der Langzeitbehandlung. Dies kann eine medikamentöse Behandlung und/oder eine psychische Behandlung (Verhaltenstherapie z.B.) oder auch eine rein körperliche Behandlung sein (Ergotherapie, Kranknegymnastik). Eine Kombination aus verschiedenen Therapien nennt man multimodiale Therapie (s.o.)
Tics
Tics sind unwillkürliche, nicht beeinflußbare Muskelzuckungen. Diese können eine eigenständige Krankheit sein (z.B. Epilepsie) oder als Nebenwirkung über einen kurzen Zeitrahmen bei der medikamentösen Einstellung auftreten.
Titration
Die individuelle Einstellung auf die richtige Dosierung des Medikamentes wird Titration genannt. Die Therapie sollte mit einer niedrigen Dosis begonnen und in kleinen Stufen bis zum Erreichen einer verträglichen und genügend wirksamen Dosis gesteigert werden. Dabei gilt der Grundsatz, die Dosis so klein wie möglich zu halten. Deshalb sind für die Einstellung Präparate ohne Retard-Wirkung besser geeignet.
U
Unaufmerksamkeit
Aufmerksamkeitsdefizit (Mangel von Aufmerksamkeit) verursacht durch Konzentrationsschwächen und Reizfilterschwächen bei ADS.
Urlaub
Wenn die Betäubungsmittel-Medikamente, die das Kind einnimmt, während des Urlaubs mit ins Ausland genommen werden sollen, stellt der Arzt hierfür eine besondere Bescheinigung aus, damit es bei eventuellen Kontrollen an der Grenze keine Probleme gibt.
V
Vererbung
Genetische Faktoren spielen bei der Ursache der ADHS eine wesentliche Rolle. Familienuntersuchungen haben gezeigt, dass bei Kindern mit ADHS ein Elternteil sehr häufig im Kindesalter ebenfalls unter diesen Symptomen gelitten hat oder heute noch als Erwachsener unter (veränderten) Symptomen leidet.
Verhaltenstherapie
Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das oft im Rahmen der Multimodalen Therapie bei ADHS eingesetzt wird. Dabei sollen störende Verhaltensweisen abgebaut und Strategien zur Bekämpfung der Symptome erlernt werden.
Z
Zappelphilipp
ADHS ist keine „moderne Zivilisationskrankheit“. Der „Zappelphilipp“ wurde schon im Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann, einem Nervenarzt, 1848 beschrieben. Die Figur des Zappelphilipp als gängiges Beispiel für einen ADS Patienten mit Hyperaktivität gilt.
ZNS
Zentrales Nervensystem
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