Der Tag, an dem die Rollstühle fliegen lernten
... mit dieser Überschrift fand ich den folgenden Artikel:
Eine Abseilübung der besonderen Art in Haus zeigte, dass Behinderung weder im Alltag, aber noch weniger im Notfall behindern darf.
Mitten während der Fahrt in luftiger Höhe in einer Gondel festzusitzen und auf Hilfe wartend - ein Horrorszenario für viele "normale" Schifahrer. Doch wie ergeht es hier jenen Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind oder an einer anderen Behinderung leiden? Welche Anforderungen werden hier an die Retter gestellt und wie sieht es mit dem Vertrauen aus, das gerade behinderte Menschen in Notsituationen in andere setzen müssen? Claudia Ellner aus Deutschland, Matthew Air und Mike Welch aus England haben sich gestern der Herausforderung "Abseilen aus einer Gondel", trotz körperlicher Behinderung, gestellt.
Wagemutig. Die drei Rollstuhlfahrer nahmen gemeinsam mit ihren Familienangehörigen an der jährlichen Notfallübung der Hauser Kaibling Bahnen, die heuer zum ersten Mal in Kooperation mit dem Verein "Para Special Olympics", der Sportangebote für Menschen mit Behinderung anbietet, teil. Man könnte meinen, dass sich bei den Rollstuhlfahrern bereits lange vor der Übung Nervosität breit macht - doch falsch gedacht. Wie Felsen in der Brandung sitzen die drei locker in ihren Rollstühlen, unterhalten sich und warten auf ihren Einsatz. Claudia Ellner aus Bamberg gähnt genüsslich. "Du Claudia, ich sag's dir, wenn du jetzt einschläfst dann haben wir ein Problem, allein mach' ich das nämlich nicht mit", lacht ihre Schwester Heidi, der gerade alles andere als zum Gähnen zumute ist. "Eigentlich eh lustig, ich bin viel nervöser als sie, sie geht immer alles total gelassen an. Da könnte ich mir eine Scheibe abschneiden", sprudelt es aus ihr heraus.
Heftiges Schwanken. Ein lautes Signal ertönt, es ist Zeit die Gondel zu besteigen. Heidi Ellner hebt Claudia, die seit einem Herzstillstand an einer starken Gehbehinderung leidet, vorsichtig auf und stützt sie auf dem Weg in die Gondel. Als dann alle Platz genommen haben, schließen sich die Türen und langsam geht's in Richtung Berg. Es wird gelacht und gescherzt, die Stimmung ist gelassen. Claudia sieht ruhig aus dem Fenster und genießt die Landschaft, die langsam an ihrem Fenster vorüberzieht. Doch plötzlich hält die Gondel, es folgt ein heftiges Schwanken und bald schon hört man Pistenchef Gerhard Zettl auf der Gondel herumsteigen.
Ohne Wenn und Aber. Wenig später öffnet er mit einem freundlichen "Grias eich, und wie geht's?", die Gondeltüren. Claudia lässt sich von Erlebnispädagogen Ronald Vala noch schnell das Rettungsdreieck anlegen und schon kann's abwärts gehen. Ohne einen Ton steigt sie aus der Gondel und lässt sich in die Seile fallen, die Sicherheit bieten. Kein Anflug von Angst, kein Hauch von Misstrauen. Gerhard Zettl ist fasziniert: "Es ist schön, dass sie ohne Wenn und Aber vertrauen können. Das ist selten". Mittlerweile ist Claudia am Boden angelangt. Lächelnd und voll Stolz zeigt sie in Richtung Gondel.
CARMEN OSTER
(Quelle:
Kleine Zeitung (Österreich) )
Ich fand das ganz enorm. Ich hätte mir das nicht zugetraut. Auch nicht ohne Rollstuhl. Hut ab vor dem Mut!