Verknüpfung: Depression und Schmerzempfinden
Jena (ddp). Depressive Menschen empfinden innere Schmerzen laut einer neuen Studie stärker als Gesunde. Bei ihnen verschiebt sich die Schmerzschwelle deutlich, so dass sie aus dem Körperinneren kommende Schmerzen etwa doppelt bis dreimal so stark wahrnehmen wie gesunde Menschen. Dies wies der Jenaer Psychiater Karl-Jürgen Bär von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Untersuchung nach. Oberflächliche Schmerzreize werden dagegen weniger stark wahrgenommen, wie die Universität mitteilt. Depressive Patienten klagten in über 60 Prozent der Fälle über körperliche Schmerzen im Rücken, Bauch und Kopf, sagt Bär. In einer früheren Untersuchung habe man bei depressiven Patienten dagegen eine höhere Schmerzschwelle als bei Gesunden feststellen können. Diese Unempfindlichkeit trete aber nur bei oberflächlichen Schmerzreizen an der Haut wie durch Hitze, Kälte oder Strom auf. «In diesen Fällen haben Menschen mit einer Depression den Schmerz später gespürt als die gesunden Probanden», sagt Bär. Viel früher spürten sie dagegen einen durch Mangeldurchblutung im Armmuskel verursachten Schmerz. Diesen so genannten ischämischen Schmerz, der tiefen Körperschmerzen wie im Rücken oder Magen ähnele, hätten depressive Patienten bereits nach 30 Sekunden als höchst unangenehm empfunden. Gesunde Studienteilnehmer hätten erst nach 50 Sekunden geklagt, konnten den Schmerz also fast doppelt so lang ertragen, sagte Bär. Nach Einschätzung des Wissenschaftlers gibt es offenbar Verknüpfungen zwischen Depression und Schmerzempfinden im Gehirn. Er plädiert dafür, die Klagen depressiver Patienten über Schmerzen stärker zu beachten als bisher und diese zu behandeln. Klinische Daten zeigten, dass Patienten mit Schmerzsymptomen dreimal häufiger einen Rückfall in die Depression erleiden. «Wir wissen jetzt, dass tiefe Schmerzen bei Depressionen ein echtes Problem darstellen», sagt Bär. Der Wissenschaftler wurde für seine Arbeit am Donnerstag auf dem Berliner Schmerzkongress mit dem ersten Preis für Klinische Schmerzforschung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes geehrt.
Quelle: Netdoctor
|