Ist bei psychogenen nicht-epileptischen Anfällen Fahrtüchtigkeit gegeben?
Psychogene nicht-epileptische Anfälle sind bestimmte Verhaltensmuster, die hinsichtlich ihrer Symptome epileptischen Anfällen ähnlich sind, im Elektroenzephalogramm (EEG) jedoch keine entsprechenden krankhaften Veränderungen aufweisen. Medizinisch betrachtet sind diese Anfälle oft schwer von echten Epilepsien zu unterscheiden. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung aufgelegt, welche besagen, dass auch Patienten mit psychogenen nicht-epileptischen Anfällen entsprechend der Vorgaben für Epilepsiepatienten nicht fahrgeeignet sind, solange ein wesentliches Risiko für ein erneutes Auftreten von Anfällen besteht. Experten der Rehabilitationsabteilung für Anfallskranke und Abteilung für junge Erwachsene, Epilepsie-Zentrum Bethel/Kliniken, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld, ziehen diese Regelung allerdings in Zweifel. Zwar gäbe es nur wenig wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema, aber den wenigen Daten sei zu entnehmen, dass das Unfallrisiko bei Patienten mit psychogenen Anfällen nicht erhöht sei, so die Wissenschaftler. Es sei nicht angebracht, hier die vorgeschriebene feste anfallsfreie Zeit, die für die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit bei Epilepsiepatienten ausschlaggebend sei, als alleinigen Bewertungsmassstab für die Fahreignung heranzuziehen. Vielmehr müsse eine psychiatrisch-psychotherapeutische Beurteilung der Prognose, meist in Zusammenhang mit dem psychotherapeutischen Behandlungsverlauf, entscheidend sein, so die Autoren.
Abstract aus Zeitschrift für Epileptologie 2007, Vol. 20, no. 4, pp. 208-216
