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  #1  
Alt 29.12.2006, 07:43
vienetta vienetta ist offline
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Registriert seit: 04.08.2006
Beiträge: 3.585
Standard Das fetale Alkoholsyndrom

Das fetale Alkoholsyndrom
Alkohol ist die häufigste bekannte Substanz, die Fehlbildungen in der Schwangerschaft verursacht. Vor 20 Jahren wurde erstmals vermutet, dass Alkoholismus in der Schwangerschaft zu einer spezifischen Kombination von Fehlbildungen, dem sogenannten "fetalen Alkoholsyndrom", führen kann.

Was ist Alkoholembryopathie?
Unter fetalem Alkoholembryopathie "FAE" (oder fetalem Alkoholsyndrom FAS ) versteht man eine Schädigung des Kindes, die durch übermäßigen, dauerhaften und krankhaften Alkoholgenuss der Mutter während der Schwangerschaft entstanden ist. Wenn der Embryo, besonders in seiner empfindlichen Zeit der Organentwicklung, ständig dem Alkohol ausgesetzt ist, wirkt Alkohol giftig auf alle Körperzellen ein: diese können sich nicht ausreichend entwickeln und vermehren, so dass sich Organe und Gewebe mangelhaft oder fehlerhaft entwickeln. Daraus erklärt sich, dass im Prinzip alle Organe und Organsysteme des entstehenden und wachsenden Kindes im Mutterleib geschädigt sein können, wenngleich bei typischer Ausprägung einige Körperteile besonders betroffen sind. Die Diagnose einer Alkoholembryopathie stützt sich bei schwer betroffenen Kindern besonders auf äußere Merkmale: Kleinwuchs, Untergewicht, Kleinköpfigkeit, mangelhafte Muskelentwicklung, typische Gesichtsveränderungen, geistige Entwicklungsverzögerung und Verhaltensstörung. Bei leicht betroffenen Kindern mit äußerlich kaum oder nicht erkennbaren Veränderungen stützt sich die Diagnose ganz wesentlich auf die Vorgeschichte der mütterlichen Alkoholkrankheit. Da die Alkoholkrankheit der Mutter ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann - leichter Alkoholmissbrauch bis hin zu schwerer Alkoholabhängigkeit - und da die schädigende Wirkung des Alkohols von vielen Umständen abhängt (Alter der Mutter, Menge und Art des Alkohols, Stoffwechsel der Mutter), gibt es verschiedene Formen und Schweregrade der Alkoholschädigung beim Kind. In der Regel unterscheidet man leichte (Grad 1), mittlere und hohe Schweregrade (Grad II - III) mit fließenden Übergängen. Die Veränderungen können beim Kind so gering sein, dass ein Laie einen Unterschied zum gesunden Kind nicht bemerkt. Die körperlichen Schäden können auch unterschiedlich stark mit Störungen in der Hirnleistung und Störung der seelischen, gefühlsbezogenen und sozialen Entwicklung kombiniert sein. Bei vielen Kindern ist die körperliche und geistige Entwicklung annähernd gleich verzögert, bei anderen überwiegen Hirnleistungsschwächen oder Verhaltensstörungen, wobei die körperliche Entwicklung weniger beeinträchtigt ist und umgekehrt. Auch bei nur leicht betroffenen Kindern kommt es vor, dass vielleicht nur die Intelligenz beeinträchtigt ist, körperlich dem Kind im übrigen aber nichts anzumerken ist. Auch gibt es Kinder mit relativ typischen Gesichts- und Körperveränderungen ohne geistige Beeinträchtigung und mit normalem Verhalten. Es gibt also verschiedene Formen der Ausprägungen.
Für die Entwicklung der Kinder nach der Geburt bis hin zum Erwachsenenalter ist bei allen mittleren und hohen Schweregraden bedeutsam, dass in jeder Hinsicht die Entwicklung betroffen ist:
  • Die körperliche Entwicklung, messbar an Gewicht, Länge, Kopfumfang, Knochen- und Zahnentwicklung.
  • Die motorischen und statischen Fähigkeiten, wie zum Beispiel Laufen, Greifen und Geschicklichkeit; auch andere Einzelfähigkeiten wie Trinken, Essen, Stuhlgang, Sprechen.
  • Die geistige, auf die Intelligenz bezogene Entwicklung.
  • Die seelische und gefühlsbezogene Entwicklung (Ausgeglichenheit, Stimmungen, Lachen, Weinen).
  • Die soziale Entwicklung und das Verhalten, die Fähigkeit also, sich im Verbund der Gemeinschaft der Mitmenschen eingliedern und wohlfühlen zu können.
Der Schadstoff, der das Kind im Mutterleib erkranken lässt, ist der Alkohol selbst, der - von der Mutter getrunken - über den Mutterkuchen und über die Nabelschnur ungehindert zum Kind gelangt. Es ist also unwichtig, ob der Vater Trinker ist oder nicht, denn der Alkohol bei väterlicher Trunksucht kann zwar auch das Erbmaterial im Samenfaden schädigen und auf diesem Weg in schweren Fällen ebenfalls Schäden bewirken. Für die Entstehung einer Alkoholembryopathie sind auch nicht andere Stoffe oder Begleitumstände verantwortlich, wie Vitaminmangel, Nikotinmissbrauch, mütterlicher Leberschaden, Fehlernährung der Mutter in der Schwangerschaft, Begleitstoff in alkoholischen Getränken oder andere Substanzen, sondern der Alkohol als chemisch umschriebener Stoff. Es ist bis heute nicht medizinisch gesichert, oberhalb welcher täglich genossenen Alkoholmenge in der Schwangerschaft ein Schaden beim Kind zu erwarten ist. Zwar lässt sich keine allgemein gültige Menge hierfür angeben, doch ist zum Beispiel der Genuss einer Flasche Bier (= 18 g reiner Alkohol) noch nicht schadenbringend. Nach eigenen Untersuchungen liegt die Grenze bei etwa 50 - 60 g Alkohol pro Tag, jedoch ist nicht allein die täglich genossene Alkoholmenge entscheidend, sondern vielmehr die Frage, inwieweit die Mutter den Alkohol verstoffwechseln kann und wieweit die Alkoholkrankheit bei der Mutter in körperlicher und seelischer Hinsicht fortgeschritten ist (Phase der Alkoholkrankheit nach Jellinek). Wenn nämlich eine langzeitig trinkende Mutter durch Alkohol, etwa durch Leberschäden, soweit geschädigt ist, dass sie den Alkohol nur verzögert abbauen und ausscheiden kann, so ist schon bei geringen Alkoholmengen in der Schwangerschaft eine Schädigung beim Kind zu erwarten. Andererseits gibt es junge Mütter, die noch "am Beginn der Karriere" stehen, relativ viel Alkohol "vertragen", noch keine Stoffwechselstörungen erlitten haben und trotz hohem Alkoholmissbrauch in der Schwangerschaft nicht oder kaum beeinträchtigte Kinder geboren haben. Inwieweit das Kind durch den Alkohol geschädigt wird, hängt ab von:
  • der täglich genossenen Alkoholmenge (umgerechnet in g/Tag);
  • von der Art des Alkohols (Bier, Wein oder Schnaps), Schnapstrinker unter den Müttern sind häufiger betroffen;
  • von der Dauer der Trunksucht;
  • vom Alter der Mutter;
  • vom Trinkverhalten (Gelegentliches Trinken? Morgendlicher Beginn? Kontrollverlust?);
  • vom Grad der Alkoholkrankheit;
  • von weiteren körperlichen Krankheiten;
  • von zusätzlichen Suchtstoffen und Medikamenten in der Schwangerschaft.
Auffällige Schäden bei Gelegenheitstrinkerinnen, die nicht im Sinne der WHO (Weltgesundheitsorganisation) eigentlich alkoholkrank sind, konnten bisher nicht gesichert werden. Wenn in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft eine Frau übermäßig trinkt und dann mit dem Trinken aufhört, muss dennoch mit einer Schädigung gerechnet werden, da gerade in den ersten Monaten die empfindliche Phase der Organentwicklung besteht. Sofern sich eine Mutter nach der Geburt eines alkoholgeschädigten Kindes entschließt, dem Alkohol zu entsagen und dies bei der kommenden Schwangerschaft konsequent durchhält, so bestehen alle Chancen, dass ein gesundes Kind ohne Schädigung zur Welt kommt. Auch wenn sich eine trunksüchtige Mutter noch zu Beginn der Schwangerschaft entschließt, einen Schaden vom Kind durch eine Entziehungskur abzuwenden, bestehen immerhin gute Möglichkeiten, ein gesundes Kind zu gebären, eventuell in einer speziellen Therapieeinrichtung.
Herrmann Löser


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  #2  
Alt 29.12.2006, 07:43
vienetta vienetta ist offline
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Beiträge: 3.585
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Die Anfänge der Forschungen Im Jahre 1973 wurde von Jones und Smith ein spezifisches Muster von Defiziten beschrieben, das bei Kindern alkoholabhängiger Mütter auftritt und unter dem Begriff "Fetales Alkoholsyndrom" zusammengefaßt wird (1973 ). Obwohl das Problem bereits vor 30 Jahren erkannt wurde, besteht immer noch ein immenser Forschungsbedarf zu den Merkmalen der Betroffenen. Bisher haben sich die Untersuchungen auf Expositionsmodelle von Tieren, Längsschnittuntersuchungen des IQ und des erreichten Bildungsniveaus von Kindern alkoholabhängiger Eltern sowie auf Untersuchungen der Auswirkungen eines mäßiggradigen Alkoholkonsums bei Schwangeren konzentriert. In jüngerer Zeit hat sich die Forschung schwerpunktmäßig mit der Korrelation zwischen Neuroimaging und den Verhaltenstörungen von Kindern mit pränataler Alkoholexposition befaßt. Eine möglichst frühzeitige Erkennung bietet die Voraussetzung für die Erarbeitung und Durchführung von Maßnahmen, die darauf abzielen, Personen mit FAS die volle Entfaltung ihres geistigen und sozialen Potentials zu ermöglichen.
Durch eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die negativen Auswirkungen des Alkohols auf das ungeborene Kind und die Verbesserung des Zugangs von Schwangeren zu Einrichtungen, die sie bei der Vermeidung von Alkohol während der Schwangerschaft unterstützen, sollte es möglich sein, in Zukunft das ungeborene Leben vor den verheerenden Auswirkungen des Alkohols zu bewahren.


Alkohol ist Gift für die Entwicklung
Wie geht das vor sich? "Alkohol ist ein Zellgift", erläutert Prof. Hermann Löser von der Universität Münster. Löser ist Kinderarzt und Spezialist auf dem Gebiet der Alkoholeffekte. "Wegen seiner guten Lösungseigenschaften verteilt sich Alkohol im Körper sehr schnell und gleichmäßig. Die Blut-Hirn-Schranke überwindet er spielend, ebenso den Mutterkuchen (Plazenta). Das bedeutet, dass der Fetus weitgehend die gleiche Blutalkoholkonzentration hat wie die Mutter." Was passiert dadurch? "Alkohol wirkt giftig auf alle Körperzellen. Diese können sich nicht normal entwickeln und vermehren, so dass sich Organsysteme und Gewebe mangelhaft oder fehlerhaft ausbilden."
Daraus erklärt sich auch, dass im Prinzip alle Organe des wachsenden Kindes durch Alkohol geschädigt werden können. Die Gefahr ist am größten beim Trinken in der frühen Schwangerschaft. In den ersten acht Wochen, der Embryonalperiode, werden Herz, Gehirn, Arme, Beine, Augen, Ohren und weitere Organe angelegt. So zeigen sich die typischen Missbildungen beim fetalen Alkoholsyndrom als Kleinwuchs, Untergewicht, Kleinköpfigkeit, mangelhafte Muskelentwicklung, typische Gesichtsveränderungen, geistige Entwicklungsverzögerung und Verhaltensstörungen.

Die Gretchenfrage: Ab wann ist Alkohol in der Schwangerschaft schädlich fürs Kind? Darf eine werdende Mutter überhaupt nichts trinken? Prof. Löser: "Es lässt sich keine für den Embryo sichere, unbedenkliche Menge angeben. Also kein Grenzwert, den man einhalten könnte, unterhalb dessen kein Schaden beim Kind zu befürchten ist." Früher nahm man an, dass eine Alkoholschädigung des Kindes nur bei „Alkoholikerinnen“ auftritt. Heute weiß man es besser. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass auch bei dem gesellschaftlich völlig akzeptierten "geselligen Trinken" in manchen Fällen Alkoholschäden beim Kind entstehen. Statistisch können schon nach regelmäßigem Konsum von täglich 15 Gramm reinem Alkohol (ein großes Glas Bier oder ein kleines Glas Wein) Alkoholeffekte beim Kind erfasst werden. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft gilt der gelegentliche, aber exzessive Alkoholgenuss als bedenklich. "Zwar ist ein gelegentliches Gläschen kein Grund zur Panik," resümiert Prof. Löser. "Aber wer ganz sicher gehen will, sollte alkoholische Getränke in der Schwangerschaft ganz meiden."

FAS Merkmale

Veränderung und Kennzeichen bei Fetale Alkoholsyndrom (Schweregrad 1-3) (Prof. Hermann Löser)

Minderwuchs und Untergewicht 98 % Gesichtsveränderungen ca. 95 % Geistige und statomotorische Entwicklungsverzögerung 89 % Kleinköpfigkeit ( Mikrozephalie) 84 % Sprachstörungen * 80 % Hyperaktivität 72 % Muskelhypotonie 58 % Verkürzung und Beugung des Kleinfingers 51 % Genitalfehlbildung 46 % Steißbeingrübchen 44 % Haaraufstrich im Nacken ca. 35 % Trichterbrust 30 % Herzfehler (meist Scheidenwanddefekte) 29 % Augenfehlbildung (Schielstellung, Kurzsichtigkeit, Spaltenbildung) * 25 % Hörstörungen * ca. 20 % Ess- und Schluckstörungen * ca. 20 % Andere Verhaltensstörungen ( Autismus, Aggressivität, gestörtes Sozialverhalten) * ca. 20 % Bleibende Verkrümmung des Kleinfingers 16 % Kleine Zähne * 16 % Verwachsung von Elle und Speiche 14 % Unterentwicklung der Fingerendglieder 13 % Leistenbruch 12 % Hämangiome 11 % Nierenfehlbildung ca. 10 % Hüftluxation 9 % Kielbrust ca. 7 % Gaumenspalte 7 %
Die aufgeführten Prozentzahlen entsprechen denen von Majewski (1980) und eigenen Untersuchungen. Sie decken sich im wesentlichen mit Ergebnissen im internationalen Schrifttum (mit * gekennzeichnet).
Gehirn eines nicht alkoholgeschädigten Kindes Gehirn eines alkoholgeschädigten Kindes Gehirn eines gesunden Kindes Gehirn eines alkoholgeschädigten Kindes.
Das durch Alkohol geschädigte Kind verstarb im Alter von 6 Wochen.
(Corpus Collosum Kernspin Bilder)

Der Corpus Collosum ist ein "Nervenbundeln" der die beiden Hirnhalften verbindet. Schwach ausgebildete oder fehlenden Corpus Collosum kommen oft beim FAS Kindern vor und erklärt viele FAS- Verhaltensweisen. Links zeigt ein "Normaler" Corpus Collosum und Rechts ein Corpus Collosum eines alkoholgeschädigten Menschen.
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  #3  
Alt 29.12.2006, 07:45
vienetta vienetta ist offline
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Wie häufig ist Alkoholembryopathie? In Deutschland existieren nur Schätzzahlen. In einigen Gegenden Frankreichs beträgt die Häufigkeit bei Neugeborenen 1:212. In Schweden ergab sich eine Häufigkeit von 1: 600. In der Bundesrepublik werden pro Jahr annähernd 1 800 Neugeborene mit einer Alkoholembryopathie aller Schweregrade angenommen, dies bei annähernd 500 000 Geburten pro Jahr. Nur ein Teil dieser Kinder wird als Alkoholembryopathie erfasst und diagnostiziert, weil viele Kinder mit Schwachformen der Entdeckung entgehen, zum Teil auch deshalb, weil der Alkoholismus der Mutter privat oder amtlich verschwiegen wird. Oft ist nicht einmal den Jugendämtern und sozialen Institutionen bekannt, dass die in Pflege- und Adoptivfamilien vermittelten Kinder von alkoholkranken Müttern stammen. Die Dunkelziffer der Kinder mit Schwachformen der Alkoholembryopathie ist sehr hoch.
Hermann Löser


Gibt es eine Heilung beim Kind?
Da - zumindest bei schweren Fällen - alle Organe und Gewebeanteile durch den Alkohol in Mitleidenschaft gezogen sein können, ist eine eigentliche, auf die Ursache bezogene Heilung, etwa durch Medikamente, Diät oder Eingriffe nicht möglich. Operativ beheben oder lindern lassen sich die verschiedenen Fehlbildungen nur zum Teil, zum Beispiel an den Gliedmaßen, am Herz, an den Augen und Nieren. Im einzelnen muss hierzu der zuständige Arzt befragt werden. Es gibt jedoch kein Medikament, welches die in vieler Hinsicht bestehende Unterentwicklung (Länge, Gewicht, Kopfumfang, Schmächtigkeit usw.) beheben kann. Andererseits ist für das neugeborene Kind bekannt, dass in vielen Organen die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, dies gilt zum Beispiel für die Hirnreifung und andere Reifungsvorgänge. Wenngleich durch verschiedene Förderungsmaßnahmen eine Heilung im engeren Sinne nicht erzielt werden kann, so können doch in vielen Bereichen die Fähigkeiten erstaunlich gebessert werden. In keinem Lebensalter ist man so "entwicklungsfähig" wie in den ersten Lebensjahren, dies gilt besonders für die häufigsten und pflegerisch bedeutsamsten Störungen: Verhaltensauffälligkeiten, Sprachstörungen, Essstörungen. Dies soll im folgenden näher erläutert und Ratschläge für Hilfemaßnahmen gegeben werden.
Hermann Löser


Zum aktuellen Forschungsstand des fötalen Alkoholsyndroms


1. Alkohol und Schwangerschaft
  • In diesem Kapitel werden die Gründe für Alkoholabhängigkeit bei Frauen, deren Alkoholkonsum und dessen Auswirkungen auf ihre sich entwickelnden Kinder dargestellt.

1.1. Alkoholkonsum, besonders von Frauen in Deutschland
  • In unserer Gesellschaft ist Alkohol eine legale Droge, die bei vielen Anlässen nicht wegzudenken ist, und an der der Staat durch Steuern gewinnt (Broschüre der DHS 1996, Löser 1995, 140).
    Im Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol liegt Deutschland im Ländervergleich in der Spitzengruppe (10 Liter und mehr) (Feuerlein 1997, 81). Der Pro-Kopf-Verbrauch an reinem Alkohol in den einzelnen Ländern im Jahre 1992 ist in der kommenden Tabelle abzulesen:
Land Alkohol-Pro-Kopf-Verbrauch in Litern Deutschland 12,0 Frankreich 11,8 Spanien 10,9 Dänemark 10,3 Schweiz 10,1 Österreich 10,0 Belgien 9,6 Italien 8,9 Tschechien 8,8 Niederlande 8,1 Argentinien 7,6 Australien 7,6 Finnland 7,2 Großbritanien 7,2 USA 6,9 Polen 6,3
(aus Jahrbuch Sucht 1995, in Feuerlein S. 80)

  • Es sind in den letzten Jahren in Deutschland pro Kopf (Männer und Frauen) ca. 160 L alkoholische Getränke konsumiert worden (Statistisches Jahrbuch 1996).

    Im Jahr 1995 lag der Pro-Kopf-Verbrach an reinem Alkohol bei 11,2 Litern, was in etwa dem Alkoholgehalt von ca. 285 Litern Bier oder 180 Litern Wein entspricht. (Broschüre der DHS 1996, s. Kapitel 6.5.1).

    Die folgende, aus mehreren anderen zusammengesetzen, Tabelle soll verdeutlichen, dass das Konsumniveau alkoholischer Getränke auch bei Frauen in Deutschland sehr hoch ist.
Bierkonsum in Prozent

Westdeutschland Ostdeutschland 1990 1995 1990 1992 1995 Nie 30,9 34,4 42,0 44,1 46,1 Höchstens einmal pro Monat 32,4 36,3 28,6 26,9 32,3 Höchstens einmal pro Woche 23,2 18,5 14,2 14,1 13,8 Mehrmals pro Woche 11,3 9,5 6,7 8,8 5,7
Weinkonsum in Prozent

Westdeutschland Ostdeutschland 1990 1995 1990 1992 1995 Nie 12,2 15,5 5,9 5,4 6,4 Höchstens einmal pro Monat 45,9 50,5 37,6 40,8 46,1 Höchstens einmal pro Woche 31,4 26,8 44,1 44,1 40,6 Mehrmals pro Woche 8,8 6,5 7,5 6,7 6,7
(Tabellen: Alkoholkonsumfrequenz alkolischer Getränke
18-39jähriger Frauen (1990-1995) zusammengestellt aus dem Jahrbuch Sucht 1998
von der Deutschen Hauptstelle für Suchgefahren S. 116, 117)
  • Löser (1995 S. 5) gibt zu bedenken, dass gerade für die Häufigkeit der Alkoholeffekte bedeutsam ist, dass "mehr als 80% der Mütter in der Schwangerschaft mehr oder weniger Alkohol trinken und nur 6% der Frauen volständig abstinent leben (DHS, 1985)".

1.2. Alkoholabhängigkeit bei Frauen

  • Alkoholismus ist eine schwere chronisch verlaufende Krankheit, die zu großen sozialen Folgeschäden führen kann.

    Der Alkoholismus wird von der WHO wie folgend definiert:

    • "Alkoholiker sind exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht, dass sie deutliche Störungen und Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit, in ihren mitmenschlichen Beziehungen, in ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen oder sie zeigen Vorstufen einer solchen Entwicklung. Daher brauchen sie eine Behandlung." (WHO: in Schmidt 1988, ?)
      Diese Definition ist sehr unscharf, differenzierter beschreibt Jellinek die Krankheit Alkoholismus. Jellinek (in Schmidt 1988,?) stellte auf Grund einer Befragung von alkoholkranken Menschen ein Phasenmodell zur Typologie auf. Es wurden Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta, später auch noch Epsilon-Alkoholiker abgegrenzt.
Trinktypen nach Jellinek

1. Alpha-Alkoholismus Problem- und Erleichterungstrinken Psychisch abhängig, Aufhören möglich 2. Beta-Alkoholismus Gelegenheitstrinker mit periodischem Alkoholmissbrauch (Trinksitten) Weder seelisch noch körperlich abhängig, Aufhören möglich 3. Gamma-Alkoholismus "süchtige" Trinker (zumeist hochprozentige Getränke, Rausch jedoch nicht die Regel Seelisch abhängig, Kontrollverlust 4. Delta-Alkoholismus Gewohnheitstrinker Körperliche Abhängigkeit, Entzugserscheinungen beim Absetzen, reichlicher Konsum über den ganzen Tag verteilt (Spiegeltrinker), selten Rauschzustände, Unfähigkeit zu abstinieren 5. Epsilon-Alkoholismus Periodische Trinker ("Quartalssäufer") In regelmässigen Abständen kommt es zu seelisch-körperlichen Krisen mit Unruhe, depressiven Verstimmungen, zwanghaftem Denken an Alkohol und nachfolgendem Alkoholexzess mit Kontrollverlust über mehrere Tage
(Tabelle nach Neumann 1996, 12)

Die Gamma-Alkoholismus wird weiter unterteilt in die voralkoholische, die Prodominal-, die kritische und die chronische Phase.

3.Gamma-Alkoholismus 3.1 voralkoholische Phase Erleichterungstrinken, Toleranzabnahme für seelische Belastungen, Alkohol als Kompensationsmittel, zunehmend als Stimmungsregulans, Alkoholtoleranz nimmt zu 3.2 Prodomialphase Beginnt mit retrograden Amnesien (Palimpsesten), Erinnerungslücken nach Alkoholgenuss, in Konfliktsituationen wird getrunken, alleine und heimliches Trinken, Fehlen von Rauschzuständen, Alkohol als psychische Regulans 3.3 Kritische Phase Kontrollverluste, Entstehen von sozialen Konflikten und Diskriminierung, Alkoholexzesse 3.4 Chronische Phase Regelmässiges morgendliches Trinken, tagelange Räusche, fortschreitender seelischer, körperlicher und sozialer Abbau, Konzentrations-und Merkfähigkeitsverlust, Abnahme der Alkoholtoleranz, in Trinkpausen schwerste Entzugserscheinungen, Alkoholkonsum ist wichtiger als Nahrungsaufnahme
(Nach Schmidt 1988)


  • Das Maximum für eine Gefährdung alkoholabhängig zu werden, liegt bei Frauen zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr (Trube-Becker 1987, 23). In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der Frauen in der Gruppe der Alkoholiker erheblich gestiegen (Löser 1995, 102-103).

    Gründe dafür, dass heute Frauen mehr trinken als früher (Meulenbelt 1998, 9), sind z.B. das vermehrte Anlasstrinken bei der Arbeit, bei Familienfeiern oder in der Freizeit. Der leicht erhältliche Alkohol wird von Frauen als Kompensationsmittel oder Alltagsmedizin benutzt. Auch die häufige Doppelbelastung durch Beruf und Familie lassen Frauen zum Alkohol greifen (Meulenbelt 1998, 21-30, Schmidt 1986, ?).

    Die auslösenden Faktoren für das Trinken bei Frauen sind zum grossen Teil Partnerschafts- und Familienkonflikte, häufig auch ein mangelhaftes Selbstwertgefühl (Schmidt 1986, ?; Meulenbelt 1998, 26).

    Alkoholikerinnen leben häufiger alleine als trinkende Männer. Meist kommen in ihrer Biographie Gewalterfahrungen vor, oder sie entstammen Alkoholikerfamilien (Schmidt 1986, ?; Meulenbelt 1998, 86). Frauen trinken allein und heimlich. Was vor allem dadurch begründet ist, dass in unserer Gesellschaft eine trinkende Frau weniger akzeptiert ist als ein betrunkener Mann. Sie wird diskriminiert und verachtet (Meulenbelt 1998, 13; Schmidt 1986, ?). Ein anschauliches Beispiel hierfür ist vom 6.1.1998 die Talk-Show "Sonja", , mit dem Thema: "Frauen, die trinken sind widerlich".

    Die körperlichen Folgen der Alkoholabhängigkeit treten bei Frauen früher auf als bei Männern (Schmidt 1986) Weitere Ausführungen zur Alkoholabhängigkeit bei Frauen sind bei Meulenbelt (1998) oder bei Trube-Becker (1987, 1990) zu finden.

    Annika Drozella

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  #4  
Alt 29.12.2006, 07:49
vienetta vienetta ist offline
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Erfahrungsberichte

Am 12. Januar 1989 klingelte bei uns das Telefon und unsere Sozialarbeiterin war dran.
Gleich sagte sie:
"Frau G., wir haben ein 4 Monate altes, alkoholgeschädigtes Kind in der Kinderklinik, das am Montag ins Kinderheim gehen soll, wenn sie es nicht aufnehmen!" Wir haben sofort zu gesagt und bereiteten uns vor, um unser neues Familienmitglied zu begrüßen. *H. wog damals 3500 Gramm und war knapp 50 cm gross. Bei der Geburt wog sie 1600 gram und war 42 cm gross. Sie sah aus wie ein Neugeborenes und hatte, komische, weise und sehr alte Gesichtszüge, welche typisch für FAS-Kinder sind. Sie sah aus wie ein Greis in dem Körper eines Babies. Eine Woche später nachdem, wir gelernt hatten ihr eine Magensonde zu legen, durften wir die kleine H. mit nach Hause nehmen. Damals hatten wir oft vom Fetalen Alkoholsyndrom gehört, waren aber wie viele andere immer noch der Meinung, dass dieses Kind "nur ein bißchen zurück geblieben war".

Unsere Sozialarbeiterin sagte uns damals: "Diese Kinder sind in der Regel 4 Jahren zurück, aber wenn man überlegt dass sie dann mit 24 so aussähe wie eine 20 jährige, war das nicht so schlimm!" Was wurde ich heute alles dafür geben, wenn es so sein könnte! Damals haben alle so gedacht, nur Dank der Langzeitstudien, wissen wir heute dass es nicht so ist. Die ersten sechs Monate waren sehr schwierig, sie wollte nichts essen und hat, ohne Übertreibung, 20 von 24 Stunden nur geschrien! Zum Glück hatte mein Mann damals Schichtdienst und so konnten wir uns immer mit dem Schlafen abwechseln. Zu dem Zeitpunkt war ich ein schlafloses Bündel Streß. H. schlief nie, schrie nur, wollte nichts essen. Alle meine Erfahrungen als Mutter brachten mir nichts. Jede Mahlzeit war ein Kampf, den ich leider oft verlor. Als sie älter wurde, war es normal, zweieinhalb Stunden, damit zu verbringen, ihr 3 Löffel Babybrei in den Mund zu schieben. Da H. dazu auch noch eine Gaumenspalte hatte, kam das Meiste vom Essen wieder aus Ihrer Nase! Ihre Magensonde nahm sie dauernd raus und ich hatte, langsam aber sicher, das Gefühl, dass sie mich haßte.

Voller Enttäuschung hatte ich mich damit abgefunden, dass wir mit FAS allein dastanden und versuchte das Beste daraus zu machen. Mein einziger Trost war der "Ratgeber zur Alkoholembryopathie"; dieses kleine Büchlein war inzwischen meine Bibel geworden... Eine Mutter erzählte darin genau die Geschichte über die Essprobleme, die wir mit H. hatten. Dort stand auch drin, dass diese Kinder nicht auf zupäppeln sind, viel weniger zu essen brauchen als normale Kinder und ihre Essgewohnheiten fast als "normal" anzusehen sind. Sie schrieb, dass Ihre Einstellung sich geändert hätte und seitdem, auch wenn nichts gegessen werde, könnte sie trotzdem sagen "Essen, kein Problem!". Das habe ich mir wirklich zu Herzen genommen und von da an ging alles viel einfacher. Meine Angst, dass sie verhungern würde, war wie weggeblasen und meine neue Gelassenheit hat sich auf H. übertragen so dass die Mahlzeiten von nun an friedlich verliefen. Als sie ca. 3 Jahre alt war haben wir entdeckt, dass sie Mandarinen mochte. Die Mandarine dürfte sie erst essen, wenn sie das restliche Essen gegessen hatte. Von da an hat sie immer aufgegessen.


Mit 4 ging sie in den Kindergarten, dort verbrachte sie die bestimmt glücklichsten Jahre Ihres Lebens. Obwohl sie immer die Kleinste war, war sie dort als "Boss" bekannt. Die Erzieherin hat uns einmal erzählt, dass sie noch nie ein selbstbewußteres Kind gesehen habe. Trotz einem starken Sprechfehler, war sie akzeptiert und sie freute sich immer dorthin zu gehen. Als sie mit fast 7 Jahren zur Schule gehen sollte, hatten wir es geschafft, dass sie doch noch ein Jahr im Kindergarten bleiben dürfte. Der Schulpsychologe hat uns damals erklärt das H. eigentlich in eine Schule für geistig Behinderte gehöre, was uns sehr bestürzte. Wir wußten, dass sie, verglichen mit den andern Kindern, zurückgeblieben war, wir hatten aber immer gehofft, wir könnten sie zu einem "normalen" Kind machen. Nach dieser Untersuchung haben wir zum ersten Mal erkennen müssen, dass FAS ein Lebenlang bleibt und nicht weg zu bekommen ist. Sie ging dann mit fast 8 Jahren nicht in eine G. Schule, sondern Dank unserer guten Verbindungen zur einer dänischen Schule, in eine Sonderklasse, in der gleichen Grundschule mit ihren Kindergarten -freunden. Kurz nachdem sie in die Schule ging, bekamen wir unsern ersten Computer, gleich setzte ich mich hin und suchte alles, was ich über FAS finden konnte. Nach nur ein paar Tagen fand ich eine englische Selbsthilfegruppe für FAS. Endlich waren wir nicht mehr allein!

Nach all den Jahren, auf der Suche nach Infos, hatten wir auf einmal, so viel gefunden, dass es Monate dauerte um alles durchzulesen. Viele Sachen, die wir glaubten, dass sie nur auf H. zutrafen, trafen fast alle auf FAS Kinder zu. Ihre Wutausbrüche, ohne erkennbare Gründe, ihre Kälteempfindlichkeit, so schlimm, dass sie mitten im Sommer noch mit dicken Pullis herumlief, kam bei anderen Kindern auch fast immer vor. Je älter H. wurde um so mehr fiel ihre Behinderung auf. Mit der Schule ging es langsam aber sicher den Berg ab. Unser kleiner Sonnenschein wurde immer mehr gehänselt, dass sie ein "Oma" oder "Affen" Gesicht habe, dass sie zu klein sei, dass sie nicht ordentlich reden könne, trotz jahrelanger Sprachtherapie... Sie fing an mit gebeugtem Kopf herum zu wandern, damit keiner ihr Gesicht sah. Sie sprach keinen Menschen mehr an, den sie nicht so gut kannte und zog sich immer mehr zurück und wollte auf keinen Fall auffallen. Sie hat sich bis zu dem Zeitpunkt immer gut in der Schule benommen und wurde jetzt aber immer frustrierter, als sie selbst bemerkte, dass sie sich vieles einfach nicht behalten könnte. Sie hat immer alles gegeben, aber ihr Gehirn machte einfach nicht mit.


Mit 8 Jahren hat sie wiederholt gemeckert, dass sie so klein sei, 115 cm. Die täglichen Wachstumsspritzen hat sie immer gerne bekommen und sie merkte selber wie sie auf einmal zu wachsen anfing. Heute mit 14 (149 cm) freute sie sich über jeden neuen Zentimeter. Sie hat vor 2 Jahren eine "Sprachverbesserungs" Operation durchgemacht, wo ihr Rachen völlig umgebaut worden ist, um ihre Sprache zu verbessern. Heute freut sie sich sehr, dass sie viel besser sprechen kann, auch wenn sie immer noch Angst hat, Fremde anzureden. H. liebt Pferde und glücklicherweise wohnen wir genau neben einem Reiterhof. Dort verbringt sie jeden Nachmittag, sie besitzt ein eigenes Pony, das sie heiß und innig liebt. Obwohl sie erst mit 10 Jahren sagen konnte, dass an der Hand fünf Finger sind, kann sie einem alles über Pferden erzählen. Hier hat sie scheinbar keine Erinnerungslücken! Sie wird auf dem Hof völlig akzeptiert und ihre Hilfe wird auch gern, von erwachsenen Pferdebesitzern, angenommen, weil sie so gut mit Tieren umgeht. Hier findet sie die Bestätigung ihres Könnens, das sonst überall fehlt. Sie ist sogar bei den letzten 3 Turnieren plaziert worden, was für so ein Kind ein riesen Schritt ist.
Probleme gibt es trotzdem, beim Springen vergißt sie oft die Reihenfolge, da sie die Nummern so schnell nicht erkennen kann und ist dann so sauer auf sich, dass manchmal der Ausdruck "Blöder Alkohol" aus ihr heraus sprudelt. "Warum bin ich so auf die Welt gekommen, warum bin ich nicht so wie die anderen Kinder?" Es war für sie ein große Erleichterung zu wissen das sie keine Schuld daran hat, wenn sie immer wieder was vergißt usw. Sie hat vorher gedacht sie wäre einfach "blöd", was für sie ein große Last war. Als sie es verstanden hat, woher es kommt, sagte sie einmal zu mir "Mama, du mußt allen Leuten schreiben und sagen das sie kein Alkohol trinken sollen wenn sie schwanger sind, sonst kriegen die, Kinder wie ich und das ist fies und gemein!" Mit ihren 14 Jahren kann H. kaum lesen und schreiben (ca, 2-3 Klasse). Alles ist Abstrakt, Zeit, Geld, Mathe sind wie Fremdsprachen für sie und bereiten ihr immer mehr Schwierigkeiten. Sie hat seit kurzem einen Behindertenausweis mit 60 % mit B (Begleitung) und H (hilflos) darauf. Sie ist nun voll in der Pubertät und Ihre Wutausbrüche haben sich nur verstärkt. Sie ist meistens ein sehr fröhliches Mädchen, mit tollem Humor. Ihre Aussprache wird immer besser und verständlicher, was für ihr Selbstbewußtsein nur gut ist. Sie hofft später hier, auf dem Hof arbeiten zu können als Stallmädchen, was auf alle Fälle besser für sie wäre, als in irgendeiner geschützten Werkstatt zu arbeiten. Hoffentlich erfüllt sich ihr Wunsch! Eins ist sicher, wir werden dafür kämpfen!

Ann Gibson www.fasworld.de



Adoption war ...

Zustand Verwahrlosung, 6 KG, 69cm, Kopf 41, Ohr verklebt links/Notarzt noch in Moskau Antibiotikatherapie. Fast keine Haare auf dem Kopf.

  • Bindungslos, ging nur an der Wand entlang, kratzte und lutschte alles durch. Massive Geräuschkulisse mit stereotypem Heulen. Steroetype Bewegungen. Wurde zugänglicher, wenn man Action machte, sehr neugierig, aber nur an der Oberfläche. Drehte alles was es zu drehen gab. Bindungslos, ging weg ohne sich zu vergewissern ob wir überhaupt da sind. Schaukeln und Rutschen oder Geräusche waren interessanter.

Wieder in S, chronische Otitis, Notarzt, nach 3 Wochen jaulen über den ganzen Tag und stereotypes kratzen, keine Möglichkeit sie aus der Situation zu holen. M. verweigerte sich grundsätzlich, wollte drehen und kratzen. Lief orientierungslos durch die Gegend. Keine Möglichkeit sie abzulenken. Das ging 8 Monate so. Ich stellte sie dem Homöopathen vor, sie bekam Magnesium Carbonicum C 1000, dann aufhören mit dem Jaulen und sie wurde zugänglicher, lernte Steckspiele, oder Kette einfädeln. Sprache wollte sich nicht einstellen, es blieb bis heute bei Geräuschen. Sehr bockig und verweigernd.
  • Kein Interesse an Arbeiten, z.B. Immitieren von Kochen. Hauptsächlich Klettern, sehr geschickt, auch beim Essen, gesunder Appetit, hauptsächlich auf Brot und Kohlehydrate. Finger in ständiger Bewegung, schraubt und macht stereotype antipbewegungen. Versucht auch mit fixierendem Blick mich damit zu provozieren, wenn sie was nicht machen will. Ist fixiert auf den der ihr das beste Programm bietet, kriegt sie es nicht, dann Kopfschlagen, bodenfallen lassen aufstampfen oder Tischhauen. Drückt den Finger auf den Tisch bis ein gräßliches Geräusch entsteht. Immitiert Tiere, Perfekt Seehund, hört sich an wie ein Schimpanse. Beim Weinen läuft Speichel aus dem Mund, beim essen jedoch nicht.
Fast keine Gesichtsmimik, Sprache gepreßt, Schreie bei Verneinung. Beim Lachen verzieht sich der Mund zu einer Grimmasse. Kann über den toten Punkt gehen, dreht dann immer mehr trotz Müdigkeit auf. Kann sich aber freuen, wenn ihr was gelingt. Kann gut Leute ausspielen, sucht sich Leute, die ihr Programm machen. Sehr fixierender Blick. Ständig in Bewegung. Neue Sachen will sie nicht beginnen, lieber zuschauen, sehr schwer und unter Druck zu irgendwas zu bewegen. Triftet dann irgendwann ab um sich der Stereotypie zu widmen. Schmerzunempfindlich, Wahrnehmungsstörungen. Panik vor weißen Kitteln und Gummihandschuhen und Lichtquellen. Es geht nur mit ganz klaren Grenzen. Schläft durch, braucht aber manchmal bis zu 2 Stunden um in den Schlaf zu finden. Große Liebe zur Musik, tanzt gerne, summt die Melodie Hänschen Klein, tanzt zu Bibabutzemann.

  • Kopfumfang noch immer unter der Percentile, jedoch auf 47 cm gewachsen (sichtbar gut nach der Gabe von Magnesium Carbonicum) sehr kleine Füße Größe 23. Bei 88 cm. Ich will auch nochmal ausdrücklich schreiben, daß Magnesium Carbonicum hier die Wende brachte, da das Zusammenleben mit M. unerträglich geworden ist. Das hätten wir keinen Monat mehr durchgehalten. Zur Info: Mag Carb. ist ein Mittel, das bei Waisenhäusern vor 100 Jahren eingesetzt wurde, wenn die Säuglinge Gedeihprobleme hatten, der Kopf athropierte und die Sterblichkeitsrate hoch war. Ein typisches Mittel für Waisenkinder und Deprivation. Das nächste Mittel, welches ich aber meinem Homöopathen überlasse könnte Opium sein. Opium ist das Mittel, was nach den Folgeerscheinungen nach Alkolmisbrauch gegeben wird, also FAS oder FAE.




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  #5  
Alt 29.12.2006, 07:50
vienetta vienetta ist offline
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Schulische Bilanz eines 8 jährigen FAE-Kindes Name X.Y.

X ist gut selbständig. Das Kind ist beim Sichwaschen, An- und Ausziehen u.s.w. nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

Das Kind weiss sich gut zu helfen und ist auch sehr hilfsbereit, wenn er/sie sieht dass ein anderes Kind Hilfe braucht beim Verrichten der alltäglichen Handgriffe.

Da X langsam isst, sich beim Essen vom Geschehen an den anderen Tischen leicht ablenken lässt oder viel zu erzählen weiss, wird sein/ihr Essen meistens kalt.

X ist sehr mitteilungsfreudig, da X die Wörter nicht richtig ausspricht, kommt es oft zu Verständigungsschwierigkeiten.

Zu Beginn des Schuljahres sprach X sehr wenig, hörte aber immer interessiert zu.

X macht gute Fortschritte im schulischen Bereich. Dabei ist das Kind vor allem am Rechnen interessiert. Das Schreiben der Zahlen, sowie der Buchstaben bereitet ihm/ihr jedoch grosse Schwierigkeiten.

Das Kind drückt sehr fest auf den Bleistift (Verkrampfung) und das Einhalten der Linien stellt eine hohe Anforderung an ihn/ihr.

Er/Sie kann einige Wörter ganzheitlich lesen und abschreiben. Das Schreiben im Heft erfordert jedoch grosse Anstregungen und Konzentration von ihm/ihr.

Beim exakten Ausführen der Schneidearbeiten mit der Schere hat X einige Probleme, dabei gibt er/sie sich aber die grösste Mühe seine Arbeiten sauber auszuführen.

X ist sehr ehrgeizig, was seine/ihre motorischen Leistungen anbelangt. Er/Sie will immer noch mehr schaffen. Unermüdlich bis zur Erschöpfung hin führt er/sie alle Bewegungsspiele aus.

X kennt die meisten Teile des Körpers und kann sie auch benennen. Er/Sie kann einfache Rythmen wiedergeben.

X kann zwischen Essbarem und Nichtessbarem unterscheiden. Er/Sie hat einige Grundkenntnisse über die Gefahren des Alkohols, des Tabaks, der Drogen.

X ist durch sein freundliches Auftreten bei allen Kindern und Erwachsenen beliebt. Er/Sie ist sehr anhänglich und kontaktfreudig (Körperkontakt). Er/Sie ist höflich und sagt Bitte und Danke, wenn er/sie was haben will.

X ist sehr einfühlsam und sensibel was seine/ihre eigene Person, sowie seine/ihre Umgebung anbelangt.

X besitzt einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

X sammelt alles was er/sie findet, es fällt ihm/ihr schwer Ordnung zu halten. Unter seiner/ihrer Schulbank resp. in ihrer/seiner Schultasche herrscht ein regelrechtes Chaos.

Er/Sie ist bemüht guten Eindruck zu machen und zu gefallen. Er/Sie verträgt es nicht wenn man Kritik an ihm/ihr ausübt.

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  #6  
Alt 29.12.2006, 08:07
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liebe vienetta bitte benutze diese farbe nicht da ich sie nicht sehen kann,ich sehe nur bilder oder lehre seiten,
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  #7  
Alt 29.12.2006, 08:13
vienetta vienetta ist offline
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oh entschuldigung .......werd drauf achten
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  #8  
Alt 29.12.2006, 08:15
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konntest du ja nicht wissen,nur geht auch anderen so.manchmal allerdings sieht man es auch erst nach der kopie in welcher farbe es hier ist ,woanderst sieht es kräftig aus.
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