eim so genannten Sichelfuß (=Pes adductus) handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Fußes. Betroffen sind der Mittelfuß und die Zehen, die verstärkt nach innen gewölbt sind (=Adduktionsstellung). Häufig tritt diese Fehlstellung beidseitig auf.

Die Sichelfußstellung ist durch die starke Einwärtsdrehung der Zehenspitzen charakterisiert
Ursachen
Der angeborenen Form des Sichelfußes liegt ein so genannter rezessiver Erbgang zu Grunde, bei dem die Erkrankung lediglich dann zur Ausprägung kommt, wenn beide Elternteile die entsprechenden Merkmale dafür tragen (rezessiv = lat. zurücktretend, nicht in Erscheinung tretend).
In vielen Fällen ist der Sichelfuß jedoch eine erworbene Fehlbildung. Bei Säuglingen, die bevorzugt in Bauchlage gelagert werden, kann es durch das ständige Aufliegen der Zehen zu einer dauernden Verdrehung des Vorfußes nach innen kommen, so dass der Fuß schließlich in die Sichelstellung hineinwächst.
Mit etwa 70% tritt diese Fehlstellung des Fußes wesentlich häufiger bei Jungen auf als bei Mädchen.
Symptome
Die betroffenen Kinder zeigen in der Regel keine speziellen Symptome. Der Fuß ist meist uneingeschränkt beweglich, und die Patienten klagen nicht über Schmerzen. Die klinische Untersuchung zeigt, dass entweder nur die erste Zehe (=Großzehe) oder alle Zehen mit ihren Spitzen nach innen stehen. Bei den angeborenen Fällen tritt begleitend ein so genannter Hallux varus auf, d.h. die Großzehe ist im Grundgelenk zum anderen Fuß hin abgeknickt. Der Rückfuß mit der Ferse ist meist valgisch (=nach innen) eingestellt, so dass die Patienten einen auffällig einwärts gerichteten Gang zeigen. Wird bei der Untersuchung der äußere Fußrand bestrichen, richten die betroffenen Kinder den Fuß geradeaus.
Therapie
Bei Säuglingen wird eine Sichelstellung des Fußes zunächst manuell korrigiert. Ist ausschließlich der Vorfuß betroffen, reicht es häufig schon aus, den Fuß wiederholt in eine Normalstellung zu drücken. Auch das leichte Bestreichen des äußeren Fußrandes fördert die normale Ausrichtung des Fußes. Zusätzlich können Schaumstoffringe für die Unterschenkel angewendet werden, die in der Bauchlage das Aufliegen der Füße auf dem Außenrand verhindern.
Bei einer Beteiligung des Mittelfußes müssen korrigierende (=redressierende) Gipsverbände für die Oberschenkel angelegt werden. In den meisten Fällen können diese nach etwa einer bis drei Wochen entfernt werden. Anschließend erhalten die Kinder so genannte Lagerungsschalen, die sie ausschließlich nachts tragen. Beginnen die Kinder zu stehen und zu laufen, können Schuheinlagen, die die Fersen umfassen und einen vorgezogenen Innenrand haben, verordnet werden.
Führen die genannten Maßnahmen nicht zu einer ausreichenden Korrektur der Fehlstellung kann eine operative Behandlung eingeleitet werden. Dabei wird die Stellung der Mittelfußknochen verändert. Allerdings ist eine solche Operation nur in sehr seltenen Fällen wirklich notwendig.
Verlauf
Unbehandelt kann die dauerhafte Fehlstellung des Fußes zu einer Versteifung des Mittelfußes führen. Durch die ständige Fehlbelastung werden vor allem Fuß-, Knie- und Hüftgelenke einer starken Abnutzung ausgesetzt, die eine frühzeitige Degeneration des Gelenkknorpels mit begleitender Schädigung des Knochens (=Arthrose) zur Folge hat.
Darüber hinaus führt der veränderte Gang zu einer kosmetischen Beeinträchtigung, die von den Patienten mit zunehmendem Alter als unangenehm empfunden werden kann.