Wie kann man chronische Schmerzen behandeln?
Patienten mit chronischen Schmerzen, sollten entsprechend den vielfältigen Ursachen und verstärkende Faktoren ihrer Krankheit mit einer Kombination sich ergänzender Verfahren behandelt werden, die sowohl körperliche, seelische als auch soziale Aspekte umfassen.
Medikamente bilden häufig die Basis einer Dauerbehandlung. Die medikamentöse Schmerztherapie wird laut WHO Richtlinien in drei Stufen unterteilt:
Zusätzlich können bei bestimmten Schmerzformen weitere Medikamente gegeben werden, etwa entkrampfende Mittel bei Koliken. Bestimmte
Antidepressiva haben völlig unabhängig von ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung eine sehr gute schmerzlinderne Komponente. Nicht selten steht am Anfang der Behandlung ein Entzug von solchen Schmerzmedikamenten, die für die Chronifizierung der Schmerzkrankheit mitverantwortlich sein können (vor allem bei Kopfschmerzen).
Neben der Psychotherapie und der medikamentösen Einstellung stehen je nach Schmerzform weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
- Mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS) werden die Nervenstrukturen durch das Anlegen von Stromimpulsen auf der Haut gereizt. Durch diese Maßnahme wird des körpereigene spinale Schmerzhemmsystem aktiviert.
- Akupunktur
- Krankengymnastik zur Stärkung oder Entlastung von Muskelgruppen
- Bewegungstherapie
- Verhaltenstherapie wie Stressbewältigungstraining oder Biofeedback
- Autogenes Training
- Nervenblockaden z.B. Sympatikusblockade durch die intravenöse Gabe von Guanethidin
- Implantierbare Schmerzpumpen zur kontinuierlichen Abgabe von Medikamenten zur Schmerzmittelspiegelerhaltung
- Regionalanästhesien z.B. mit Periduralkatheter
- Entlastungs- oder Palliativoperationen z.B. beim Karpaltunnelsyndrom
Aber auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, wie eine Änderung der Ernährung oder ein Wechsel des Arbeitsplatzes, können den Schmerzalltag positiv beeinflussen.
Bestimmte Therapieformen können nur stationär oder ambulant in einer Schmerzambulanz durchgeführt werden. Neben den apparativen Voraussetzungen müssen vor allem speziell geschulte Ärzte die Therapie ansetzen und überwachen. Wegen der vielfältigen Therapieformen wird sich das ärztliche Team einer Schmerzambulanz aus Experten verschiedener Fachrichtungen wie Anästhesie, Psychotherapie, Chirurgie, Orthopädie und Neurologie zusammensetzen und sich an der Therapie beteiligen.
Zur Verlaufs- und Erfolgskontrolle werden standardisierte Schmerzfragebögen, Schmerztagebücher und Verlaufsdokumentationsbögen eingesetzt, welche auch zu Hause fortgeführt werden müssen.
Welche Fehler können bei der Behandlung auftreten?
Das größte Problem bei chronischen Schmerzen ist für den Patienten oft die fehlende fachärztliche Begleitung. Zunächst werden etwa 40 Prozent der Schmerpatienten gar nicht behandelt. Von den Patienten, die sich in ärztlicher Behandlung befinden, werden wiederum nur zwei Prozent einem speziell ausgebildeten Therapeuten vorgestellt. Viele Patienten leiden also mehr als nötig, weil ihre Schmerzen nicht individuell betreut werden.
Die häufigsten Fehler, die bei der Behandlung von Schmerzpatienten auftreten, sind:
- Zu spätes Aufsuchen eines Schmerzspezialisten
- Falsche oder zu niedrig dosierte Medikamente
- Bedarfsschmerzmedikation an statt Dauerschmerzmedikation zur Prophylaxe
- Unzureichende Kombination von verschiedenen Therapieverfahren
- Zu später Einsatz von potenten Medikamenten (z.B. Psychopharmaka, Opiaten)
- Fehldiagnose der Schmerzform mit allen daraus entwickelnden Therapiefehlern
Quellen
Leitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie; Deutsche Schmerzliga; Schmerztherapeutische Kolloquien