Hi robi!
Offiziell bin ich ganz normal

Aber...
Ich habe eine Behinderung (z.b. bin ich kurzsichtig und trage Kontaktlinsen)
Ich bin behindert (z.b. durch Ängste)
Ich werde behindert (z.b. durch Situationen, andere Menschen und manchmal behindere ich mich auch selbst

)
Was ist schon 'normal'?
In meiner Ausbildung haben wir mal einen Artikel über 'die Pathologie der Normalität' bekommen - das war echt interessant.
Das Ganze ist ein unendliches und immer wieder schwieriges Thema.
Andererseits kann ich als Mensch, der mit beeinträchtigten Menschen arbeitet sagen:
Ich brauche so etwas wie die 'Normalität' als Vergleichs- oder Richtwert,
um anderen helfen zu können!
Ich arbeite jetzt schon so lange in diesem Bereich, dass mir vieles, was mir begegnet inzwischen ganz normal vorkommt. Dann kann es passieren, dass ich in einigen Entwicklungsbereichen keinen Förderbedarf mehr erkennen kann, weil ich denke: Hey - das Kind macht es doch richtig gut, da brauchen wir nichts weiter tun...
Ich schau mich lieber immer mal wieder im 'Regelbereich' unter den 'Normalen' um,
damit ich die Verhältnisse nicht aus den Augen verliere - sonst kann ich meine Arbeit nicht mehr gut genug machen.
Ansonsten gilt für mich:
Es ist normal anders zu sein.
Dieser Spruch kommt aus der Integrationspädagogik und trifft meine Einstellung ganz gut.
Ich denke, es geht weniger darum genau zu definieren, was 'normal' oder was 'behindert' ist. Das klappt sowieso nicht, sonst gäbe es solche Definitionen schon. Es macht auch keinen Sinn, weil man so nur 'Schubladen' baut, in die eh nicht alle reinpassen.
Es wurde auch immer wieder versucht Begriffe oder Bezeichnungen zu finden, die weniger wertend oder verletzend sein könnten. Auch das hat bisher nicht wirklich geholfen. Sobald man nämlich einen vermeindlich besseren Ausdruck gefunden hat, verselbstständigt sich das Ganze und dieser Ausdruck bekommt nach einiger Zeit eine ebenso negative Einfärbung, wie alle anderen vor ihm...
Es geht wohl eher um folgendes:
Welche Einstellung habe ich mir selbst gegenüber
und
welche Einstellung habe ich zu dem Menschen, der mir gerade gegenüber steht.
Ich befürchte, alles andere behindert uns nur in unserem miteinander, oder?